Tod nach alternativer Krebstherapie: Staatsanwalt ermittelt

Von: Claudia Schweda
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Am Gebäude des alternativen Krebsheilzentrums waren am Mittwoch keine Schilder mehr sichtbar. Foto: Günter Jungmann

Brüggen/Bracht. An dem schmucken Ziegelsteinhaus in Brüggen weist nichts mehr auf die Praxis für alternative Krebsbehandlung hin. Eine 43-jährige niederländische Patientin, die dort, kurz hinter der Grenze auf deutscher Seite, behandelt worden war, ist am Samstag aus ungeklärter Ursache gestorben, nachdem sie sich einer Therapie in der alternativen Einrichtung in Brüggen unterzogen hatte.

Die Schilder am Haus sind abmontiert, am Briefkasten und am Klingelschild steht kein Name mehr, ein provisorisch aufgehängter Zettel an der Eingangstür weist auf Englisch darauf hin, dass „aufgrund unvorhersehbarer Umstände“ der Betrieb der Praxis bis auf weiteres eingestellt ist.

Die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt. Geklärt werden soll, ob der Tod der Frau im Zusammenhang mit verabreichten Mitteln stehe oder ob die Frau an den Folgen ihrer Krankheit gestorben ist. Eine Obduktion sei angeordnet worden. Die Frau hatte den Angaben zufolge über Kopfschmerzen geklagt. Sie sei verwirrt und später nicht mehr ansprechbar gewesen.

Andere Patienten des Zentrums, die ähnliche Symptome zeigten, sollten dringend zu einem Arzt gehen, warnte die Polizei am Dienstag. Etwaige Patienten und Zeugen werden gebeten, Hinweise an die Ermittlungskommission „Brom“ unter Telefon 02161/290 zu geben.

Bislang nur Tierversuche

Nach niederländischen und belgischen Medieninformationen gibt es bereits mehr als nur diesen einen ungeklärten Todesfall. Laut „Brabants Dagblad“ und „Het Laatste Niews“ sind vorige Woche insgesamt drei Krebspatienten unter ungeklärten Umständen nach einer Behandlung in dem alternativen Krebszentrum gestorben. Es hat offenbar vor allem niederländischsprachige Patienten betreut, weil in den Niederlanden nicht alle alternativen Heilmethoden zugelassen sind, die in Deutschland erlaubt sind.

Den Medienberichten zufolge geht es neben dem Fall der Frau aus Aalburg (43), die in einem Krankenhaus in Mönchengladbach gestorben war, um eine Frau aus dem belgischen Beveren (55) und ein unbekanntes drittes Opfer, das nach Angaben der niederländischen Polizei in Apeldoorn gestorben ist.

Die deutsche Justiz bestätigt nur den Fall der 43-Jährigen und verweigerte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung aufgrund einer „völlig unklaren Sachlage“ jede weitere Auskunft. Auch die Frage, gegen wen ermittelt wird, blieb unbeantwortet.

Eine Angehörige der Toten aus Beveren sagte Medien gegenüber, dass die 55-Jährige am Donnerstag in einem Krankenhaus in Nijmegen gestorben sei, nachdem ihr am Mittwoch während einer Behandlung in Brüggen unwohl geworden sei. Sie habe sich zusammen mit der 43-Jährigen und drei weiteren Patienten einer zehnwöchigen alternativen Krebsbehandlung in der Praxis unterzogen. Laut Praxis-Homepage kostet diese Behandlung knapp 10.000 Euro. Zur „Hauptbehandlung“ heißt es auf der Homepage, dass sie „Krebszellen absterben lässt“. Es ist von einer „intravenösen Behandlung mit nichttoxischen Stoffen“ die Rede. Die Patienten erhalten also Infusionen.

Als „Therapiekonzept“ ist auf der Homepage 3-Bromopyruvat aufgeführt. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes in Heidelberg ist dieses Präparat nicht unbedenklich. Der Stoff befinde sich noch in der experimentellen Grundlagenforschung. Eine Suche in internationalen Studien-Datenbanken habe gezeigt, dass es nach Experimenten mit Krebs-Zellkulturen in der Petrischale nun allererste Studien an Ratten, Mäusen und Kaninchen gebe.

Damit sei 3-Bromopyruvat von regulären klinischen Tests am Menschen noch weit entfernt. „Ob es sich möglicherweise zur Behandlung von Menschen eignet, ist noch völlig unklar“, sagte Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes gegenüber unserer Zeitung. Niemand könne derzeit wissen, wie es wirkt. „Man weiß nicht, ob das Mittel nur den Zuckerstoffwechsel von Tumorzellen angreift oder ob es auch für normale Körperzellen toxisch sein kann.“

Der Betreiber des alternativen Krebszentrums, Klaus R., hat nach eigenen Angaben auf seiner Homepage biomedizinische Technik in Gießen studiert und danach 20 Jahre medizinisches Gerät an Krankenhäuser verkauft, bevor er eine Ausbildung zum Heilpraktiker machte. Im September 2014 nahm er seine Arbeit an dem alternativen Krebszentrum in Brüggen auf, das er ein Jahr später übernahm.

Auf seiner Facebook-Seite informierte Klaus R. am Mittwoch auf Niederländisch „über den plötzlichen Tod eines unserer Patienten“, zeigte sich schockiert und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die Klinik weist den Eindruck von sich, dass sie für den Tod des Patienten verantwortlich sein könnte und will die Ermittlungen der Polizei „voll und ganz“ unterstützen.

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