Krefeld - Tote Lämmer auf dem Seziertisch: Unheimliches Virus

Tote Lämmer auf dem Seziertisch: Unheimliches Virus

Von: Ulrike Hofsähs, dpa
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Schmallenberg-Virus
Auf der Suche nach dem Schmallenberg-Virus werden in Krefeld tote Lämmer und Kälber untersucht. Täglich werden derzeit an die 20 tote Schafe seziert. Aber auch missgebildete Kälber kommen in die Pathologie. Foto: dpa

Krefeld. Ein paar Strohhalme hängen noch an dem toten Winzling. Die Beinchen sind seltsam verdreht und der kleine Kopf sitzt schief: Das sind typische Anzeichen für das Schmallenberg-Virus bei einem Lamm.

Herbert Puts, der Vorarbeiter in der Sektionshalle des Veterinäruntersuchungsamts in Krefeld, bereitet den wolligen Kadaver vor für die Pathologie. Der nächste liegt schon in einer Plastikwanne, auch dieses Tier kam tot auf die Welt.

Tote Tiere am Fließband

Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper in Krefeld werden dieser Tage die Jungtiere praktisch am Fließband abgegeben. An dem großen Seziertisch begutachten Tierpathologen die toten Lämmer, nehmen Proben aus Milz, Gehirn und Blut. Gesucht wird nach Spuren des Schmallenberg-Virus. In mindestens sechs Bundesländern ist das Virus bei Schaf-, Rinder- und Ziegenhaltungen in 106 Betrieben festgestellt worden. Mehr als die Hälfte von ihnen liegt in Nordrhein-Westfalen.

Versteifte Gliedmaßen, ein fehlendes Kleinhirn, ein grotesk verbogener Hals, das können Symptome für das Schmallenberg-Virus sein. „Sowas hatten wir noch nicht gesehen”, sagt die Tierpathologin Dr. Annette Kuczka. Es gibt eine große Variationsbreite. Manche Tiere sehen fast normal aus, andere nicht. Doch nur bei einem Teil der toten Lämmer, auch wenn sie Veränderungen hatten, wurde das Virus dann tatsächlich nachgewiesen.

Die Schafhalter sind in Sorge. Der Schafzuchtverband in NRW weiß, dass bei Zwillingsgeburten von Schafen ein Tier tot und das andere gesund geboren werden kann. „Es gibt Betriebe mit einem Schaden von 50 Prozent, andere haben bislang keine Totgeburten gehabt”, rätselt Markus Barghausen, der Berater bei dem Verband in Paderborn. Allerdings gibt es inzwischen Meldungen aus allen Regionen von Nordrhein-Westfalen. Auch wenn bundesweit noch keine Meldepflicht gilt, sammelt das Landesumweltamt die Daten.

Schwierige Geburten

Schafhalter klagen über schwierige Geburten der Muttertiere. „Eigentlich sind Lämmer sehr beweglich, aber durch die Steifheit geht es nicht voran und der Tierarzt wird gerufen”, berichtet Berater Barghausen. Gerade hat ihm ein Mann sein Leid geklagt, der eine schlaflose Nacht bei seinen Tieren verbracht hat. „Eigentlich freuen sich die Halter auf die Lammzeit, aber nun schwingt auch die Angst mit.” Eine Entschädigung gibt es nicht.

Nordrhein-Westfalen hat mehr als 10 000 Schafhalter mit fast 400 000 Tieren. Das Schmallenberg-Virus wurde im November 2011 entdeckt; es wird vermutlich von Insekten übertragen. Die Muttertiere hatten sich wohl im vergangenen Sommer und Herbst angesteckt.

Der Bauernverband in Westfalen verfolgt aufmerksam die Lage. „Abwarten, Daten sammeln”, sagt sein Sprecher Hans-Heinrich Berghorn. Noch liegt viel im Dunkeln. Nun machen sich Landwirte auch Gedanken um die Rinder. Denn bald kommen die Kälber auf die Welt.

Allein in der vergangenen Woche wurden in Krefeld zwei tote Kälber seziert. „Wir haben einzelne Kälber gesehen mit Missbildungen, die wir für typisch halten”, berichtet Tierpathologin Kuczka. Fachleute erwarten, dass es weitere Fälle geben wird.
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