Aachen/Düren/Heinsberg - Tagelanger Starkregen: Region kämpft gegen das Wasser

Tagelanger Starkregen: Region kämpft gegen das Wasser

Von: heck/bea/pan/tob/dpa
Letzte Aktualisierung:
unwetter eschweiler
Überflutet: eine Straße in Eschweiler musste für den Verkehr gesperrt werden. Foto: Patrick Nowicki/Tobias Röber
unwetter
Für die Helfer bedeuteten die Regenfälle: Arbeiten im Dauereinsatz, wie hier in Eschweiler. Foto: Patrick Nowicki/Tobias Röber
unwetter alsdorf
So wie hier in Alsdorf hatten viele Autofahrer mit den Fluten zu kämpfen. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren/Heinsberg. Die heftigen Dauerregenfälle in den vergangenen Tagen haben in der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren und Heinsberg zu Hunderten von Einsätzen von Feuerwehren und Rettungsdiensten geführt. Gleich mehrere amtliche Unwetterwarnungen hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag herausgegeben - und so sollte es dann auch kommen.

In den Einsatzleitstellen der Region standen die Telefone nicht mehr still: Für Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath gingen unzählige Meldungen hauptsächlich über vollgelaufene Keller und überflutete Straßen ein. Alleine in Baesweiler gab es mehr als 170 Einsätze, davon alleine 60 an der Aachener Straße, die zeitweise kotflügelhoch unter Wasser stand. Bei der Herzogenrather Wehr gab es über 40 Meldungen, vor allem geflutete Keller und zugesetzte Kanaleinläufe auf Merkstein. Mehrere Bäume stürzten um.

Auch die Eschweiler Feuerwehr war seit Montag im Dauereinsatz und rückte weit über 100 Mal aus. Im Gewerbegebiet Königsbenden stand das Wasser in einigen Geschäften bis zu einem Meter hoch, viele private Keller liefen voll und Straßen wurden zeitweise gesperrt. „So etwas habe ich in der Form noch nicht erlebt“, sagt Axel Johnen, Leiter der Feuerwache. Im Stadtteil Dürwiß wurde die Jülicher Straße unterspült. Dort brach auch ein Teil der Böschung samt Zaun zu einem Regenrückhaltebecken hin weg.

In Eschweiler gab es auch in der Nacht zu Mittwoch noch einige Einsätze: In Scherpenseel drohen Teichenach starkem Wasseranstieg überzulaufen und im Stadtwald rutschten Schlammmassen ab.

Betroffen war auch Übach-Palenberg, wo mehrere Straßen und Unterführungen überflutet wurden, Kellerräume volliegen und Bäume umstürzten. Zwischen 15.46 und 16.18 Uhr gingen zahlreiche Notrufe bei der Feuerwehr in Erkelenz ein. Rund 60 Mal mussten die Wehren von Übach-Palenberg, Boscheln und Scherpenseel ausrücken.

Im Jülicher Stadtgebiet hatte es Bourheim und Koslar besonders kalt erwischt. Auf dem Bourheimer Dorfplatz versanken die Autos einen halben Meter tief ins Wasser, und in Koslar kämpften Bauhof und Feuerwehr gegen Wasser und Schlamm, die sich von den Hängen oberhalb des de Nickel-Schuppens in den Ort wälzten. In Engelsdorf (Gemeinde Aldenhoven), immer Krisengebiet bei Platzregen, ergossen sich die Schlammfluten in den Ort.

In eine Seenplatte verwandelte sich das Lindenrondell am Brückenkopf-Park. Kurzfristig standen die Fahrzeuge auf dem Wohnmobilplatz mit den Reifen im Wasser. Vor der so plötzlich auftretenden Wassermassen mussten gebietsweise auch die Kanäle kapitulieren. Auch hier war die Gemeinde Aldenhoven am ärgsten betroffen. Dort sprudelte das Wasser aus den Gullis.

