Tag der Frühgeborenen: Uniklinik will Baby-Notarztwagen anschaffen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
frühchen_bu
Viel zu früh auf der Welt, aber die Chancen für Frühchen werden besser. Foto: imago/Peter Widmann

Aachen/Stolberg/Düren. 60.000 Babys kommen in Deutschland jährlich vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. „Damit sind die Frühchen die größte Kinderpatientengruppe”, sagt Thorsten Orlikowsky vom Aachener Uniklinikum.

In den Perinatalzentren, also den Einrichtungen zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen in der Region (Düren, Stolberg, Aachen), kümmert sich das Fachpersonal rund um die Uhr um diese Säuglinge. Immer wieder müssen die Mediziner abwägen, was medizinisch sinnvoll, was ethisch vertretbar ist. „Und das heißt auch, ein Kind in Würde gehen zu lassen, wenn es die Kraft zum Leben nicht hat”, sagt Orlikowsky.

Die Bedingungen: Derzeit nicht optimal

Im Mittelpunkt stehe aber das Leben des Frühchens und dass es auch später ein gutes Leben führen könne. Die optimale Versorgung beginnt bereits beim Transport des Frühchens. Die Bedingungen dafür seien derzeit ordentlich, aber nicht optimal, sagt Thorsten Orlikowsky.

Das Uniklinikum setzt sich für die Anschaffung eines Baby-Notarztwagens ein, die Björn-Steiger-Stiftung sammelt Spenden für das 200.000-Euro-Fahrzeug. Der Baby-Notarztwagen ist eine rollende Intensivstation, die das Kind schonend transportiert. Allerdings hält Orlikowsky es für sinnvoll, wenn der Wagen so selten wie möglich zum Einsatz kommt. „Es ist wichtig, dass Frauen sofort in eine Klinik kommen, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt.” So könnten Vorbereitungen getroffen und die Geburt verzögert werden - Zeit, die das Leben des Kindes beeinflusst.

Neue Auflagen: Kleinere Häuser fallen durch das Raster

Allerdings könnte so ein Wagen bald häufiger gebraucht werden: Im nächsten Jahr sollen die gesetzlichen Auflagen für Kliniken, die Frühchen unter 1250 Gramm behandeln, verschärft werden. Dann dürfen nur noch die Häuser Hoch-Risiko-Kinder aufnehmen, die bisher schon mindestens 30 solcher Kinder pro Jahr behandelt haben. Die quantitative Erfahrung gilt - nicht unumstritten - als Qualitätsmerkmal.

Kleinere Häuser wie das Bethlehem-Krankenhaus in Stolberg oder das St.-Marien-Hospital in Düren erreichen diese Anzahl nicht. Im Aachener Klinikum werden nach eigenen Angaben schon jetzt 50 solcher Kinder behandelt.

Eltern von Frühchen sehen sich oft mit Vorurteilen konfrontiert. Kinder werden häufig als behindert eingestuft, Mütter machen sich Vorwürfe. „Das ist in den meisten Fällen völlig unbegründet”, sagt Orlikowsky. Viele Komplikationen seien naturbedingt.

Auch die Nachsorge ist ungemein wichtig

Vor zwei Jahren wurde der internationale Tag der Frühgeborenen (17. November) ins Leben gerufen, um über Frühgeburten aufzuklären und Vorurteile auszuräumen. Wichtig sei der Tag auch, um für die Nachsorge zu werben. Mindestens bis zum zweiten Lebensjahr, besser darüber hinaus, sollten Frühchen beobachtet werden, um Defiziten zeitig entgegenzuwirken. Im Uniklinikum gibt es am Mittwoch von 14 bis 16 Uhr eine Veranstaltung zum Thema.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert