Tod am Mount Everest: „Eberhard starb in kurzer Zeit”

Von: Georg Müller-Sieczkarek
Letzte Aktualisierung:

Kathmandu/Aachen. „Alles sah nach einem gelungenen Gipfelerfolg aus”, schreibt Paul Thelen am Montag aus dem Basislager am Mount Everest in einer E-Mail an unsere Redaktion. Doch es sollte tragisch enden. Sein Kletterpartner Eberhard Schaaf, Mediziner aus Herzogenrath, stirbt am Mount Everest offenbar an den Folgen eines akuten Gehirnödems.

Zusammen mit Schaaf hatte Thelen am Freitag Camp 4 auf 7950 Meter erreicht - letzte Station vor dem Aufstieg auf den 8848 Meter hohen Gipfel. Das Lager ist ein unwirtlicher Platz auf dem meist windumtosten Südsattel. Wer ganz nach oben will, rastet hier für einige Stunden, verkriecht sich ins Zelt, trinkt so viel er kann und hofft auf ein wenig Schlaf. So auch Eberhard Schaaf. Gemeinsam mit vier anderen Teilnehmern der Expedition bricht der 61-jährige Mediziner aus Aachen am Freitagabend gegen 20.30 Uhr Ortszeit Richtung Gipfel auf.

Sein Freund Paul Thelen will am folgenden Tag den Versuch wagen. Das Wetter ist stabil. „Am 19. Mai kam um 11.30 Uhr im Kommunikationszelt von Camp 4 die Meldung: Eberhard hat soeben den Gipfel erreicht!”, schreibt Thelen in seiner Mail.

Was dann geschieht, ist unklar. Fest steht lediglich: Das Wetter schlägt um. Nach Angaben von Gyanendra Shrestha, einem Sprecher der nepalesischen Bergsportbehörde, zieht am Nachmittag ein starker Sturm auf. Schaaf gerät im Bereich des „Hillary Steps”, einer nach dem Erstbesteiger benannten zwölf Meter hohen Steilstufe kurz unterhalb des Gipfels, in Schwierigkeiten. „Eberhard verstarb in kurzer Zeit an der Höhenkrankheit”, heißt es in der Mail von Paul Thelen. „Ich habe alle Versuche, Eberhards Leben zu retten, mitbekommen.”

Schaaf erlag - wie auch ein 44-jähriger Südkoreaner und eine 33 Jahre alte Kanadierin - offenbar den Folgen eines akuten Gehirnödems, der neben dem Lungenödem gefährlichsten Form der Höhenkrankheit und häufigsten Todesursache am Mount Everest. Mit zunehmender Höhe verringert sich der Sauerstoffpartialdruck, was zu einer Unterversorgung des Organismus führt. In Höhen von über 8500 Meter beträgt der Sauerstoffgehalt in der Atemluft nur noch rund ein Drittel des Angebots auf Meereshöhe.

Es kommt zu einer vermehrten Wassereinlagerung im Schädel und damit zu einer Gehirnschwellung. Der Betroffene leidet unter Lethargie, Schlafstörungen, später unter heftigen Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, eingetrübtem Bewusstsein. „Wenn Patienten nicht sofort absteigen oder abtransportiert werden oder aber Sauerstoff erhalten und mit Medikamenten behandelt werden”, schreibt der renommierte Züricher Höhenmediziner Professor Oswald Oelz, „folgen bald Bewusstlosigkeit und Tod.” Über 4000 Meter zeigen zwischen 20 und 50 Prozent aller Bergsteiger und Trekker zeitweilig Symptome der Höhenkrankheit - unabhängig von Alter und Trainingszustand.

Schaaf und Thelen hatten am 14. April das 5300 Meter hoch gelegene Basislager erreicht. Im Zuge ihres Höhentrainings erreichen sie am 6. Mai Lager 3 auf 7100 Meter, um danach planmäßig wieder abzusteigen. „Jetzt sind wir akklimatisiert für einen Gipfelversuch”, schrieben sie zuversichtlich.

Schlechtes Wetter mit heftigen Winden macht ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Frustrierendes Warten beginnt, vorübergehend verlassen beide das Basislager und steigen auf 4200 Meter ab. Erst am Dienstag vergangener Woche beginnen sie bei besseren Bedingungen gemeinsam mit einem Georgier, einem US-Amerikaner, zwei Tschechen und ihren nepalesischen Bergführern den Aufstieg Richtung Gipfel.

Paul Thelen macht sich heute auf den Rückweg in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Er will am Samstag nach Deutschland zurückfliegen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert