Aachen - Teure Posse um einen Zeugen, den keiner etwas fragen will

Teure Posse um einen Zeugen, den keiner etwas fragen will

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Außen hui, innen pfui? Im Prozess um die beiden JVA-Ausbrecher Michalski und Heckhoff berichtete erneut ein Insasse von unhaltbaren Zuständen im Knast. Foto: dpa

Aachen. Solch ein Verhalten eines Angeklagten ist eher ungewöhnlich: „Herr Vorsitzender, das geht jetzt nicht gegen Sie, sagt der JVA-Ausbrecher Michael Heckhoff, „aber können wir hier nicht mal wieder eine Verhandlung machen und nicht so ein Kasperletheater?”

Was Heckhoff gleich zu Beginn des 13. Verhandlungstages im Prozess um den Ausbruch aus der Aachener Justizvollzugsanstalt so aufregt, lässt auch die meisten anderen Prozessbeteiligten und -beobachter nur noch mit dem Kopf schütteln: Denn eigens aus der JVA Gelsenkirchen ist an diesem Morgen ein Häftling als Zeuge herbeitransportiert worden, der bereits schon einmal ausgiebig befragt worden war. Und dann stellt sich heraus, dass keiner mehr etwas von ihm wissen will . . .

Der Schwarze Peter liegt in diesem Fall bei dem Kölner Rechtsanwalt Thomas Gros, dem Verteidiger des wegen Gefangenenbefreiung angeklagten JVA-Beamten Michael K., der bei der ersten Vernehmung des Zeugen als einziger noch erheblichen Fragebedarf angemeldet hatte. Die musste vor zwei Wochen dann aber abgebrochen werden, weil Heckhoffs Ausbrecher-Kumpan Peter Paul Michalski über Kopfschmerzen klagte.

Jetzt plötzlich hat Gros aber doch keine Fragen mehr. „Es gibt keine Verpflichtung, Fragen zu stellen”, merkt der Anwalt auch noch etwas süffisant an. Der Gefangene wird daraufhin wieder nach Gelsenkirchen zurückgebracht, wie auf dem Hinweg natürlich bestens bewacht von mehreren JVA-Beamten.

In einem Prozess, in dem unter anderem katastrophale personelle Engpässe hinter Gittern thematisiert werden, erscheint dies vielen als geradezu irrwitzige Verschwendung von Kapazitäten. Der Vorsitzende Richter Hans Günter Görgen nimmt diese Posse zum Anlass, wenigstens ein paar teure Prozesstage einzusparen.

Er appelliert an die Verteidiger, auf manche Zeugen zu verzichten. Oberstaatsanwalt Axel Geimer wünscht dagegen, dass das Gericht der Gutachterin, die Michalskis Verhandlungsfähigkeit untersucht, Beine macht. Schließlich könne man schon seit Wochen nur wenige Stunden täglich verhandeln.

Geimers Tipp an Görgen: „deren Chef anrufen und Druck machen”. Und Heckhoff? Der wünscht sich wohl auch ein flotteres Verfahren, denkt dabei aber nicht an den Steuerzahler, sondern an sich. Schließlich werde er immer „angekettet wie ein Vieh³ nach Aachen transportiert und müsse dann „im Kettenkostüm unten in die Stinkzelle” - womit Heckhoff offenbar seine Unterbringung an Prozesstagen im nagelneuen Justizzentrum meint.
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