Aachen - „Tötung auf Verlangen” oder nicht?

„Tötung auf Verlangen” oder nicht?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
totschlag alsdorf
Wegen Totschlags in einem minderschweren Fall soll der koreanische Journalist Sung-Bong H. (64, rechts) für sechseinhalb Jahre in Haft. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wegen Totschlags in einem minderschweren Fall soll der koreanische Journalist Sung-Bong H. (64) für sechseinhalb Jahre in Haft.

Für Staatsanwältin Claudia Schetter war in ihrem Plädoyer vor der Aachener Schwurgerichtskammer klar, dass hier ein Fall verhandelt wird, der nicht alleine mit europäischen Maßstäben gemessen werden kann.

Alleine die Ausgangssituation des koreanischen Ehepaares, das seit etwa 38 Jahren in Deutschland lebt, war vor der Tat ungewöhnlich, da der Ehemann bislang gegenüber seiner 59-jährigen Frau nie ein Widerwort gab oder etwas tat, was seine „Königin” nicht wollte.

Selbst am Abend ihres Todes, es war Sonntag der 29. Juni 2007 gegen 22.30 Uhr, das schilderte der Angeklagte in verschiedensten Varianten, sei er eigentlich „nur” dem Willen seiner völlig frustrierten und dem Leben überdrüssigen Frau gefolgt, die nach ihrem heftigen Streit aus dem Leben scheiden wollte und er direkt danach ihrem Weg folgen sollte.

Er hat sie ernst genommen

Schetter erklärte, sie glaube wohl, dass die Ehefrau, bevor sie erwürgt wurde, sagte „dann bring mich doch um”. Doch eine solchermaßen angeordnete „Tötung” müsse im hiesigen Recht ein „ernstliches Verlangen” zur Grundlage haben. Die Aufforderung sei in einem heftigen Disput gefallen, meinte die Staatsanwältin, ein solches Begehren würde im hiesigen Kulturkreis nicht sehr ernst genommen, es bleibe also ein Totschlag.

Die Ehefrau hatte ihrem Mann die heftigsten Vorwürfe über ihr unstandesgemäßes Leben gemacht und war bereits dabei, alle gemeinsamen Sachen, darunter selbst Orden und Bücher des ehemaligen Bergmanns und späterem Journalisten, zu vernichten. Ja sie zwang ihn sogar, die Sachen selbst zum Container zu fahren.

Verteidiger Rainer Dietz folgte in der Sache der Staatsanwältin, kam aber zu der Überzeugung: „Es war tatsächlich ein Tötung auf Verlangen” und forderte fünf Jahre Strafhaft. Das Urteil wird am Montag, 10 Uhr, gesprochen.
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