Aachen - Tagung in Aachen: Die Sorgen der deutschen Zoodirektoren

Tagung in Aachen: Die Sorgen der deutschen Zoodirektoren

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Die Geparden im Aachener Tierpark: In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die großen deutschen Zoos sehr zum Positiven entwickelt, auch der nicht gar so große Tierpark in Aachen. Doch es gibt immer noch Zoos und Tierparks, die nicht nur für Umweltschützer ein Graus sind. Foto: Christoph Pauli
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Eine Giraffe aus dem Saarbrücker Zoo: Wie lange werden exotische Tiere noch in europäischen Zoos zu sehen sein?

Aachen. Theo Pagel sprach über die deutschen Zoos am Freitag in zwei Sprachen. Mit seinen Worten ließ Pagel die Zoos und Tierparks ziemlich hochleben, seine Miene hingegen erzählte eine sehr viel sorgenvollere Version der Geschichte. Dass die Zoos in ganz Europa mit dem Rücken zur Wand stehen, ist eher noch eine Untertreibung, aber auch ein Thema, über das Pagel, Direktor des Kölner Zoos, lieber hinter verschlossenen Türen spricht.

Die Europäische Union arbeitet im Moment an einer Verordnung, die die Zoos in ihrer Gestaltungsfreiheit sehr beschränken würde, auf einmal könnten die Zoos nicht länger darüber bestimmen, welche Tiere sie zeigen und welche nicht. Noch ist nichts entschieden, noch ist nichts konkret, und doch lässt sich schon jetzt sagen, dass in Brüssel die Zukunft der Zoos verhandelt wird, ohne dass die Zoodirektoren mit am Tisch sitzen.

Pagels Miene ließ am Freitag belastbare Rückschlüsse darauf zu, wie verunsichert die gesamte Branche ist. Teile dieser Branche, nämlich Vertreter von 68 Zoos in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) organisiert sind, tagen seit Dienstag in Aachen.

Obwohl die Lebensbedingungen wilder Tiere in Zoologischen Gärten und Tierparks schon seit Jahrzehnten ein Thema sind, hat lange Zeit kaum jemand die Existenz von Zoos ernsthaft in Frage gestellt. Doch die Gegner der Zoos sind heute keine harmlosen Freizeitaktivisten mehr, die sich mit Gleichgesinnten, Unterschriftenlisten und Plakaten samstags in Fußgängerzonen für den Tierschutz engagieren.

Die Gegner, fast schon die Feinde der Zoos sind heute kampagnenerfahrene Tierrechtslobbyisten, die Geld, einen langen Atem und deswegen einen Einfluss haben, der bis in die EU reicht. Das „Great Ape Project“, das dafür kämpft, den Geltungsbereich der Menschenrechte auf Großaffen auszuweiten, ist nur eine dieser Organisationen, deren Kampf für die Zoos existenzgefährdend werden könnte.

Die Gefahr haben die europäischen Zooverbände viel zu spät erkannt, das gibt auch VdZ-Geschäftsführer Volker Homes zu. Die einzige deutschlandweit wahrnehmbare Werbung, die die Zoos sich leisten, sind die seifenoperhaften Tiersendungen in den dritten Programmen, die „Panda, Gorilla & Co.“ oder so ähnlich heißen. „In der Tat haben wir viel zu lange gewartet, Einfluss auf die Diskussionen über die Zoos zu nehmen“, sagt Homes.

Erst 2014 zog der VdZ, der bis dahin „Verband der Zoodirektoren“ geheißen hatte, von Zürich nach Berlin, um die Lobbyarbeit in den Ministerien verbessern zu können, um die sich die Zoos bis dahin bestenfalls halbherzig gekümmert hatten. Deswegen war eines der wichtigsten Tagungsthemen in Aachen die Frage, wie man das Image der Zoos günstig beeinflussen könnte.

Ergebnis der Überlegungen: Zoos als Tier- und Naturschutzorganisationen zu präsentieren. Ob ein Spagat zwischen Wissenschaft und Spektakel überhaupt gelingen kann, ist natürlich eine andere Frage. Die meisten der mehr als 60 Millionen Menschen, die jährlich die deutschen Zoos besuchen, begreifen den Zoobesuch vermutlich eher nicht als wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltung.

Ein weiteres Problem des VdZ, in dem nur 54 der mehr als 500 deutschen Zoos organisiert sind, ist die sehr unterschiedliche Qualität der Zoos. Mitglieder im VdZ sind ausschließlich Zoos, in denen auch wissenschaftlich gearbeitet wird, es handelt sich mehrheitlich um vorbildlich geführte Tiergärten mit ansehnlichen Gehegen, etwa den Kölner Zoo, den in Gelsenkirchen oder auch in Aachen. Gäbe es nur solche Zoos, würde die EU sich vermutlich nicht mit einer Verordnung befassen, die, wenn sie irgendwann beschlossen wird, den Zoos verbieten wird, bestimmte Tierarten zu halten.

Welche Tierarten das sind, wird im Moment noch verhandelt. Die Zoobetreiber fürchten, dass in Zoos am Ende nur noch Tierarten gezeigt werden dürfen, die dort, wo der jeweilige Zoo sich befindet, heimisch sind. „Diese Gefahr besteht im Moment noch“, sagte VdZ-Geschäftsführer Homes am Freitag, „aber wir werden alles dafür tun, dass es nicht so kommt.“

Auffallend ist, dass die Zoodirektoren sich nicht gegen die Angriffe der vergangenen Jahre zur Wehr setzten, jedenfalls nicht so, dass es öffentlich wahrgenommen worden wäre. So durfte 2014 der Münchner Psychologe und Tierrechtler Colin Goldner sein Buch „Lebenslänglich hinter Gittern. Die Wahrheit über Gorilla, Orang Utan & Co. in deutschen Zoos“ veröffentlichen, ohne dass die Zoodirektoren dazu Stellung bezogen hätten. Tierrechtsaktivisten sprechen von der „Kulturschande Zoo“, unwidersprochen. Warum?

Alles richtig, alles hilflos

Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos und bis Freitag VdZ-Vorsitzender, hielt auch am Freitag nicht dagegen. Er sagte Sätze wie „der Trumpf der Zoos ist die Begeisterung, die er bei seinen Besuchern hervorruft“ oder „es ist bewiesen, dass ein Zoobesuch die Reflexion der Menschen anregt“.

Alles richtig, aber alles irgendwie auch hilflos. Wolfram Graf-Rudolf, Direktor des Aachener Tierparks, sprach von „einer fantastischen Tagung“, die in Aachen stattgefunden habe. Pagel saß daneben, seine Miene sagte etwas anderes. Auf die Frage nach der Zukunft der Zoos in Europa fielen Pagel dann zwar viele Worte ein. Eine Antwort hatte er allerdings nicht.

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