„Teufelsbraut“ trifft auf Dombaumeister

Von: Sabine Rother
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Die Autorin und der Dombaumeister: Martina Kempff hat bei ihrem neuen Roman „Die Teufelsbraut zu Aachen“ Dombaumeister Helmut Maintz als Berater gewinnen können, ob es um Fragen zum Kuppelmosaik ging, zu den Porphyr-Säulen (Bild), um das Mauerwerk oder den „Teufelsdaumen“ in der Bronzetür. Foto: Harald Krömer
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Die Autorin und der Dombaumeister: Martina Kempff hat bei ihrem neuen Roman „Die Teufelsbraut zu Aachen“ Dombaumeister Helmut Maintz als Berater gewinnen können. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Der Aachener Dombaumeister hat einen Vogel!“ Romanautorin Martina Kempff blickt vergnügt zu Helmut Maintz auf und hält ihm ihr neues Werk entgegen. „Oder haben Sie das etwa noch gar nicht gelesen?“ Maintz schaut sie amüsiert, aber auch fragend an – es ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten.

Tatsächlich ist er noch nicht auf Seite 181 angekommen, wo die Schriftstellerin ihn zusammen mit dem Turmfalken des Doms verewigt hat, ein Dankeschön für seine geduldige Experten-Begleitung beim Entstehen des Buches.

„Die Teufelsbraut zu Aachen“, das neue Werk der Autorin, die sich nicht zum ersten Mal der Aachener Geschichte zuwendet („Die Gabe der Zeichnerin“, „Die Beutefrau“, „Die Königsmacherin“) – halb Sage, halb Satire – erzählt in einer heiteren Mischung aus Sagenstoff und bunter Fantasie von der Entstehung des Aachener Doms, vom großen Karl, der zu Anfang der Geschichte noch ein ganz kleiner, vorwitziger Bub ist, von den späteren Gattinnen des Franken, den Gestalten am Aachener Hof – natürlich taucht Einhard auf – und vom Leben in der Pfalz.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen „Faunus“, der Teufel, der bekanntlich einen entscheidenden Anteil am Bau des Doms hatte, sowie „Camena“, die Quellnymphe, um deren Gunst sich „Faunus“ seit Jahrhunderten bemüht.

„Als ich mit den Recherchen begann, war mir klar, dass ich Hilfe brauchte“, erzählt Martina Kempff. „Die historischen Details sollten ja stimmen.“ Und wer könnte besser über den Dom und seine tiefen Geheimnisse berichten als ein Dombaumeister? Die Schriftstellerin zögerte nicht, und schrieb an Helmut Maintz. Ja, der Dombaumeister erinnert sich. „Aber ich bekomme fast täglich solche Anfragen“, seufzt er. „Und die sind manchmal schon sehr kurios.“

Karolingischer Mörtel

Als er später das sehr ernsthafte Bemühen der Schreiberin erkannte, die zur Verstärkung ihren handwerklich und technisch versierten Ehemann Michael mitbrachte, entwickelte sich eine Zusammenarbeit der besonderen Art. Die Schriftstellerin fragte nach bautechnischen Details und Raffinessen der damals schon internationalen Handwerker. Es ging unter anderem um die geheimnisvolle Mörtelmischung der Karolinger – rosa vom zermahlenen Ziegel und so hart, dass selbst heutige Handwerker staunen.

„Mich freut es immer, wenn wir über die handwerklichen Leistungen sprechen können, die in diesem Bauwerk stecken“, sagt Maintz, der zusammen mit Martina Kempff und dem Geschäftsfüher des Meyer & Meyer Verlags, Michael Wieser, die realen Schauplätze des Romans am Aachener Dom besucht. Noch einmal erklärt Maintz, warum die Kuppel des Zentralbaus stabil ist: Man nehme eine Pampelmuse, höhle sie aus und drücke dann eine Hälfte auf eine Fläche – das bekommt dem Rand nicht besonders gut. Er gibt nach. Wird dieser Rand jedoch mit einem Klebeband umwickelt und gefestigt, ist er erstaunlich stark, das Gewölbe hält.

„Ich war fasziniert“, erinnert sich die Buchautorin. „Aber Karl hatte vermutlich keine Pampelmusen, da musste ich mir ein anderes Bild einfallen lassen.“ Weiter geht es zur Wolfstür, zum „Teufelsdaumen“, zu den langobardischen Bronzefachleuten und ihren Tricks. „Nur eine Tür der Hagia Sophia ist damit zu vergleichen“, verrät Maintz und lenkt den Blick auf das Drehlager der 43 Zentner schweren, hohen Pforte, die zu festlichen Anlässen geöffnet wird. „Normalerweise wäre da eine Vertiefung, aber darin sammelt sich der Schmutz. Also haben die damaligen Meister die Türangel auf einen Hubbel gestellt, da hält sich kein Schmutz, das ist bis heute so.“

Es gibt kostbare mittelalterliche Mosaikreste im Obergeschoss. „Für mich sieht das aus wie ein Mann mit Turban“, schwärmt die Autorin, die im Buch dem legendären Pippin-Altar nachspürt. Fasziniert ist sie zudem vom Atombunker, in dem notfalls Karls- und Marienschrein, Gnadenbild und Strahlenkranzmadonna Platz hätten. Und der Barbarossaleuchter? Helmut Maintz schüttelt den Kopf. „Der passt durch keine Tür...“

Auch die Geschichte der zwei Säulen im Kreuzgang aus grünem Porphyr, einem ägyptischen Naturstein, wird in der „Teufelsbraut“ lebendig. „Camena symbolisiert für mich die Stadt Aachen“, lächelt Martina Kempff. „Klug, kapriziös, weiblich.“

Dem Dombaumeister verspricht die Autorin: „Mein Mann ist Geschäftsführer einer Fabrik für Drehelemente aus Stahl, wenn also irgendwann Muttern mit einer speziellen Legierung für den Dom gebraucht werden, wird er sich darum kümmern!“

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