Aachen - Tihange-Tagung: Erhebliche Zweifel zu Rissen und Untersuchungen

Tihange-Tagung: Erhebliche Zweifel zu Rissen und Untersuchungen

Von: mgu
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Aachen. Seine Frau habe ihn hergeschickt, sagte der Mann im Publikum, der sich als Architekt Sean aus Aachen vorstellt. Er habe gehofft, sie nach den Expertenvorträgen zu den belgischen Meilern Tihange 2 und Doel 3 beruhigen zu können.

„Aber ich weiß wirklich nicht, was ich ihr jetzt sagen soll“, sagte er am Samstagmorgen im Aachener Depot.

Dorthin hatte die internationale Vereinigung unabhängiger Nuklearexperten (Inrag) und Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) eingeladen. Trotz schönen Wetters hörten sich die mehr als 200 Teilnehmer, darunter etliche Ingenieure und Maschinenbauer, komplizierte kerntechnische Erklärungen über die Risse, die Erstellung des Reaktordruckbehälters und die Ultraschalluntersuchungen an. Die These vom Vortag wurde wiederholt: Die Meiler müssen vom Netz.

Simone Mohr, die Mitglied der Reaktorsicherheitskommission ist, erklärte, dass die Risse in den Meilern so gefährlich sind, weil es keine Absicherungsmechanismen gibt, für den Fall dass der Reaktordruckbehälter seine Integrität verliert. Die Bedingungen für die Ultraschallmessungen seien zudem nie exakt reproduzierbar, weshalb Ergebnisse nicht verlässlich seien. Bei jeder Untersuchung könne eine andere Zahl herauskommen.

Wolfgang Renneberg stellte dar, dass es schon bei der Genehmigung der Meiler Probleme gegeben haben müsse. Er geht davon aus, dass die Risse damals nicht hätten gesehen werden wollen. Dafür sprächen interne Dokumente der belgischen Atomaufsichtsbehörde Fanc. „Hätte man die Stahlringe für den Reaktordruckbehälter nicht genehmigt, hätte sich die Inbetriebnahme von Tihange 2 und Doel 3 um je ein Jahr nach hinten verschoben“, sagte Renneberg. Er glaubt, dass die Behörden dies verhindern wollten. „Ein Skandal.“

Für Rene Boonen, den Physiker der Uni Leuven, steht fest, dass es technisch nicht möglich sei, dass die Risse bei der Herstellung der Schmiederinge hätten entstehen können. Als er auf seinen Diagrammen an der Wand etwas zeigen möchte, wird ihm aus dem Publikum ein gelber „Stop Tihange“-Regenschirm in die Hand gedrückt, was zu Lachern und viel Applaus führt. Immerhin. Denn insgesamt sind die Ausführungen der Experten sehr ernüchternd. Positive Nachrichten für die Frau von Besucher Sean hatte keiner.

 

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