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Taxifahrt mit der Leiche im Koffer

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Der wegen Totschlags an seiner Ehefrau angeklagte Werner K. (54) versteckt sich im Aachener Schwurgericht vor der Kamera. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Aachener Schwurgericht hat seit Mittwoch einen makabren Fall von Totschlag zu verhandeln: Am Ende eines Ehekrachs lag eine Aachenerin – verpackt in einem Koffer – tot in der Maas.

Nach einem heftigen Streit, gestand Mittwochmorgen der 54-jährige Angeklagte Werner K., habe er am 25. August 2015 gegen 15.45 Uhr im Wohnzimmer der gemeinsamen Wohnung seine Ehefrau gewürgt, sie lag mit dem Rücken auf dem Boden, er kniete über ihr. Als er damit aufhörte, habe er noch einen Herzschlag bei der 51-Jährigen gefühlt – und sofort begonnen, sie wiederzubeleben. Das habe er zehn Minuten lang versucht. Es misslang.

Der Mann, der lange Jahre als Hausmeister bei einer Aachener Behörde tätig war, sprach leise und zögernd. Im Gerichtssaal machte er am Mittwoch einen eher defensiven Eindruck hin.

Doch die weiteren Ereignisse könnten einem Kinofilm entstammen und nötigten Richter Arno Bormann folgende Äußerung ab: „Sie haben keinen Notarzt gerufen. Sie haben das bewusst vertuschen wollen. Und das haben Sie zunächst durchaus klug und clever gemacht.“ Um die Leiche loszuwerden, zwängte der damalige 95-Kilo-Mann den etwa 170 Zentimeter großen Körper seiner toten Frau in einen Rollkoffer. Wie lange das gedauert habe, wollte das Gericht wissen.

„20 bis 25 Minuten etwa“, erklärte K., er habe wie in Trance gehandelt. Dabei galt es Widrigkeiten zu überwinden: Er bekam den Koffer nicht zu. Kurzerhand schnitt er eine Mülltüte auf, um den Spalt, der am Koffer offen stand, zu verdecken. Die Tüte umwickelte er mit Klebeband und einem Seil. Dann rief er gegen 21 Uhr ein Taxi. Fünf Stunden nach der Tat, „weil da nicht mehr so viel los war auf der Straße“, lautete die Wertung des Richters.

Das Taxi bestellte K. in eine benachbarte Straße, der Taxifahrer half freundlich beim Einladen des schweren Koffers. Fahrtziel: ein Hotel direkt an der Maas mitten in Maastricht. Dort habe er den Koffer in die Mitte der Maasbrücke gewuchtet und zwei Niederländer gebeten, ihm dabei zu helfen, den schweren Koffer auf die Brüstung zu heben, schilderte K. den makabren Vorgang. Die Männer taten das, drohten aber, zur Polizei zu gehen. Das hielt den Hausmeister nicht ab. Der Koffer landete in der Maas und tauchte erst am 28. August wieder auf, nicht weit weg von der Brücke.

Seine Frau sei seit zwei Jahren immer unzufriedener mit ihrem Leben geworden, berichtete K. zaghaft. Das Opfer war vor der Tat als Haushälterin bei einer prominenten Aachener Familie tätig. Die Arbeit habe sie sehr gestresst, den Stress habe sie an ihm ausgelassen. Normalerweise habe er versucht, sie zu beschwichtigen, beschrieb K. das Leben des Paares, das sich seit 1981 kannte.

Doch am Tattag habe sie nicht aufgehört sich zu beklagen: Alles sei schlecht, nicht mal den Müll bringe er weg, er tue nichts, auch der Urlaub, aus dem sie gerade zurückgekommen waren, sei „Scheiße“ gewesen. Da habe er die Nerven verloren.

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