Aachen - Talbot: Wehrhafter Schmied als Symbol

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Talbot: Wehrhafter Schmied als Symbol

Von: Stephan Mohne
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Weiße Kerzen für den Erhalt
Weiße Kerzen für den Erhalt des Standorts: Die Hoffnungssymbole reihen sich am 1896 gebauten Talbot-Waggon vor dem Werkstor an der Jülicher Straße auf. Tausende haben sich auch per Facebook oder Unterschrift solidarisch mit dem Protest gegen die Schließung erklärt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Graf Wilhelm von Jülich erlebte sein blaues Wunder, als er am 17. März 1278 mit 500 Mann in Aachen einmarschierte und die Stadt unterwerfen wollte. Er selbst wurde an der Jakobstraße vom wehrhaften Schmied (der eigentlich ein Metzger war) erschlagen - der Widerstand der Aachener vertrieb die Eindringlinge.

Nun, beim Kampf der „Talbötter” gegen die Schließungspläne für das traditionsreiche Werk und den Verlust ihrer 600 Jobs geht es weitaus weniger blutig zu. Der wehrhafte Schmied ist nun dennoch zu einem Symbol dieses Kampfes geworden. Dafür hat am Montag Caroline Reinartz vor dem Verwaltungsgebäude an der Jülicher Straße gesorgt. Das Haus gegenüber der Schmied-Statue an der Jakobstraße ist schließlich ihr Elternhaus. Und so rief sie den um ihre Arbeitsplätze bangenden Bombardier-Mitarbeitern zu: „Ihr kämpft nicht allein!”

Viele, viele Aachener seien solidarisch mit dem Protest. Und die Aachener im Allgemeinen fordert Reinartz zu ebendiesem Protest gar per öffentlichem Aufruf, der auch noch in den Tageszeitungen erscheinen wird, auf: „Öcher Bürger - zeigt Mut!” steht darüber. Man solle sich unter anderem an der Jülicher Straße in die Unterschriftenlisten eintragen. Talbot sei „e Stöck va os, e Stöck van et Hazz”, ließ die streitbare Immobilienmaklerin die „Talbötter” wissen. Mit Tränen in den Augen applaudierten die so angesprochenen frenetisch.

In besagte Unterschriftenlisten haben sich alleine am Wochenende - sogar am Sonntag - hunderte Aachener eingetragen. An dem Selbstentlader-Waggon von 1896 vor dem Werkstor stehen mittlerweile unzählige weiße Kerzen als Zeichen der Hoffnung. Auf der Facebook-Seite zu diesem Thema gibt es ebenfalls tausende Einträge. Die Betriebsräte der anderen deutschen Bombardier-Werke kamen Montag nach Aachen, erklärten sich mit den Kollegen solidarisch und ließen kein gutes Haar am Vorstand in Berlin. Von jahrelangem „Missmanagement” war die Rede, das erst zu der jetzigen Situation geführt habe. Und von dieser sei nicht nur Aachen, sondern das gesamte Unternehmen betroffen.

Unterdessen gibt es Hinweise darauf, dass die Deutsche Bahn offenbar ein Interesse daran hat, den Aachener Standort möglicherweise zu einem Reparaturwerk zu machen. Das allerdings verbannte Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz zunächst von der aktuellen Tagesordnung. In erster Linie kämpfe man weiter um den Erhalt des Bombardier-Standorts. Mit anderen Plänen beschäftige man sich deswegen derzeit nicht.

Während laut Betriebsrat Oberbürgermeister Marcel Philipp nach seiner Rückkehr aus Kapstadt am Dienstag zur Jülicher Straße kommen will, hieß es im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium, Bombardier werde auch bei der Kabinettssitzung am Dienstag Thema sein. Außerdem wolle Minister Garrelt Duin weitere Gespräche mit dem Vorstand führen.

Vor allem wird jedoch seitens der Beschäftigten auf Donnerstag geblickt. Dann tagt in Aachen der Wirtschaftsausschuss. Dort soll der Vorstand, angeführt von Grego Peters, seine Pläne offenlegen und begründen. Zumindest der Geist des wehrhaften Schmieds wird dann mit am Tisch sitzen. Denn die „Talbötter” haben bei ihm ohnehin noch einen gut: Sie versteckten die Statue im 2. Weltkrieg und verhinderten so, dass das Wahrzeichen für Mut und Freiheit zwecks Waffenbau eingeschmolzen werden konnte.
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