Im Kreis Düren kam es seit dem Nachmittag bis 6 Uhr am Mittwochmorgen zu etwa 50 Einsätzen. Dabei handelte es sich zum Großteil um Häuser und Keller, die mit Wasser vollgelaufen waren. In Niederzier schlug ein Blitz in ein frei stehendes Wohnhaus an der Hochstedenstraße ein und löste einen Dachstuhlbrand aus. Das Feuer konnte aber schnell wieder gelöscht werden.

Einige Straßen mussten aufgrund der Wassermassen gesperrt werden, die Landesstraße 12 von Langerwehe in Richtung Schevenhütte ist an der Abfahrt Wenau auch am Mittwochmorgen noch nicht passierbar. Auf der A44 fielen die Notrufsäulen aus, Richtung Aachen ging es bis in den Abend hinein nur einspurig.

Andere Städte hatten Glück: Aus Aachen, Stolberg und der Nordeifel etwa wurden trotz heftiger Regenfälle zunächst keine Notfälle bekannt.

Angekündigt hatte der Wetterdienst heftigen Starkregen mit Niederschlagsmengen je nach Region von 35 bis 50 Litern pro Quadratmeter pro Stunde sowie Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 85 Kilometer pro Stunde. Stellenweise, so hieß es, könnten bis zu drei Zentimeter dicke Hagelkörner fallen.

Ausdrücklich warnte der DWD vor Blitzschlägen, entwurzelten Bäumen sowie fallenden Dachziegeln und Ästen. Keller könnten überflutet werden, kleine Bäche und Flüsse über die Ufer steigen. Erst gegen 17 Uhr wurden die Unwetterwarnungen aufgehoben, nach wie vor wurde aber vor heftigen Regenfällen und Gewittern gewarnt.

Die heftigen Gewitter mit Starkregen haben am Dienstag auch Süd-Limburg und Roermond getroffen. In Heerlen standen viele Straßen nach einem kurzen, aber heftigen Sturm unter Wasser, Kanaldeckel wurden nach oben gedrückt. Es kam zu großen Verkehrsstörungen. Gerade in der hügeligen Landschaft nahe der Grenze steht das Wasser in niedrig gelegenen Bereichen so hoch, dass Autofahrer feststecken.

Auch in großen Teilen von Nordrhein-Westfalen kam es am Dienstag zu weiteren Gewittern mit Starkregen. Vor allem die südlichen Landesteile von der Eifel bis zum Rothaargebirge seien betroffen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Essen mit. Dort war mit 30 bis 60 Litern Regen pro Quadratmeter gerechnet. In den übrigen Landesteilen erwarten die Experten ebenfalls Gewitter mit Starkregen, aber in geringerem Ausmaß.

Am Montag hatte ein überaus heftiges Unwetter vor allem die Region Münster getroffen. In einem Gebiet von 30 Kilometern Durchmesser waren dort laut DWD bis zu 150 Liter Regen heruntergekommen. Ein Mann ertrank in einem überfluteten Keller, ein weiterer im Umland. In der Innenstadt stürzte ein Baum auf ein Auto. Eine Frau darin wurde lebensgefährlich verletzt.

Einsatzkräfte haben in der Nacht zum Mittwoch im Münsterland weiter gegen die Folgen des Unwetters vom Montag gekämpft. „Wir haben bis 1.00 Uhr nachts noch neue Einsätze bekommen“, sagte ein Feuerwehrsprecher in Münster. Weiterhin müsse eine große Zahl von Notrufen abgearbeitet werden.

Am frühen Mittwochmorgen kamen Feuerwehren aus Köln und dem Rhein-Erft-Kreis mit rund 50 Fahrzeugen zur Unterstützung nach Münster. Aus der Region Aachen waren 4 Löschzüge angereist. „Insgesamt waren und sind circa 2000 Feuerwehrleute aus allen Teilen des Landes Nordrhein-Westfalen im Einsatz“, teilte der Verband der Feuerwehren in NRW am Mittwoch mit.

Auf der Bahnstrecke zwischen Münster und Rheine fielen auch am Mittwoch Regionalzüge aus. Dies teilte die Bahn auf ihrer Website mit. Am Montag war ein Stellwerk im nördlich von Münster gelegenen Greven durch einen Wassereinbruch beschädigt worden.

Leserkommentare

Leserkommentare (26)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert