Tödliches Drama in Heinsberg-Unterbruch: Prozess gestartet

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Foto: Ralf Roeger

Aachen/Heinsberg. Ein ausgesprochenes gewalttätiges Drama vom 12. Juni in Heinsberg-Unterbruch wird seit Montag vor dem Aachener Schwurgericht verhandelt. Gegen 8.30 Uhr an diesem Donnerstag im Sommer war ein Nachbarschaftsstreit unter den Augen der Polizei völlig entgleist. Am Ende starb ein 75-jähriger Mann an den Folgen eines Polizeischusses in sein Bein.

Er war mit einem Messer auf die Beamten losgegangen, drei der eingesetzten Polizisten wurden durch Stiche schwer verletzt, eine Polizistin kam leicht verletzt davon.

Der 75-Jährige war der Vater des nun Beschuldigten Daniel G. (35). G. wird in dem Prozess nicht als Angeklagter geführt, obwohl ihm versuchter Totschlag, unterlassene Hilfeleistung und schwerer Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen wird. Grund ist seine fragliche Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Er soll unter dem Einfluss einer paranoiden Psychose gehandelt haben, als er seine Nachbarin mit einer Eisenstange bedrohte, wie Staatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts aus der Antragsschrift vorlas.

Zuvor hatte der 35-Jährige laut Staatsanwältin „schreiend und randalierend“ vor der Türe der Nachbarn gestanden. Als diese begannen, die morgendliche Randale mit einem Handy zu filmen und die teilweise obszönen Beleidigungen von G. aufzunehmen, sei er immer mehr ausgerastet und habe die Nachbarn zunächst mit Worten bedroht („Ich schneide euch die Ohren ab und die Kehle durch“). Dann habe er eine zwei Meter lange und fünf Zentimeter dicke Eisenstange geholt und wollte mit ihr in die nachbarliche Wohnung eindringen.

Da riefen die Nachbarn die Polizei; ein Vorgang, der sich so ähnlich bereist 2012 abgespielt hatte, bloß mit weniger schlimmen Folgen. Als die Beamten in diesem Sommer vor der Türe von G. standen, kam es zur Tragödie. Weil sie nicht hereingelassen wurden, setzten die Beamten laut Antragsschrift zunächst Pfefferspray ein, dann hätten sie den sich massiv wehrenden Daniel G. zu Boden gebracht, ein Polizist habe rücklings auf ihm gesessen und versucht, ihn zu fixieren. Da sei dessen Vater aufgetaucht und habe begonnen „aggressiv“ auf die Polizisten einzustechen. Einen traf er in den Bauch, den auf seinem Sohn knienden Polizisten stach er von hinten nieder. Mit einem Schuss in den rechten Oberschenkel wurde der Vater außer Gefecht gesetzt.

Dann begann der Schlussakt: Der Sohn hatte sich nach Angaben der Staatsanwältin wieder befreit und den blutenden Vater zurück in die kleine Wohnung gezogen. Dort habe er sich verschanzt. Als ein SEK um 9.39 Uhr, also eine halbe Stunde später, die Wohnung gestürmt habe, war der Vater bereits verblutet, die Kugel hatte eine Arterie im Bein getroffen. Drei Polizisten waren schwer verletzt, einer blieb nur durch die Rettung mit dem Helikopter am Leben.

Am ersten Verhandlungstag blieb es bei der Verlesung der Antragsschrift, es gab keine weiteren Einlassungen. Denn die in diesem Fall höchstwahrscheinlich entscheidende Person, die forensische Psychiaterin Konstanze Jankowski (Köln), war am Montag verhindert, sie ist erst am Dienstag ab 13 Uhr im Sitzungssaal des Aachener Justizzentrums zugegen.

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