Tatserie: 24 Fälle gesprengter Geldautomaten in diesem Jahr

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
9107056.jpg
Vier von neun Fällen in diesem Jahr und fast immer ist das Ergebnis gleich: Nur am Montag in Roetgen wurden die Täter gestört und flohen ohne Beute. Foto: Müllejans
9107058.jpg
In Hückelhoven in der vorigen Woche ist die Spur der Verwüstung in Ratheim unübersehbar. Foto: Claudia Krocker
9107053.jpg
Die Sparkasse Aachen hat nun einen Geldautomaten weniger. Das Gerät an der Vaalser Straße ist im Juni gesprengt und ausgeraubt worden. Foto: Ralf Roeger
9107054.jpg
In der vorigen Woche ist ein Automat in der Hückelhovener Rheinstraße in die Luft gejagt und Bargeld erbeutet worden. Foto: Claudia Krocker

Aachen. Der Eindruck trügt nicht: Die Fälle der gesprengten oder ausgehebelten Bankautomaten häufen sich massiv in NRW – und in unserer Region liegt der Schwerpunkt. 24 solcher Überfälle gab es laut Landeskriminalamt in diesem Jahr, dreieinhalbmal so viele wie noch im vorigen Jahr, die meisten im deutsch-niederländischen und deutsch-belgischen Grenzgebiet.

Fünf ereigneten sich in der Städteregion Aachen, vier im Kreis Heinsberg. Und die Taten häufen sich in der jüngeren Vergangenheit. Nach zwei Fällen innerhalb von drei Tagen in der vorigen Woche im Kreis Heinsberg schlugen in der Nacht zum Montag erneut Täter in Roetgen zu.

Nach der anschließenden filmreifen Verfolgungsjagd in Belgien bewahrheitet sich zudem das, was die Ermittler bisher nur durch Zeugenaussagen vermuten konnten: Die Täter sind bewaffnet – und so ausgebufft, dass sie auch am Montag erneut entkamen, obwohl die belgische Polizei zwei Kontrollstellen aufgebaut und das Fluchtfahrzeug fahruntüchtig geschossen hatte.

Der Fall aus Roetgen zeigt das Kaliber, mit dem die Ermittler konfrontiert sind. Dort hatten die Täter um kurz vor zwei Uhr in der Nacht zum Montag den Alarm am Geldautomatencenter an der Bundesstraße 258 ausgelöst. Sie hatten eine Glasscheibe im Gebäude zertrümmert, die ihnen den Zugang zur Rückseite des Geldautomaten ermöglicht hätte. Ohne Beute traten sie die Flucht an.

Anwohner, die durch den Lärm geweckt worden waren, beobachteten, wie die Täter in einen dunklen Audi stiegen und Richtung Belgien davonfuhren. Die von den Zeugen alarmierte Polizei leitete sofort eine grenzüberschreitende Fahndung ein. Den Beamten in Eupen fiel dann eine Viertelstunde später, gegen 2.10 Uhr, der dunkle Audi auf, der „mit extrem überhöhter Geschwindigkeit“ durch die Stadt raste.

Eine erste Kontrollstelle wurde von den Räubern auf der Flucht durchbrochen, auf der Zufahrt zur zweiten Kontrollstelle bedrohten sie die Polizisten aus dem fahrenden Auto heraus mit Pistolen. Die belgischen Polizisten schossen nach Angaben der Aachener Polizei daraufhin auf den Audi, doch die Verdächtigen rauschten mit unverminderter Geschwindigkeit vorbei.

Trotz defektem Auto entwischt

Die belgischen Polizisten nahmen die Verfolgung auf und fanden wenige Minuten später das Fahrzeug etwa 200 Meter vor dem Parkplatz Walhorner Heide in Fahrtrichtung Deutschland – etwa 15 Kilometer von der Grenze entfernt. Von den Tätern fehlte jede Spur. Sie waren zu Fuß geflüchtet und hatten das nicht mehr fahrbereite Auto ebenso zurückgelassen wie ein Tatwerkzeug.

Zuletzt hatten Unbekannte in der Nacht zum Samstag einen Geldautomat in Hückelhoven gesprengt und Bargeld erbeutet. Die Täter flüchteten laut Zeugenaussagen ebenfalls mit einem dunklen Audi Richtung Niederlande. Die Polizei fand das Fluchtauto schließlich verlassen und brennend auf einer Landstraße nahe der Grenze. Nur drei Tage vorher war im selben Ort ein anderer Geldautomat gesprengt und ausgeräumt worden.

Besorgt sind die Ermittler in den Polizeibehörden vor Ort und im Landeskriminalamt, weil das Vorgehen der Täter, die mit einem Luft-Gas-Gemisch die Automaten mit großer Wucht aufsprengen, eine große Gefahr für die Menschen in der Umgebung darstellen. Unangenehmer Nebeneffekt seien nicht nur die hohen Schäden an den Gebäuden, sondern auch das schwierige Spurenbild, das von Verwüstung geprägt sei.

Die Experten vom Landeskriminalamt würden deswegen jedes Mal zur Spurensicherung angefordert. „Sie können einfach eine tiefergehende Analyse vornehmen, als wir das vor Ort können“, sagt Karl-Heinz Frenken, Sprecher der Heinsberger Polizei. Im Anschluss, ergänzt sein Kollege Werner Schneider von der Aachener Polizei, würden dann die Spuren der verschiedenen Fälle in NRW miteinander verglichen.

Ein Treffer sei aber bislang noch nicht dabei gewesen. Auch beim Landeskriminalamt geht man von verschiedenen Tätern aus, die mit der gleichen Masche agieren – entweder Geldautomaten aufsprengen oder aufhebeln.

Im Jahr 2010 war nach einer vergleichbaren Häufung eine Ermittlergruppe in Sachen Geldautomaten-Räuber unter Führung des LKA eingerichtet worden – mit Erfolg. Nachdem eine Bande dingfest gemacht worden war, sanken die Fallzahlen daraufhin in den einstelligen Bereich. Bis zu diesem Jahr. Ob es nun erneut eine Ermittlergruppe geben soll, ist bislang aber noch unklar.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert