Aachen - Tote am Windrad: Mutter sagt vor Gericht aus

Tote am Windrad: Mutter sagt vor Gericht aus

Von: Marlon Gego
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Die Angehörigen der Ermordeten: Katharina F. (links) und zwei ihrer Töchter, die im Prozess als Nebenkläger auftreten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Als Katharina F. am Dienstag erzählte, wie sie leidet, wie es ist, wenn die Tage sich neigen und sie allein zu Hause ist, wie es sich anfühlt, ohne die ermordete Tochter leben zu müssen, da zeigte Patrick G. zum ersten Mal während des Prozesses Emotionen.

Katharina F. erzählte von ihren langen Gesprächen mit einem Pater, der sich bis heute jeden Tag danach erkundigt, wie es ihr geht, dass er sie stützt, ihr beisteht. Der dieses Mordes mitangeklagte Patrick G. saß wenige Meter daneben, hielt sich die Hand vors Gesicht und senkte seinen Kopf. Dass er errötete, war trotzdem zu erkennen.

Katharina F. (55) ist die Mutter der am Ostermontag in Linnich-Hottorf ermordeten Christina F. (27), die damals im siebten Monat schwanger war. Sie ist im Prozess gegen Patrick G. und Corina Ö. (29) aus Titz-Rödingen eine der Nebenkläger, und bislang fiel sie besonders dadurch auf, dass sie dem Prozessgeschehen mit einem bemerkenswerten Maß an Haltung und an Würde folgte, schweigend. Die zum Teil absurd wirkenden Aussagen von Patrick G. und die juristischen Spitzfindigkeiten der Verteidiger Corina Ö.s ertrug sie ebenso gelassen wie die sich massiv widersprechenden Versionen des Tatgeschehens. Und sie ertrug die unterschiedlichen detaillierten Schilderungen, wie ihre Tochter ermordet worden sein könnte.

„Das ist Dein Todesurteil“

Am Dienstag nun, am vierten Tag des Prozesses, bat der Vorsitzende Richter Arno Bormann Katharina F. in den Zeugenstand, auch das nahm sie auf sich. Ob Patrick G. oder Corina Ö. ihre Tochter getötet hatte, konnte sie natürlich nicht sagen. Aber sie erklärte dem Gericht, dass Patrick G. ihr „nie geheuer gewesen“ sei, seit er sich Ende August 2013 mit ihrer Tochter Christina angefreundet hatte. Weder habe er sie, die Mutter, kennenlernen wollen, noch habe er Christina seinen Eltern vorgestellt. Eine pragmatische Frau, die vier Kinder großgezogen und klare Vorstellungen von einer Beziehung hat, machte solches Verhalten skeptisch.

Sie beschrieb ihr Verhältnis zu Christina F. als innig, sie hatten jeden Tag Kontakt, oft mehrmals. Als Christina F. ihrer Mutter berichtete, am 15. Februar während eines Spaziergangs mit Patrick G. am Lucherberger See in Inden von einem vermummten Menschen angegriffen und umgestoßen worden zu sein, war die Mutter alarmiert. Zu Recht, wie sich zeigte, denn der Überfall stellte sich als einer der vielen Versuche heraus, Christina F.s Schwangerschaft zu beenden. Der vermummte Mensch war Corina Ö. gewesen.

Sechs Wochen später, am Abend des 31. März, einem Montag, rief Christina F. ihre Mutter an. Sie sagte ihr, sie würde gleich mit Patrick G. an die Rur fahren, um nach einer Fernbedienung zu suchen, die er am Dienstag während eines gemeinsamen Spaziergangs dort verloren habe.

Die Mutter sagte: „Du gehst nicht mit, das ist Dein Todesurteil.“

Die Tochter erwiderte: „Mama, Du machst mir Angst.“ Sie blieb zu Hause. Wie der Leiter der ermittelnden Mordkommission, Michael Fritsch-Hörmann, dem Gericht vorher erklärt hatte, habe sich an jenem Abend Corina Ö. tatsächlich nahe der Stelle aufgehalten, an der Patrick G. vorgeblich nach der Fernbedienung suchen wollte.

Richter Bormann wollte wissen: „Wie ist es, wenn das eigene Kind umgebracht wird?“

Katharina F. sagte: „Ich habe Christina neun Monate lang getragen, bevor sie auf die Welt kam. Jetzt ist es, als sei sie mir aus dem Leib gerissen worden.“ Stille im Saal, Patrick G. sank in sich zusammen, Corina Ö. weinte. „Ein solcher Verlust ist nicht zu verkraften“, fuhr Katharina F. fort, „das sage ich Ihnen ganz ehrlich.“

Der Prozess wird am 14. November um 9 Uhr fortgesetzt.

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