Tihange: Atomaufsicht droht mit Schließung

Von: Madeleine Gullert
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Mehr als fünf vermeidbare Zwischenfälle soll es im AKW Tihange in den letzten sechs Wochen gegeben haben. Foto: Andreas Steindl

Huy. Nach mehreren Zwischenfällen im Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich sind vier Mitarbeiter bis auf weiteres vom Dienst suspendiert worden. Das ordnete die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc an und reichte zudem bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Klage ein.

Ein einmaliger Vorgang, wie belgische Medien berichten. Die Fanc bemängelt laut der belgischen Tageszeitung „La Libre“ Schlampereien und drohte sogar mit einer Schließung von Tihange, wenn es nicht endlich zu einer „Sicherheitskultur“ in dem Akw kommt. Der Dürener Bundestagsageordnete Oliver Krischer (Grüne) bemängelt diesen Vorgang als eine Fortsetzung einer unendlichen Skandalgeschichte im belgischen Atomkraftwerk Tihange. „Wenn die ansonsten atomfreundliche belgische Aufsicht sogar mit Schließung der Anlage droht, lässt das erahnen wie es um die Sicherheitskultur in Tihange bestellt ist“, sagte er und bekräftige seine Forderung nach einer Schließung des Skandal-Kraftwerks.

Ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde Fanc teilte mit, dass es in den vergangenen sechs Wochen fünf bis zehn vermeidbare Zwischenfälle in dem Akw, das nur 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt, gegeben habe. Die vorerst suspendierten Mitarbeiter waren im nuklearen Kontrollraum tätig, die Vorfälle hätten jedoch nicht im nuklearen Bereich stattgefunden.

Zu keiner Zeit habe es die Gefahr eines nuklearen Unfalls gegeben, sagte ein Sprecher des Akw-Betreibers Electrabel. Nie sei die Bevölkerung in Gefahr gewesen. Bei Wartungen und Sicherheitsvorkehrungen habe es Versäumnisse gegeben, sagte der Sprecher weiter. Allerdings habe es sich teilweise nur um einige Stunden Verspätung bei gewissen Maßnahmen gehandelt. Eine Pumpe sei etwa zu spät eingeschaltet worden. Das seien keine schweren Fehler.

Die Techniker und Ingenieure hätten ihre Arbeit nicht so ernst genommen, wie es notwendig sei, bemängelt dagegen die Fanc und ordnete eine Nachschulung für alle 1000 Mitarbeiter an. Auch Electrabel selbst räumte Sicherheitsmängel ein. Einige der Versäumnisse habe der Konzern sogar selbst an die Atomaufsichtsbehörde gemeldet. Die vier suspendierten Mitarbeiter erhalten laut Electrabel keine weiteren Strafen, man vertraue ihnen. Man hoffe, dass sie schnell wieder arbeiten könnten. Electrabel mache schon viel für eine „Sicherheitskultur, aber in Tihange werden wir unsere Maßnahmen verstärken“, sagte der Sprecher. Das alles geschehe nun in enger Absprache mit der Fanc.

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