Tierheime drehen jeden Cent zweimal um

Von: Katrin Fuhrmann
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Die Tierheime sind in Geldnot: Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes steht etwas jedes zweite deutschlandweit vor der Pleite. „Wir müssen härter um jede Spende kämpfen“, sagt Jürgen Plinz vom Dürener Tierheim. Foto: dpa

Aachen. Nino, der kleine Jack Russell Terrier, wedelt mit seinem Schwanz und bellt vor Freude. Aufgeregt springt er in seinem Käfig umher – er weiß ganz genau, dass es gleich frisches Futter gibt. Auch Kater Tom steht schon an der Käfigtür und wartet. Den Tieren, die in den Tierheimen in der Region vorübergehend wohnen, geht es gut – genauso wie den Heimen selbst. Doch das ist nicht überall so.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes steht etwa jedes zweite Tierheim vor der Insolvenz. Das Problem, dass Tierheime generell in Geldnot sind, kennt auch Jürgen Plinz, stellvertretender Vorsitzender des Dürener Tierheims. Zwar befürchte er keine Insolvenz, doch müsse er jeden Euro zweimal umdrehen. „Heutzutage ist es schwerer, an Spenden zu kommen“, sagt er. Die Verantwortlichen in Düren haben deswegen frühzeitig angefangen, aktiv Spenden zu sammeln. Über die Stadt verteilt gibt es in Düren rund 200 Spenden- und 45 Futterboxen, um die Schwelle für potenzielle Spender möglichst niedrig zu halten. Dazu kommen mehr als 100 Paten.

Doch Plinz weiß, wie es landesweit um die Tierheime steht. Kommunen und Tierheime seien sich oftmals uneinig. Aus Sicht der Tierschützer, ist das größte Pro­blem die unzureichende Finanzierung. In der Regel müssen die Kommunen den Heimen für jedes Fundtier, das dort abgegeben wird, einen bestimmten Betrag erstatten – das ist gesetzlich festgelegt. Die Höhe des Betrags können die Kommunen selbst bestimmen. Entsprechend unterschiedlich sind die Vereinbarungen, die die einzelnen Städte mit den Tierheimen geschlossen haben. „Da gibt es einen Flickenteppich von ,recht gut‘ bis ,ganz schlecht‘“, sagt Tierschutzbund-Sprecher Marius Tünte.

Der Streit um die Erstattung der Kosten durch die Kommunen dreht sich vor allem um die Frage, was ein Fundtier ist und was nicht. „Fundtiere sind nur Tiere, die tatsächlich verloren gegangen sind“, betont Anne Wellmann, Referentin für Ordnungsrecht beim Städte- und Gemeindebund NRW. „Weder ausgesetzte noch herrenlose Tiere wie streunende Katzen fallen darunter.“ Sich um diese Tiere zu kümmern, sei deshalb keine kommunale Aufgabe, sondern eine des Tierschutzes. Hinzu kommt, dass die meisten Städte sparen müssen. „Wir wünschen uns eine bundeseinheitliche Regelung, die zumindest einen vernünftigen Rahmen festlegt, innerhalb dessen sich die Erstattung durch die Kommunen bewegen muss“, sagt Tierschutzbund-Sprecher Marius Tünte. In den Tierheimen in Düren, Heinsberg und Aachen scheinen die Absprachen mit den Städten über die Finanzierung zu stimmen. Seit vielen Jahren gebe es eine klare, einfache Regelung, die gewährleiste, dass die Kommune die nötigen Kosten für die Fundtiere trage, heißt es aus den Heimen in der Region.

Im Dürener Tierheim leben momentan rund 400 Tiere. Im Aachener Tierheim sind es 150 – Platz wäre für 300. „Wir haben eine Klausel in unserem Vertrag. Wenn das Tierheim voll ist, ist es voll. Dann nehmen wir auch keine Tiere mehr auf“, sagt Lutz Vierthaler, Vorsitzender des Tierheims für die Städteregion Aachen. Denn die Tiere sollen sich – im Rahmen der Möglichkeiten – auch wohlfühlen. Streicheleinheiten der Tierpfleger seien zwar manchmal schwer umsetzbar, aber versuchen würde man es trotzdem. Die Unterbringung eines Hundes kostet koste pro Tag im Schnitt 21 Euro, eine Katze schlage mit zehn Euro zu Buche. Allein das Tierheim der Städteregion Aachen habe jährlich Kosten von 760.000 Euro zu tragen.

„Der Rückgang von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Sponsoring ist ein großes Problem“, klagt Tünte. Seitdem die Einnahmen im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 eingebrochen seien, hätten sie sich nicht mehr erholt. Gleichzeitig steige aber die Zahl der Tiere, die aus finanziellen Gründen in Heimen abgegeben würden. Außerdem blieben die Tiere durchschnittlich immer länger dort, so dass die Kosten dramatisch stiegen. „Wir tun alles dafür, damit Tiere nicht aufgenommen werden müssen“, betont Plinz. Wenn Menschen zu ihm kommen, um ihr Tier abzugeben, weil sie zum Beispiel aufgrund eines Umzugs das Tier nicht mehr behalten können, versuche er das Tier schnellstmöglich zu vermitteln, damit es erst gar nicht im Heim aufgenommen werden müsse. Zudem müssen Besitzer, die aufgrund von persönlichen Lebensumständen ihr Tier nicht mehr behalten können, eine Gebühr für die Abgabe zahlen. Ein Punkt, an dem viele Tierbesitzer ihre Entscheidung noch einmal überdenken.

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