Düsseldorf - Teenager schmuggelte Zünder: Eklat um Angeklagten

Teenager schmuggelte Zünder: Eklat um Angeklagten

Von: dpa
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Düsseldorf. Ein 15-jähriger Teenager hat die in Schuhsohlen versteckten Sprengzünder für die sogenannte Sauerland-Gruppe aus der Türkei nach Deutschland gebracht.

Ob der Jugendliche wusste, dass in den Schuhen Zünder steckten, blieb im Terrorprozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht am Mittwoch offen. Die angeklagten vier Islamisten sollen Autobomben-Anschläge in Deutschland geplant haben. Der Angeklagte Adem Yilmaz bedrohte am Mittwoch während der Verhandlung einen Wachmann und löste damit erneut einen Eklat aus. Er wurde in Handschellen abgeführt.

Der als Zeuge geladene inzwischen 17-Jährige, der die Zünder nach Deutschland gebracht hatte, verweigerte die Aussage. Gegen den Wolfsburger mit tunesischer Abstammung läuft ein Ermittlungsverfahren. Mehrmals nahm er Blickkontakt mit dem mutmaßlichen Rädelsführer der Sauerland-Gruppe, Fritz Gelowicz, auf und lächelte ihm zu. Der Jugendliche soll Gelowicz die Schuhe samt Zünder am 26. August 2007 in Wolfsburg übergeben haben. Auch mit dem Angeklagten Atilla Selek tauschte der Jugendliche Blicke aus. Selek war in der Türkei festgenommen worden.

Zuvor hatten mehrere Wachleute die Blickkontakte dem Gericht gemeldet. Yilmaz drohte deswegen einem der Beamten mit den Worten: „Den schnappen wir uns auch noch.” Bundesanwalt Volker Brinkmann beantragte daraufhin Ordnungshaft gegen Yilmaz. Später ließ dieser über seine Anwältin erklären, es habe sich um eine „spontane Äußerung” gehandelt, die „nicht ernst” gemeint sei.

In den präparierten Schuhsohlen waren laut Anklage 20 Zünder aus tschechischer Produktion versteckt. Der Wolfsburger Jugendliche sagte laut Vernehmungsprotokollen kurz nach der Festnahme der Sauerland- Gruppe Anfang September 2007 aus, er habe die Schuhe sowie eine Jeans in einer weißen Plastiktüte von Istanbul nach Deutschland gebracht. Ob der Minderjährige von den Zündern in den Schuhen wusste, konnte laut Ermittlungen des Bundeskriminalamtes noch nicht abschließend beurteilt werden.

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