Tihange: Bund hält Anteile von AKW-Betreiber

Von: Madeleine Gullert
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Der Bund hält Anteile vom Betreiber von Tihange 2 und Doel 3. Foto: dpa

Tihange/Berlin. Die Bundesregierung hält Anteile am Betreiber der umstrittenen belgischen Kernreaktoren Tihange 2 und Doel 3. Zwei Fonds des Bundes halten Aktien von Engie-Electrabel über insgesamt 6,4 Millionen Euro. Das geht aus einer Anfrage der Grünen an das Bundesinnenministerium hervor, die unserer Zeitung vorliegt.


Während in Nordrhein-Westfalen bis vor kurzem der Pensionsfonds an Engie-Electrabel beteiligt war, sind auf Bundesebene die Sondervermögen „Versorgungsrücklage“ und „Versorgungsfonds“ betroffen – das entspricht dem Pensionsfonds. Die Fonds stellen die Zahlung der Versorgungsleistungen für pensionierte Beamte sicher. Bei der Versorgungsrücklage hält der Bund Engie-Aktien mit einem Marktwert von 2,64 Millionen Euro, beim Versorgungsfonds in Höhe von 3,83 Millionen Euro.

„Es ist unglaubwürdig, einerseits die Stilllegung der Schrottreaktoren Tihange und Doel in Belgien zu fordern, andererseits eine Beteiligung am Betreiber Engie zu halten“, kritisierte der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne), der die Anfrage gestellt hatte.

Der Bundesregierung warf Krischer Bigotterie vor, weil Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) schon länger ein Abschalten der wegen Tausender Mikro-Risse umstrittenen Reaktoren fordert, aber Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sich „über die Gewinne aus diesem Russisch-Roulette freut“. Die Grünen fordern die Bundesregierung und alle Länder auf, dem Beispiel von NRW zu folgen und Beteiligungen an Engie unverzüglich zu verkaufen.

„Eine Frage der Glaubwürdigkeit“

„Ich hatte bisher keine Kenntnis davon, dass der Bund über seinen Pensionsfonds indirekt an dem Betreiber der Reaktoren in Doel und Tihange beteiligt sein soll“, sagte Hendricks unserer Zeitung am Freitag. „Sollte das zutreffen, werde ich mich innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen, dass wir uns unverzüglich von den deutschen Anteilen trennen. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.“ Es vertrage sich in der Tat nicht, wenn „wir einerseits für die Abschaltung von Atomkraftwerken eintreten, deren Sicherheit fraglich ist, und gleichzeitig ein finanzielles Interesse am Betrieb dieser Anlagen haben müssen“.

Die schwarz-gelbe Landesregierung beschloss gestern, sich für das Abschalten der Meiler starkzumachen. Außerdem fordern die Regierungsfraktionen einen Stopp von Brennelementelieferungen für die beiden Risikoreaktoren.

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