Taxifahrer wieder im Kreuzfeuer der Verteidiger

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Außen hui, innen pfui? Im Prozess um die beiden JVA-Ausbrecher Michalski und Heckhoff berichtete erneut ein Insasse von unhaltbaren Zuständen im Knast. Foto: dpa

Aachen. Im Prozess um die Flucht der beiden Aachener JVA-Ausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski haben sich die Verteidiger erneut auf einen Zeugen eingeschossen.

Der irakisch-stämmige Taxifahrer (45) mit deutschem Pass war einige Verhandlungstage zuvor unter Beschuss der Verteidiger geraten und musste am Donnerstag zum zweiten Mal aussagen.

Neben Verständigungsschwierigkeiten hatte die Verteidigung, wie Staatsanwältin Claudia Schetter am Donnerstag vor der 8. Großen Strafkammer aufgebracht wiederholte, „den Zeugen bis aufs Blut gereizt”. Der Fahrer war die erste Geisel, die die Ausbrecher kurz nach ihrem Entweichen am Abend des 26. November in ihre Gewalt nahmen, der 45-Jährige kutschierte die beiden bis Kerpen.

Dieses Mal sollte mittels eines kurdischen Dolmetschers alles besser werden, doch die Ungeduld mancher Anwälte machten erneut die Zeugenschaft des Taxifahrers unmöglich. Richter Hans Günter Görgen brach die Sache ab mit den Worten „das hat so keinen Zweck”. Der Taxifahrer hat nach der Geiselnahme eine posttraumatische Belastungsstörung, er kann nicht mehr in seinem Beruf arbeiten und legte entsprechende Atteste vor.

Die Vernehmung eines JVA-Bediensteten kurz davor war erstaunlich glimpflich vonstatten gegangen. Der 25-jährige JVA-Bedienstete war jedoch ein sehr klar antwortender Zeuge, der die abendliche Situation in Haus I der JVA beschrieb: „Durch die Lautsprecher wurde eine Sicherheitsstörung durchgegeben.”

Heckhoff-Verteidiger Rainer Dietz hatte vor Tagen beantragt, den schriftlichen Fragenkatalog des Justizministeriums an die Anstaltsleiterin Reina Blikslager in die Finger zu bekommen. Am Donnerstag war es soweit, in 17 Fragepunkten begehrte Ministerin Roswitha Müller-Piepenkötter Aufklärung über die Situation in der Aachener JVA zum Fluchtzeitpunkt und davor. Die Antworten ergaben, dass zumindest der Stellenschlüssel eingehalten wurde, nur der Krankenstand war mit mehr als 15 Prozent relativ hoch.

Eine JVA-Krankenschwesetr gab an, noch letzte Woche für ihre Aussage vor der Strafkammer gebrieft worden zu sein.Genau das war bisher bestritten worden. Der Prozess geht Montag weiter
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