Mönchengladbach/Wegberg - Tödliche Messerstiche: Im Grenzbereich zur Notwehr?

Tödliche Messerstiche: Im Grenzbereich zur Notwehr?

Von: Thorsten Pracht
Letzte Aktualisierung:
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Niemand kann sich erinnern, was vor dem Festzelt in Harbeck geschah. Foto: Claudia Krocker

Mönchengladbach/Wegberg. Als „ganz lieben Kerl“ und „besten Freund, den man sich vorstellen kann“, haben Zeugen den Angeklagten Cedric H. am Montag vor dem Landgericht Mönchengladbach bezeichnet. Der 19-Jährige ist wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung angeklagt.

Der zweite Prozesstag begann mit einer von Verteidiger Reiner Jobs verlesenen Erklärung des Angeklagten. Die Frage, was in der Nacht zum 13. Juli 2014 vor dem Festzelt in Wegberg-Harbeck vorgefallen sei, lasse den Angeklagten nicht mehr los.

„Auf keinen Fall wollte ich das Messer als Stich- oder Schneidewerkzeug benutzen. Ich kann ausschließen, dass ich die Absicht hatte, jemanden zu verletzen oder gar zu töten“, ließ der Angeklagte durch seinen Rechtsanwalt mitteilen. Dieser zeichnete das Bild eines ganz normalen Heranwachsenden: Die Mutter arbeite als Bürokauffrau in Erkelenz, der Vater sei Betriebswirt bei einem namhaften Unternehmen, Cedric H., Abiturient mit dem Durchschnitt 2,4, habe zwei Geschwister. „Wenn man sich einen Sohn backen wollte, dann den Angeklagten“, sparte der Anwalt nicht mit Superlativen.

Jobs sagte, die Tat bewege sich „im Grenzbereich zu einer Notwehrhandlung“. Auch aus diesem Grund hatte die Verteidigung in einem Rechtsgespräch am vergangenen Freitag darauf gedrungen, sich auf eine Bewährungsstrafe für Cedric H. zu einigen. Sowohl die Staatsanwältin Jane Wolf als auch Richter Lothar Beckers hatten jedoch klargestellt, dass eine Haftstrafe zur Bewährung nicht denkbar sei, wenn sich die Vorwürfe in der Verhandlung bewahrheiten würden.

So begann am Montag die Beweisaufnahme. Sowohl der Bruder des getöteten Maurice J., Dominik, als auch drei Freunde des Angeklagten, die am Tatabend mit ihm im Harbecker Festzelt feierten, wiesen dabei große Erinnerungslücken auf. So konnte nicht geklärt werden, wie es überhaupt zu der Auseinandersetzung kam, an deren Ende Cedric H. ein Messer gezogen haben soll.

Zudem waren alle Beteiligten alkoholisiert. Auch der Angeklagte gab an, keine konkreten Erinnerungen an die Tat zu haben. Der Prozess wird am 19. Januar fortgesetzt.

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