„Task Force Dreiländereck“ wappnet sich gegen Rocker

Von: Heiner Hautermans
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Deutschland, Holland und Belgien werden die grenzüberschreitende Verbrechensbekämpfung intensivieren. Foto: Oliver Berg/dpa

Maastricht. Profis bringen das Problem der Kriminalität über Grenzen hinweg auf eine knappe Formel: „Wenn die auf der einen Seite verschwinden, tauchen die auf der anderen wieder auf!“ Michael Dejozé, von der Euregio Maas-Rhein und Polizeioffizier, hat diese Formel auf einer hochkarätig besetzten Konferenz formuliert, die sich mit dem Kampf gegen genau diese Kriminalität über die Grenzen hinweg beschäftigte.

Mehr als 100 Bürgermeister, Staatsanwälte, führende Polizeibeamte und Wissenschaftler trafen sich dazu an einem historischen Ort: im Konferenzraum der Provinz Limburg, wo – mit herrlichem Blick auf die Maas – vor 25 Jahren der Vertrag von Maastricht unterschrieben worden war. Die Konferenz widmete sich vor allem einer Problemgruppe: dem Auftreten von Rockerbanden im Dreiländereck.

Auf deutscher Seite, hat man im Land NRW durchgezählt, gibt es rund 2100 Kuttenträger, die sich in gut 100 Chartern und Chaptern zusammengeschlossen haben. Die wichtigsten Gruppierungen stellen die Bandidos und die Hells Angels, die sich auch im Raum Aachen in den letzten Jahren heftige Revierkämpfe geliefert haben.

Dabei kam es auch zum Einsatz von Schusswaffen, etwa im Aachener Ostviertel oder im Kreis Heinsberg. Und nur durch Zufall und Glück hat es bisher keine Toten gegeben: „Da hätte jeder Bürger getroffen werden können“, sagte ein leitender Kriminalbeamter aus Aachen.

Das massive Auftreten führte zu beträchtlicher Verunsicherung der Bevölkerung. Einer der Schützen ist inzwischen vom Landgericht Aachen zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden – wegen illegalen Waffenbesitzes, der Schusswaffeneinsatz selbst konnte nicht geahndet werden.

Mit Verboten einzelner Gruppierungen, wie sie etwa in Deutschland ausgesprochen wurden oder sie momentan gegen die Bandidos auch in den Niederlanden anhängig sind, versucht man gegen diese Form der organisierten Kriminalität anzugehen, doch es genügt schon ein neuer Name, und die „Outlaw Motorcycle Gangs“ können wieder an den Start gehen. Oder sie weichen in ein Nachbarland aus. Als durchaus praktikabel hat sich in der Stadt Aachen ein vorübergehendes Kuttentrageverbot herausgestellt, auch gegen das demonstrative Schaulaufen der Rocker ist die Polizei dort energisch mit großflächigen Kontrollen vorgegangen.

Doch diese Maßnahmen reichen nicht aus, um auf Dauer wirksam gegen die Umtriebe zu bestehen. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen etwa eine Polizeistreife auf Ganovenjagd an der jeweiligen Ländergrenze Halt machte und die weitere Verfolgung den Kollegen auf der anderen Seite überlassen musste. Doch immer noch gibt es enorme Defizite, die die Rocker und andere Kriminelle clever für sich zu nutzen wissen.

Polizei und Justiz haben längst gemeinsame Einheiten gebildet, um gegen Gesetzesbrecher grenzüberschreitend vorzugehen. Doch das reicht offensichtlich noch nicht aus. So ist für sie zum Beispiel unklar, woher die Kuttenträger, die in feudalen Villen in Belgien wohnen, an ihr enormes Vermögen kommen. „Sie haben immer Bargeld, man sieht sie aber nie in einer Bank“, klagte etwa Luud Geerlings vom Regionalen Informationszentrum Limburg. Hans Nelen, Professor an der Universität Maastricht, führte das darauf zurück, dass die Finanzämter von Belgien und Deutschland ungenügend zusammenarbeiten. Und Raf Terwingen, Bürgermeister von Maasmechelen, beklagte, dass sein Ort und das benachbarte Lanaken sich zu einer Art europäischem Hauptsitz einiger Rockerbanden entwickelt haben.

Er musste etwa aus der Zeitung erfahren, dass sein Kollege im nur 30 Kilometer entfernten Kerkrade unter Polizeischutz gestellt wurde, weil er im Streit um ein Versammlungslokal mit wüsten Drohungen belegt worden war. Defizite, wie sie immer noch auftreten und die jetzt durch eine Ausweitung der Zusammenarbeit behoben werden sollen.

Die Arbeit des niederländischen Informations- und Expertisezentrums soll deshalb auch auf Deutschland und Belgien ausgedehnt werden, das Pilotprojekt soll im September 2017 an den Start gehen. Der Sitz der Institution steht noch nicht fest. Und nicht nur der Bekämpfung von Rauschgift- und Menschenhandel oder Geldwäsche, wie er Rockerbanden üblicherweise unterstellt wird, soll sich diese Institution widmen. Auch für Krisenfälle oder Chemieunglücke, etwa auf dem Chemiekomplex bei Sittard/Geleen, will man sich mit diesem konzertierten Vorgehen besser wappnen.

Die Europäische Kommission hat ihre Unterstützung zugesagt, auch die Justizminister sind mit im Boot. Einmal mehr soll die Euregio Maas-Rhein nun zum Versuchsfeld der noch 28 Staaten werden – Nachahmung erwünscht.

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