Tierpark Alsdorf: Ständig im Einsatz für die Idylle

Von: Markus Bienwald
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Inniges Verhältnis: Stefan Heffels, Leiter des Tierparks Alsdorf, mit den Waschbären.
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Schnippelt fleißig Obst und Gemüse für die Tiere im Tierpark Alsdorf: Oliver Huurneman. Foto: Markus Bienwald
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Region. Zwei, drei Minuten braucht Stefan Heffels von seinem Wohnort Kellersberg aus, dann fängt ihn schon die im Broichbachtal ausgebreitete Idylle des Tierparks Alsdorf ein. Sattes Grün von Bäumen und Wiesen, durchbrochen von angelegten, aber wie gewachsenen Wegen, garniert mit dem Glitzern der Morgensonne durch die leise rauschenden Blätter und dem leisen Plätschern des Bachs.

„Natürlich ist das hier ein toller Arbeitsplatz, sehr idyllisch, und man ist beinahe den ganzen Tag draußen“, sagt Heffels. Doch er weiß auch, wie viel Arbeit das in den 60er Jahren entstandene Gelände auf rund 30 Hektar Fläche machen kann.

„Morgens stehen eigentlich immer die gleichen Runden an“, berichtet er. Mülleimer leeren, die Wege fegen, Futter bereiten, ausmisten, all das geschieht eigentlich mehr im Hintergrund, ohne dass die Besucher – bis zu 6000 werden an sonnigen Wochenenden schon einmal geschätzt – das wirklich bemerken. „Wenn sie es bemerken, ist es nicht gut“, weiß Heffels. Natürlich sage niemand etwas, wenn hier und da mal ein Blatt auf dem Weg liege. Etwas anderes ist es aber bei den Häufchen, die von den hier anwesenden Kanadagänsen stammen. „Letztes Jahr hatten wir rund 250 von denen, das war wirklich viel zusätzliche Arbeit, schließlich sorgen sie auf Wegen und Plätzen mit ihren Hinterlassenschaften für konstanten Nachschub“, sagt Heffels schulterzuckend.

Doch so wirklich böse ist der den gefiederten Gästen nicht, auch wenn sie eigentlich nicht zur „Stammbesatzung“ des Tierparks gehören. Das ist eher das Rotwild, das sich an diesem sonnigen Morgen noch zwischen den Bäumen versteckt und auch mittags wohl eher im Schatten bleiben wird. „Mein Lieblingsplatz“, sagt Heffels, während er von der kleinen Brücke die scheuen Tiere beobachtet. Hinter der Tür zum Haus mit den Waschbären ändert sich das Bild von Ruhe und Gelassenheit. Denn die putzigen Tiere sind gelinde gesagt sehr aufmerksam, verfolgen jeden Besucher auf Schritt und Tritt und das nicht nur auf der den Gästen zugewandten Seite des Geheges.

In den hinteren Räumen, die mindestens ebenso gepflegt werden wie das ganze Gelände, finden sich kleine, mit Gittern verkleidete Gänge, die von den „Hinterzimmern“ der Tiere zur „Showbühne“ führen. Hier schauen Heffels und sein Team gerne vorbei, denn hier, abseits des Trubels draußen, lässt sich das innige Verhältnis zu den Tieren genießen. Der Tierparkleiter kramt ein wenig in einem Eimer, lässt über einen langen Arm Leckerchen zu den Waschbären hochwandern, und die greifen sich das ganz vorsichtig aus seiner Hand, um sie schnell zu verputzen. Damit solche Momente beinahe ungestörter Zweisamkeit mit den fünf Zweibeinern, die hier für Tier und Besucher arbeiten, überhaupt entstehen können, sorgt auch Tierpfleger und Landschaftsgärtner Oliver Huurneman für Nachschub.

In einer kleinen Küche im Kleintiergehege schnippelt er Obst und Gemüse, verarbeitet mit seinen Kollegen wie Tierpflegerin Lena Emonts-Holley pro Woche 40 Ballen Heu und Stroh, rund 100 Kilogramm Kraftfutter-Zusätze und Weizenkleie mit frischem Obst und Gemüse, „Wir haben rund 20.000 Euro Futterkosten pro Jahr“, sagt Stefan Heffels, während Oliver mit flinken Fingern das Futter für die Ziegen zubereitet. „Da freuen wir uns natürlich, wenn die Besucher nicht ihr eigenes Futter mitbringen, sondern bei uns welches kaufen, um es an die Tiere zu verfüttern“, sagt er.

Neben dem finanziellen Aspekt ist aber auch die Gesundheit der Tiere ein Grund dafür, nicht alles zu verfüttern. So landen schon mal Nudeln, Chips oder sonstige Essensreste bei den Tieren. „Das geht gar nicht“, sagt Heffels, der aber trotz viel Arbeit seinen Traumjob gefunden hat. 42 Jahre jung ist der zweifache Familienvater, von Beruf eigentlich Elektriker, der auf großen Baustellen als Projektleiter unterwegs war. „Als man mich vor ein paar Jahren gefragt hat, ob ich Tierparkleiter werden will, habe ich gleich zugesagt“, erzählt er bei der Tour durch den Park.

Dass sich das Ganze zu einer Lebensaufgabe mit ein bisschen Lebens-Aufgabe entwickeln würde, hat er damals vielleicht schon geahnt, macht ihm aber nichts aus. „Wir hatten zu Hause immer schon Tiere, und ich habe einfach mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er über seinen Job, der ihn an sieben Tagen in der Woche schon mal 60 oder 70 Stunden arbeiten lässt. „Mein Bereitschaftshandy klingelt mindestens drei bis vier Mal am Tag, auch nachts“, sagt er. Zum Glück trage seine Familie seinen Traumjob mit, freut er sich.

Irgendwie scheint die Arbeit im Tierpark aber auch etwas für Überzeugungstäter zu sein: Auch Kollege Oliver Huurneman ist noch in der Freizeit mit Tierischem beschäftigt: „Ich züchte Kanarienvögel und Wellensittiche“, erzählt er, während er in der Küche schon mal den Abwasch macht, damit er am kommenden Tag direkt mit der Zubereitung des Futters anfangen kann.

Für Chef Stefan Heffels und sein Team gibt es immer neue Herausforderungen. Das neue Gehege für die drei Weißbüschelaffen gehört ebenso dazu wie die schon planierte Fläche für das zukünftige Erdmännchen-Areal. „Da kommt noch viel Arbeit auf uns zu“, weiß Heffels jetzt schon. So muss noch Technik in den Boden, um die notwendigen Heizungen für die Erdmännchen anzuschließen. Es wird viel Erde umgeschichtet, eine Glasplatte zum Beobachten eingebaut und natürlich noch ein Zaun gezogen. Erst dann kann man die auch im Winter aktiven Tiere gut beobachten.

Geführte Touren für Besucher, aber auch Grünschnitt, die technische Pflege der Einzäunungen, Wege und der Spielgeräte oder auch die Koordination mit anderen Tierparks der Region stehen auf dem täglichen Routineplan der Tierpark-Profis. „Zum Beispiel kommen die Kollegen aus Hellenthal her, um sich Rotwild-Nachwuchs zu holen“, weiß Heffels.

Aber spätestens dann, wenn er hinter den Kulissen mit den niedlichen Ziegenbabys Auge in Auge steht oder sich vorsichtig einem der Weißbüscheläffchen nähert, um ihm ein paar frisch zubereitete Leckerchen zu bringen, dann ist klar, dass er und seine Kollegen mit ihrer Arbeit doch ein Stück vom Glück gepflückt haben.

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