Thomas F.: Ein Sonderling in Leben und Wissenschaft

Von: Wolfgang Schumacher
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Wollte sich in der Neuauflage des Prozesses nicht so richtig erinnern: Der Westbahnhof-Schubser, hier mit seinem Rechtsanwalt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein ganz eigensinniger Mensch, auf sich bezogen und doch manches Mal lustig in Gesellschaft, nach der Tat geplagt von Suizidgedanken. So stellte sich am zweiten Prozesstag im Revisionsverfahren der Charakter des Aachener Diplom-Informatikers Thomas F. (35) dar.

Der gebürtige Sauerländer aus Meschede hörte ohne Regung zu, als seine Ex-Freundin aus Hamm vor der Aachener Schwurgerichtskammer (Vorsitz Richter Wolfgang Diewald) im neuerlichen Mordprozess über das Leben mit ihm berichtete.

Ihr Ex-Freund hatte kurz nach Weihnachten 2007 die Bekannte seiner aktuellen Lebensgefährtin, eine damals 38-jährige Chinesin, auf Aachens Westbahnhof vor einen einfahrenden Regionalexpress gestoßen. Das Opfer hatte ihre Landsmännin dabei unterstützen wollen, den Wissenschaftler zu verlassen, weil sie keine Perspektive mehr mit ihm sah.

Bei der Aussage seiner ersten Liebe stellte sich heraus, dass er nicht mit offenen Karten spielte und versuchte, sich bis zum Schluss alle Optionen - bei ihr in Hamm wie bei seiner aktuellen Beziehung in Aachen - offenzuhalten.

Etwa im Jahr 2003, so die Zeugin, seien sie und der Informatikstudent in eine Wohnung gezogen. Ihre Beziehung hätte schon seit Mitte/Ende der 1990er Jahre bestanden, sich aber gerade nach dem Zusammenzug merklich abgekühlt.

Als F. 2005 mit seinem Professor als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand nach Aachen gegangen sei, sei aus dem Paarverhältnis „eine Wohngemeinschaft” geworden, wie die Diplomkauffrau berichtete.

Von der neuen Beziehung zu der Chinesin, die damals in Dortmund E-Technik studierte, wusste seine Exfreundin nichts. Thomas F. kam regelmäßig an Wochenenden in die gemeinsame Wohnung, der Freundeskreis aber wusste, dass das Paar getrennt war.

Doch auch die Freunde in Westfalen wollten ihn noch sehen, er galt als ausgeglichen, oft still aber doch auch desöfteren als „durchaus lustig”, man mochte ihn. Das Paar aber hatte sich auseinandergelebt, die Frau zog schließlich in eine eigene Wohnung, auch hier besuchte er sie noch.

Richtig beunruhigt sei sie gewesen, als er am Tag der Tat, es war der 27. Dezember 2007, bei einem Gespräch auf ihren Anrufbeantworter durchklingen ließ, er werde seinem Leben ein Ende setzen. Warum, das wusste sie damals noch nicht.

Auch der damalige Doktorvater vom RWTH-Institut beschrieb seinen Ex-Mitarbeiter am Montag als menschlichen wie wissenschaftlichen Sonderling. Seine Fähigkeit, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, sei sehr begrenzt gewesen. Bei gemeinsamen Institutsaktivitäten habe er sich abgesondert, sich zum Beispiel in Kneipen an den Nebentisch gesetzt.

Nach fünf Jahren nicht verwertbarer Arbeit an der Promotion sei die mehrfach verlängerte Stelle ausgelaufen, der Professor dazu: „Ich habe ihm dringend angeraten, so nicht weiterzumachen.” Das war etwa drei Monate vor dem Todesstoß. Er habe immer „auf den großen Wurf” gehofft, die kleinen Fortschritte hätten ihn kalt gelassen. Der Prozess geht Montag weiter.
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