Todestag von Peter Joseph Lenné: Kunst hat bis heute Gültigkeit

Von: Andrea Zuleger
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So „schaut“ Lennés Büste heute auf den Kurpark, der im Laufe der Zeit viele Veränderungen erfahren hat. Foto: Michael Jaspers
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Ein Blick von der Monheimsallee auf Lennés Wasserbecken und das Mariahilf-Hospital, das ab 1848 erbaut wurde. An dessen Stelle steht heute das Kurhaus. Foto: Stadtarchiv Aachen
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Arbeiteten an vielen Projekten gemeinsam: Baumeister Karl Friedrich Schinkel und Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné. Schinkels Löwenbrunnen im Lenné-Garten von Schloss Glienicke in Berlin. Foto: stock/Jürgen Ritter
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Naherholung für die Bürger: So plante es Lenné vor fast 170 Jahren, und so werden die Aachener Parkanlagen noch immer genutzt. Foto: Michael Jaspers
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Lennés Originalplan aus dem Jahr 1853, nach dem der Krankenhausgarten des Bürgerspitals „Mariahilf“ (heutiger Kurpark/Stadtgarten) angelegt werden sollte. Einige Details wurden aus Kostengründen nicht realisiert. Repro: Stadtarchiv Aachen
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Christoph Ruckert vom Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen mit einem Plan des Stadtgärtners Carl Jancke, der den Bau des Kurparks nach Lenné-Plänen ausführte. Foto: Michael Jaspers
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Der Lenné-Tempel auf einem kleinen Hügel im Tiergarten Berlin. Foto: Michael Jaspers

Region. Weit mehr als 100 Parks hat er in Berlin und Potsdam und im Rheinland geschaffen: Er war Gärtner, Planer, Zeichner, Künstler. Am Samstag vor 150 Jahren ist der bekannteste deutsche Gartenbaumeister des 19. Jahrhunderts, Peter Joseph Lenné (1789-1866), gestorben.

Auch in Aachen hat er Spuren hinterlassen: Die Ursprünge des Kurparks und des Stadtgartens gehen auf ihn zurück. Und auch anstelle des heutigen Elisengartens hatte der berühmte Bonner einen Park geplant.

In Berlin und Potsdam ist es keine Frage: An Lenné kommt man nicht vorbei! Sein Werk ist in der Hauptstadt fast allgegenwärtig. Der Stadt- und Landschaftsplaner, der in seiner Hauptzeit am Hof König Friedrich Wilhelm III. und seinem Sohn Friedrich Wilhelms IV. in Diensten stand, entwarf zahlreiche Schlossgärten, Park Sanssouci (Unesco-Welterbe), die Pfaueninsel, den Zoologischen Garten und den Tiergarten und noch vieles mehr. Im Rheinland sind vor allem seine Gartenanlagen am Schloss Stolzenfels in Koblenz (1836-1842) und die Brühlschen Schlossgärten (ab 1842) bekannt. Aber auch in Aachen hat er Parks entworfen.

Einer der sich mit Lennés Anlagen auskennt, ist der Landschaftsarchitekt Dr. Christoph Ruckert vom Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen. Dass er derzeit in Archiven die alten Pläne herausholt und die Bauhistorie des Stadtparks studiert, hat ganz aktuelle Gründe. In den kommenden zwei Jahren wird das Amt ein „Parkpflegewerk“ erarbeiten: „Wir schauen uns den Park ganz genau an, seine Historie, seine heutige Nutzung und erstellen dann ein Konzept, wo wir in den nächsten Jahren hin wollen.“ Dieses Parkkonzept wird auch mit Nutzern des Parks und Bürgern besprochen, und daraus werden dann Maßnahmen entwickelt, in welche Richtung die Entwicklung des Parks gehen soll.

Auch dabei werden Lennés Pläne von 1853 wieder eine Rolle spielen. „Denn der Park ist schließlich auch ein Baudenkmal“, sagt Christoph Ruckert. Das Parkleben moderner Städter mit Kurpark Classix, mit Spielplatzgetümmel, Tenniscourt und Minigolf muss in Einklang mit dem bauhistorischen Wert der Anlage stehen.

Peter Joseph Lenné, dem gebürtigen Bonner, der einer Lütticher Gärtnerfamilie entstammte, kommt eine besondere Bedeutung innerhalb der Landschaftsarchitektur zu. Während viele seiner Kollegen in der Namenlosigkeit untergehen, steht sein Name stellvertretend für ein bestimmtes Bild von Landschaftsgestaltung in Deutschland.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren angelegte Gärten oder Parks in der Regel dem französischen Barockgarten nachempfunden. Er war prachtvoll und prestigeträchtig und präsentierte die Macht des Menschen über die Natur, die in ihrer unkontrollierten Form eher als etwas Beängstigendes wahrgenommen wurde. Parks hingegen waren kontrollierte, klar gegliederte Konzepte, die auf ein Gebäude ausgerichtet waren – meist ein Schloss – und die gezügelte Natur zeigten, in der jedes Gewächs und jeder Weg fast mathematisch exakt gestaltet war. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich zu diesem herrschaftlichen französischen Garten eine Gegenbewegung in England entwickelt, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in andere Länder Europas und nach Deutschland ausstrahlte.

Der englische Landschaftsgarten wendet sich von der starren Symmetrie ab und versucht, eine der Natur nachempfundene Landschaft zu konzipieren. Weite Ausblicke in die den Park umgebende Landschaft, weitläufige Wiesen und kleine Oasen mit Teichen, Brücken oder Wasserbecken wechseln sich ab. Statt einer strengen Anordnung erlebt der Spaziergänger eines englischen Gartens die Umgebung wie ein „begehbares Landschaftsgemälde“, das er erkundet und das immer wieder Überraschungen bereithält. Obwohl diese Landschaften fast ungezähmt wirken, sind sie geformt. Einen Landschaftspark nach englischem Vorbild gab es bereits, bevor Lenné in Aachen tätig war. „Der Lousberg war ab 1815 nach Plänen von Maximilian Friedrich Weyhe gestaltet worden“, weiß Christoph Ruckert.

Dass Lenné und sein Werk ungleich berühmter wurde, hat mit mehreren Faktoren zu tun: Der 1789 in Bonn – im Gärtnerhaus des Schlosses – geborene Peter Joseph wurde direkt in eine Gärtnerdynastie hineingeboren. Sein Vater (Peter Joseph der Ältere) war in Bonn leitender Hofgärtner und Vorsteher des Botanischen Gartens, der zur kurfürstlichen Universität gehörte und an der er Botanik lehrte.

Schon während der Schulzeit wurde der junge Peter Joseph in Botanik und Gartengestaltung unterrichtet. Er machte eine Gärtnerausbildung und wurde auf botanische Studienreisen nach Süddeutschland und nach Frankreich geschickt. Sein Weg war also klar vorgezeichnet. Und er ging ihn von Anfang an erfolgreich und äußerst effizient. In seinen späten Jahren ging es fast wie bei einem Franchising-Unternehmen zu. Die Marke „Lenné“ verkaufte sich gut, und viele seiner Pläne wurden auch von einem der zahlreichen Schüler gezeichnet. So lieferte er Gartenpläne fast am Fließband. Und deshalb gibt es auch von kaum einem anderen Gartenarchitekten mehr Grünanlagen als von ihm: „Er plante und zeichnete, war dann aber bei kleineren Projekten wie hier in Aachen nicht permanent vor Ort, um den Bau zu überwachen. So konnte er Arbeiten auch relativ zügig abschließen“, sagt Ruckert.

