Aachen/Hürtgenwald - Tod des Radfahrers billigend in Kauf genommen

Tod des Radfahrers billigend in Kauf genommen

Von: Janou Müller-Beuermann
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Hürtgenwald. Weil er beim Griff nach dem Handy einen Rennradfahrer mit dem Auto anfuhr und schwerverletzt im Graben liegen ließ muss ein Berufskraftfahrer eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verbüßen.

„Er hat nach dem Unfall nur daran gedacht, unerkannt aus der Situation herauszukommen. Dafür hat er alles getan“, sagte der Vorsitzende Richter Arno Bormann in der Urteilsbegründung.

Das Landgericht Aachen verurteilte den 28-Jährigen am Freitag wegen fahrlässiger Körperverletzung und versuchten Mordes.

Um die eigene Beteiligung am Unfall zu vertuschen, habe er sogar den Tod des Radfahrers billigend in Kauf genommen. Nach Überzeugung des Gerichts ereignete sich der Unfall am Pfingstsonntag 2012 auf der Bundesstraße 399 zwischen Großhau und Kleinhau bei Hürtgenwald, weil der Angeklagte einen Freund anrufen wollte.

Bei dem Zusammenstoß schleuderte der Radfahrer über die Motorhaube gegen die Windschutzscheibe, prallte am rechten Kotflügel ab und blieb mit einer Vielzahl von Brüchen von Kopf bis Fuß in einem ein Meter tiefen und von hohem Gras überwucherten Graben liegen. Der Angeklagte hingegen, sicher, dass es keine unmittelbaren Zeugen des Geschehens gab, fuhr von dannen.

Er habe Angst vor der Reaktion des eigenen Vaters gehabt und Angst seinen Job als Berufskraftfahrer zu verlieren, wenn er sich zu dem Unfall bekennt, hatte er vor Gericht eingeräumt. Und gehofft, dem Verletzten sei nichts Schlimmes passiert.

Bis zu seinem Geständnis mussten zwei Jahre ins Land ziehen. Vorher hatte der Angeklagte die Tat immer nur bestritten, ohne Scham sogar betont, ein derartiges Handeln sei mit seinem Gewissen gar nicht vereinbar.

Dass der Verletzte an jenem Pfingstsonntag gefunden wurde, ist allein dem Zufall zu verdanken. Ein Motorroller-Fahrer fuhr an der Unglücksstelle zunächst vorbei und dann noch mal zurück, weil ihm etwas aufgefallen war. Im Graben fand er erst nur das Rad. Den Verletzten entdeckte er später, weil dieser durch Rufen auf sich aufmerksam machte.

An dem 51-Jährigen war kaum mehr ein Knochen heil. Die schlimmste Verletzung allerdings war ein Wirbelbruch im oberen Nackenbereich. Dieser hätte zu einem tödlichen Genickbruch geführt, wenn Helfer den Verletzten laienhaft umgelagert hätten oder der Radfahrer versucht hätte, aus eigener Kraft aus dem Graben zu krabbeln. Auch im Krankenhaus war die Gefahr der Lähmung lange nicht gebannt.

Ermittelt wurde der Angeklagte durch die Aufnahmen einer Autokamera in einem Auto, der auf der entgegenkommenden Fahrbahn an der Unfallstelle vorbei kam. Der 28-Jährige hat seinen Job als LKW-Fahrer inzwischen längst verloren - nicht zuletzt durch den gerichtlich angeordneten Entzug der Fahrerlaubnis von insgesamt dreieinhalb Jahren.

Er und sein Verteidiger Christoph Rühlmann hatten bis zuletzt auf eine Strafe gehofft, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Jetzt wollen sie das Urteil der Schwurgerichtskammer anfechten.

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