Thalys schneller in Paris, Euregiobahn bis Düren

Von: Berthold Strauch
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Zwei „Supernasen” im Pariser „Gare du Nord”: Ein Tagestrip mit dem Thalys von Aachen in die französische Hauptstadt wird dank neuer Hochgeschwindigkeitsstrecke zu einem flotten Vergnügen. Foto: Berthold Strauch

Aachen. Mal eben auf eine flotte Tagestour nach Paris: Der Thalys macht dieses spannende Erlebnis mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 13. Dezember, noch attraktiver. Aber auch die Aachener Region hat erfolgreich die Weichen hin zu einer spürbaren Verbesserung der Bahn-Infrastruktur gestellt.

Wem es nach französischem Flair dürstet, kann morgens im Aachener Hauptbahnhof den Thalys besteigen und rauscht in einer Stunde und acht Minuten ins Zentrum Brüssels. In insgesamt zwei Stunden und 35 Minuten ab Aachen erreicht der Hochgeschwindigkeitszug die Endstation in Paris, den Gare du Nord. Das ist eine gute halbe Stunde schneller als bisher.

„Der Thalys-Haltepunkt Aachen ist wirtschaftlich sehr wichtig”, sagt Jürgen Drewes. Der Hauptgeschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer fügt an, dass das Heranrücken an europäische Wirtschaftsmetropolen wie Paris entscheidend sei für die Standortentscheidung von Unternehmen. Damit erinnert er daran, dass auch die Verkehrsanbindung Aachens mitunter der Auslöser für die Verlagerung von Konzernzentralen gewesen sei, etwa bei der Aachen-Münchner Versicherung, die nach Köln ging.

Viele Dienstreisen könnten künftig problemlos an einem Tag stattfinden. „Der Zeitgewinn erleichtert Geschäftstreffen, Shopping und Kulturausflüge oder Stippvisiten jeder Art”, sagt Drewes. Zudem ist er davon überzeugt, dass „die verkürzte Fahrzeit mehr Menschen von den überlasteten Straßen auf die Schienen lockt”. Die gesamte Region „gewinnt damit, dass wir Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes sind”. Denn mit der Euregiobahn erhalte auch das Umland und das benachbarte Ausland direkten Zugang zu diesem Netz.

11.000 Fahrgäste täglich

Bei der Euregiobahn selbst tut sich ab nächsten Sonntag ebenfalls einiges Neue. So wird die Euregiobahn künftig über Langerwehe hinaus bis Düren weiterfahren. Stündlich pendelt sie zwischen der Rurstadt und dem niederländischen Heerlen. Durch diese Netzerweiterung erhalten die Fahrgäste auch direkten Anschluss an die Regionalexpress-Züge (RE) und die S-Bahn nach Köln. Verknüpft werde die Euregiobahn zudem mit der Rurtalbahn und dem euregionalen Busnetz, erläutert Hans-Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes. Flankiert werde dieser Mobilitätsgewinn durch Park-and-Ride-Anlagen entlang der Strecke.

Seit die Euregiobahn 2001 ihren Betrieb über Aachen-Hauptbahnhof bis Stolberg-Altstadt ins Rollen brachte, sind 67,9 Kilometer Schiene und 26 Haltepunkte aktiviert worden, sagt Sistenich - eine echte Erfolgsgeschichte. Rund 11.000 Fahrgäste nutzen täglich die Angebote der Euregiobahn.

Ab Sonntag hält der Regionalexpress (RE) nicht mehr in Aachen-Eilendorf und Eschweiler-Nothberg. In Nothberg steigen nach Angaben des AVV täglich nur 36 Fahrgäste Richtung Aachen ein, 50 Richtung Köln. „Für so wenige Leute können wir nicht 10.000 RE-Gäste aufhalten”, sagt Sistenich. Alternativen biete die Anbindung der beiden Haltepunkte an die Euregiobahn.

Für 29 Euro und mit 260 Stundenkilometern unterwegs

2008 zählte die Thalys-Betreibergesellschaft knapp 45.000 Passagiere zwischen Aachen und Paris. Mit der Steigerung des Tempos auf bis zu 260 Kilometer pro Stunde - statt bislang 140 km/h auf dem Nadelöhr zwischen Lüttich und der Grenze - „erwarten wir einen kräftigen Zuwachs der Fahrgastzahlen nach Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitstrasse”, sagt Oliver Poitrenaud, Vorstandsvorsitzender von Thalys International.

Er geht davon aus, dass bis 2013 zwischen Paris und Deutschland 30 Prozent mehr Passagiere transportiert werden, zwischen Belgien und Deutschland 22 Prozent mehr.

Insgesamt 26 Thalys-Züge werden im Einsatz sein. Eine einfache Fahrt von Aachen nach Lüttich kostet bis 31. März 2010 zwölf Euro, zwischen Aachen und Brüssel 19 Euro und zwischen Aachen-Hauptbahnhof und Paris von 29 Euro bis 98 Euro.

Viel flotter fährt es sich bald auch auf der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Antwerpen und der belgisch-niederländischen Grenze. Belgien wird damit laut Bahn das erste europäische Land mit einem Hochgeschwindigkeitsnetz von einer Grenze bis zur anderen.

Weitere „Vor-Züge” in der Region: Ab Sonntag hält erstmals ein Intercity der Deutschen Bahn AG im Herzogenrather Bahnhof auf dem Weg nach Berlin und weiter nach Leipzig.
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