Lennés Verbindung nach Aachen war seine Schwester Franzisca, die hier wohnte und mit dem Landgerichtsrat Friedrich Scherer verheiratet war. Lenné selbst kam zu einem Kuraufenthalt nach Aachen, als er viele seiner großen Berliner Projekte schon verwirklicht hatte. Hier knüpfte er die Verbindungen, die ihm den Auftrag einbrachten, einen Garten und Park für das „Spital Mariahilf“ zu kon-struieren, das damals an der Stelle des Kurhauses stand. „Aachen wollte seine Attraktivität als Kurstadt erhöhen und gleichzeitig den Bürgern Grünflächen zur Naherholung bereitstellen“, so Ruckert.

Eine Art Tourismuskonzept also. „Diese Phase um 1850 herum zählt zum Spätwerk Lennés, in der er die Landschaftsgärten nach englischem Vorbild und Elemente geometrisch gestalteter Gärten meisterlich vereint“, so Christoph Ruckert. Und neben Herkunft, Ehrgeiz und Effizienz ist das ein weiterer Grund, warum Lennégärten bekannter sind als andere. In Aachen kann man nicht mehr alles davon sehen, weil erstens der Ursprungsplan aus Kostengründen in einer leicht abgespeckten Version vom Aachener Stadtgärtner Carl Jancke umgesetzt wurde – ein Lenné-Schüler und Bewunderer des Baumeisters. Und zum Zweiten sind seit der Umsetzung fast 170 Jahre vergangen – und da ist es fast bemerkenswert, dass man überhaupt etwas sieht, was noch original Lenné ist.

In den beiden Plänen (Entwurf und Ausführung) kann man ablesen, wie sich die beiden Gartenrichtungen ergänzen. Wer sich vor Ort den Garten anschaut, beginnt am besten dort, wo die Büste Lennés auf das Kurhaus schaut (also rechts vom Quellenhof, der im Übrigen damals noch nicht erbaut war). „Der Entwurf ist im gemischten Stil gehalten – mit regelmäßigen Anlagen am Gebäude, die in einen weitläufigen Landschaftspark eingebettet sind.

Die Strukturen des formal gestalteten Bereichs richtete Lenné an der Architektur aus“, schreibt die Kunsthistorikerin Rita Hombach in ihrem Werk „Peter Joseph Lenné – eine Gartenreise im Rheinland“ (siehe Box). „Das vormalige Krankenhaus war der Mittelpunkt Lennés Planungen, der direkt angrenzende Parkbereich war auf das Gebäude bezogen und sehr symmetrisch angeordnet. Je weiter wir uns vom Gebäude entfernen, desto freier, fließender wird die Gestaltung“, erklärt Ruckert.

Dort lenken gerade Sichtachsen den Blick auf das Gebäude. Das Wasserbecken, die Beete und Baumreihen sind symmetrisch und mit geraden Linien angelegt und allesamt auf die Architektur bezogen. Im größeren Abstand zum Gebäude dominiert die freiere Gestaltung. „Wobei man beachten muss, dass auch dieser naturnah gestaltete Teil sorgsam geplant ist“ so Christoph Ruckert. Auch das ist im Stadtgarten noch gut zu sehen – „auch wenn nicht mehr alle Wege genau dort verlaufen, wo Lenné sie vorgesehen hatte“, so ist das Prinzip seines Gartens doch erhalten geblieben.

Die Parkgestaltung Richtung Stadtgarten wechselt merklich. Geschwungene Wege führen zu kleinen Baum- oder Strauchgruppen. Weite Wiesenflächen wechseln sich mit schützenden Rückzugsorten ab. Die Wege sind bewusst so arrangiert, dass sie immer wieder neue Blickrichtungen freigeben. Und auch das ist typisch Lenné: „Charakteris-tisch ist, dass er die umgebende Landschaft mitsamt der Topographie miteinbezog in seine Planungen“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Obwohl sich bei den Bäumen zwischenzeitlich viel verändert hat, ist das auch heute noch so. 170 Jahre nach der Ursprungsplanung lenkt Lenné den Blick durch den Park – auf benachbarte Häuserzeilen, auf die Monheimsallee oder auch auf den Lousberg seines Kollegen Weyhe.

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