Aachen - Tagebau-Grundwasser: Ursprünglich wird die Situation im Boden nie mehr

Tagebau-Grundwasser: Ursprünglich wird die Situation im Boden nie mehr

Von: Claudia Schweda
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Die Hälfte des für den Bergbau abgepumpten Wassers wird ungenutzt in Flüsse geleitet: Durch die Farbe deutlich sichtbar ist an dieser Einleitungsstelle an der Rur der Eisengehalt des Sümpfungswassers. Foto: Schweda

Aachen. Nach dem Ende des Tagebaus wird das Grundwasser wieder ansteigen. Ob der vorbergbauliche Pegel am Ende dieses Jahrhunderts, erst viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte später wieder erreicht wird, darüber sind die verschiedenen Seiten sich ebenso uneinig wie bei allen anderen Fragen, die eine Einschätzung der zukünftigen Situation betreffen.

Dabei ist diese Einschätzung am Ende entscheidend dafür, ob und in welcher Höhe RWE für die Beseitigung möglicher Bergbaufolgen Rücklagen bilden muss. Einigkeit besteht durchaus darüber, dass sich nicht wieder exakt die Situation einstellen wird, wie vor Beginn des Bergbaus. Aber darüber, wie sehr sich die Situation von der ursprünglichen unterscheiden wird, darüber gibt es extrem unterschiedliche Prognosen und Einschätzungen.

Dass der Zustand sich verändert, liegt einerseits an den teils irreversiblen Bodensetzungen, andererseits an den sogenannten Stockwerken, die nach dem Tagebau im Boden fehlen werden: Ursprünglich fließt auf einer Tonschicht zum Beispiel eine Wasserader, darüber findet sich lockeres Gestein oder Sand und so weiter. Diese natürlich entstandenen Stockwerke werden abgebaggert und in sogenannten Kippenmassiven aufgeschüttet und darin vermischt.

Wenn wieder Wasser durch diese Kippenmassive hindurchfließt, bergen sie eine Gefahr. Denn sie enthalten chemische Stoffe aus dem Boden, die sich verändern, wenn sie mit Luft in Berührung kommen. Das ist beim Abbaggern und Abkippen geschehen. Kommt nun noch Wasser hinzu, reagieren die Stoffe weiter und werden zu einer schwefligen Säure, die ins Grundwasser sickert. In Aldenhoven ist so bereits ein Brunnen im Einflussbereich des Tagebaus Inden versauert.

Der Erftverband betont, dass die Probleme, die durch Kippenmassive entstehen können, regional begrenzt seien. Zudem werde im Tagebaubetrieb darauf geachtet, dass die versauerungsempfindlichen Materialien schnell wieder überdeckt werden und zur Neutralisierung Kalk hinzugefügt wird. „So wird das Problem minimiert“, sagt Bernd Bucher, Bereichsleiter Gewässer. Bucher bestreitet nicht, dass weitere Brunnen versauern werden und Wasserwerkstandorte geschlossen werden müssen: „Wir wissen, welche das sein werden.“ In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts seien Ersatzstandorte notwendig. „Aber auch die kennen wir schon. Und die Kosten werden von RWE getragen.“

Eine Studie des Geologen Ralf E. Krupp im Auftrag der NRW-Grünen warnt dagegen vor „erheblichen Mengen- und Qualitätsproblemen bei der Bereitstellung von Brauch- und Trinkwasser in der Nachbergbau-Ära“, die zu erwarten seien. Dirk Jansen vom BUND-NRW sagt: „Da haben wir eine tickende Zeitbombe im Untergrund, die die Nutzbarkeit des Grundwassers schwer einschränken oder zu teurer Wasseraufbereitung führen wird, deren Kosten die Nutzer tragen werden.“

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