Talk zu Vergangenheit und Gegenwart im Krönungssaal

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
10730359.jpg
Der Psychiater Professor Frank Schneider (rechts), Mitinitiator der Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ im Centre Charlemagne, und Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, trafen beim Forum im Krönungssaal des Aachener Rathauses auf ein großes Publikum. Foto: Stephan Rauh

Aachen. Ein Abend der unterschiedlichsten Schwingungen, der bewegenden Momente, bitteren Einsichten, engagierten Gespräche und ernsthaften Aussichten auf eine Zukunft, die sich der Vergangenheit erinnern muss, um besser zu werden: Im Krönungssaal des Aachener Rathauses hat am Freitagabend Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, interessante Gäste begrüßt.

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“, die sich im Centre Charlemagne der Verbrechen der Nationalsozialisten an kranken und behinderten Menschen widmet, hatte er sich gemeinsam mit Professor Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Uniklinikum Aachen und Mitinitiator der Dokumentation, vorgenommen, das Thema zu vertiefen, zum Nachdenken und Weiterdenken anzuregen.

Die rund 750 Zuschauer im Krönungsaal horchten auf und ließen sich berühren – nicht zuletzt durch die einfühlsamen Musikstücke, die der Chor Carmina Mundi mit Altistin Marion Esser unter der Leitung von Harald Nickoll interpretierte. Meditativ wurde es mit dem Saxofonisten Heribert Leuchter und dem Oberton-Spezialisten Albrecht Maurer, dessen gotische Fidel den wehmütigen Dialog mit dem Sopransaxofon des Aachener Künstlers aufnahm.

Hochkarätige Gesprächspartner, brisante Aspekte. Oberbürgermeister Marcel Philipp, Schirmherr der Ausstellung, thematisierte nicht nur die Wahrheiten der Dokumentation. Er äußerte sich auch beunruhigt über gegenwärtige Tendenzen im Hinblick auf die Flüchtlingsfrage: „Wir müssen aufpassen, dass der Anteil des Schimpfens nicht größer wird als der Anteil des Helfens!“ Frank Schneider gab Einblick in die Entstehungsgeschichte der Schau, die einen historischen Veränderungs- und Erkenntnisprozess innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde markiert.

Mit Stefan Weismann, Präsident des Landgerichts Aachen, warf Mathieu einen Blick auf die nazikonforme Justiz der damaligen Zeit. Professor Dominik Groß, Leiter des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der RWTH, fragte er nach der damaligen Ärzteschaft. Beide bestätigten, dass die Täter in vielen Fällen nach Kriegsende in höchste Positionen zurückkehren konnten.

Mit dem 28-jährigen Frederick Flecken, der unter dem Tourette-Syndrom, einer neuropsychiatrischen Erkrankung, leidet und seiner Mutter Michaela kamen Gäste hinzu, die eine noch nicht allzu tolerante heutige Gesellschaft kennengelernt haben. All das wurde übrigens in jeder Phase des Abends gebärdensprachlich von den beiden Dolmetscherinnen Britta Meinicke und Marion Schreiber begleitet. Für einen kulinarischen Ausklang sorgte schließlich das Service-Team von Café Life, einem Unternehmen der Lebenshilfe Aachen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert