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Tafeln packen wieder Weihnachtskisten

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Weihnachtskiste
Mit buntem Geschenkpapier beklebt oder schlicht braun belassen, in größeren und kleineren Formaten, werden sie bei den Tafeln in der Region abgegeben: Mit Lebensmitteln und kleinen Geschenken gefüllte Weihnachtskisten, die Privatleute liebevoll zusammenstellen. Foto: Archiv

Aachen. Das Stimmengewirr ist schon weit vor der Clermontstraße 10 zu hören. Gruppen älterer Menschen mit Wägelchen warten vor dem Hof, drinnen ist es voll, geordnetes, aufmerksames Warten. Eine Frau steht abseits an die Wand gedrückt.

Klein, zierlich, graue kurze Haare, unauffällige Brille, graue Jacke. Bei einer Versicherung hatte sie lange als Sekretärin gearbeitet, dann wurde der Arbeitgeber aufgekauft, auf ein paar Kurzzeitjobs folgte die Arbeitslosigkeit, erzählt sie. Sie sei alleinstehend und trockene Alkoholikerin, die Mutter ist im Heim. Heute, mit 60, habe sie keine Chance auf eine Anstellung mehr.

Seit zehn Jahren, also seit es die Tafel in Aachen gibt, kommt sie schon hierher, um sich Lebensmittel zu holen. Sie ist eine der vielen, die in den vergangenen Jahren auch eine Weihnachtskiste mit nach Hause nehmen durfte. Salami, Eintopf, Plätzchen seien dadrin gewesen, erinnert sich die Aachenerin.

Besonders über die Klöße habe sie sich gefreut, damit habe sie ein richtiges Weihnachtsessen zubereiten können. Eine Marokkanerin erzählt, sie habe von dem Mehl, das sie in ihrer Kiste gefunden hat, Brot gebacken. Ihre braunen Augen leuchten, während sie davon erzählt. Sie hofft wie viele andere Wartende, auch in diesem Jahr, am 18. Dezember, wieder eine Kiste zu bekommen.

Die „Weihnachtskiste” ist eine Aktion der Tafeln in NRW, die von unserer Zeitung und dem WDR unterstützt wird. Die drei Partner rufen ihre Hörer, Zuschauer und Sie, liebe Leser, alljährlich dazu auf, solche Weihnachtskisten zu packen und bei einer der Tafeln abzugeben. Als Geste, als ein Stück menschlicher Wärme.

Die Kunden der Tafeln, das sind Menschen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, können sich die Kisten dann einen Tag später abholen. „Viele unserer Kunden sind lange nur zur Unterstützung hierhin gekommen”, sagt Jutta Schlockermann, Vorsitzende der Aachener Tafel und Ländervertreterin für NRW. „Inzwischen haben wir eine regelrechte Versorgerrolle übernommen.”

Das bestätigen auf die Kunden. „Ohne die Tafel wüsste ich nicht über die Runden zu kommen”, sagt die 60-jährige Aachenerin. Alternativen habe sie nicht. „Weniger essen”, meint sie trocken. Ein 37-jähriger arbeitsloser Speditionskaufmann erzählt davon, wie dankbar er ist, dass seine Mutter wieder für ihn mit kocht. Nervös zündet er sich einen Zigarettenstummel an. Er hoffe, dass das nur eine kurze Phase ist, dass er bald wieder Arbeit findet.

„Aber das ist schwierig. Ich bin sehr traurig. Ich warte auf einen Therapieplatz wegen psychischer Probleme. Aber die Warteliste ist lang”, sagt er. Hoffnung habe er dennoch, „auf jeden Fall”. „Eigentlich ist es in meinem Leben immer bergauf gegangen”, sagt er. Während er spricht, blickt er immer wieder in Richtung Laden. Die kleinste Regung von der andere Seite des Hofs erhält sofort die größte Aufmerksamkeit. Keiner will den Moment verpassen, in dem seine Gruppe an die Reihe kommt.

Früher, vor zehn Jahren, war der Andrang noch überschaubar. Heute ist ein ausgeklügeltes Rotationssystem nötig, damit niemand zu kurz kommt. „200 Haushalte versorgen wir hier pro Tag”, sagt Schlockermann. Monatlich habe die Tafel Zuwächse von 50 neuen Haushalten. Bei allen wird der Anspruch geprüft, dann gibt es eine Kundenkarte. „Wir sind aber keine Obdachlosenversorgung”, sagt Schlockermann.

Immer mehr Familien kämen und vor allem auch immer mehr, die regelrecht ausgehungert seien. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier in Deutschland einmal ausgehungerte Kinder und Senioren sehen würde. Man muss aber auch dazu sagen, dass das oft Menschen sind, die vielleicht nicht fähig sind, alle Hilfen in Anspruch zu nehmen, die es gibt.” Besonders im unteren Drittel verändere sich die Gesellschaft im Moment stark. „Das Geld ist weniger wert, das merken diese Menschen besonders.” Um so wichtiger sei es gerade vor Weihnachten, auch an diese Menschen zu denken.

Was in diesem Jahr so alles in die Weihnachtskisten kommen könnte

Alles, was zu einem Weihnachtsessen gehört, sollte in die Kiste. Da sie aber einen Tag ungekühlt ist, bevor sie abgeholt wird, sollten keine verderblichen Lebensmittel wie Fleisch hinein. Viele Metzger bieten aber inzwischen Gutscheine an, mit denen die Kunden der Tafeln dann einkaufen können.

Die Aktion ist nicht nur eine nette Geste. Sie löst auch zwei zentrale Probleme: Zum einen liegt Weihnachten am Monatsende, da ist Geld bei den Tafel-Kunden meist knapp. Zum anderen liegen die typischen Zutaten für Weihnachtsessen noch in den Regalen der Geschäfte. Erst nach Weihnachten findet das, was noch übrig ist, den Weg zu den Tafeln.

Vor sechs Jahren wurde zum ersten Mal zum Packen von Kisten aufgerufen. Im vergangenen Jahr wurden in unserer Region 9130 Weihnachtskisten gepackt. Ein neuer Rekord.

Die Tafeln mit Weihnachtspäckchen-Aktion in der Region Aachen

Alsdorfer Tisch
St. Castor Haus
Im Brühl 1
52477 Alsdorf
(Annahme 21.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 22.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Baesweiler Tafel e.V.
Evangelisches Gemeindehaus
Emil-Mayrisch-Straße 48
52499 Baesweiler-Setterich
(Annahme 16.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Dürener Tafel e.V.
ARENA Kreis Düren
Nippesstraße 4
52349 Düren
(Annahme 21.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 22.12.2009, 10.00 - 16.00 Uhr)

Eschweiler Tafel e.V.
Jugendheim Peter und Paul
Peter-Paul-Straße
52249 Eschweiler
(Annahme 15.12.2009, 9.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 16.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Herzogenrather Tafel e.V.
Am Schürhof
Durchgang zwischen Kleikstraße 57 und 59
52134 Herzogenrath
(Annahme 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Würselener Tafel e.V.
Jugendheim der Pfarre St. Sebastian
Wilhelmstraße 7
52146 Würselen
(Annahme 16.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Jülicher Tafel e.V.
Düsseldorfer Straße 23,
ehm. Textilhaus Kurtz,
52428 Jülich
(Annahme 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Stolberger Tafel e.V.
Museum Zinkhütter Hof
Bernhard-Kuckelkorn-Platz (Cockerillstraße 90)
52222 Stolberg
(Annahme 16.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 17.12.2009, 10.00 - 16.00 Uhr)

Aachener Tafel e.V.
Clermontstraße 10
52066 Aachen
Adresse für die Aktion: Ballsaal des alten Kurhauses
(Annahme: 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 10.00 - 16.00 Uhr)

Gangelter Tafel
Evangelisches Gemeindezentrum
Lohausstraße 36
52538 Gangelt
(Annahme 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Geilenkirchener Tafel
Pfarrheim Kirche St. Josef
Im Gang
52511 Geilenkirchen
(Annahme 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Kaller Tafel e.V.
Ehem. Grundschule
Aachener Straße 51
53925 Kall
(Annahme 16.12.2009, 09.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 17.12.2009, 09.00 - 18.00 Uhr)

Übach-Palenberger Tafel e.V.
CMC - Carolus Magnus Centrum
Ehemalige Lohnhalle
Eingang Bistro
Carlstraße 50
52531 Übach-Palenberg
(Annahme 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Monschauer Tafel in Trägerschaft der Stolberger Tafel
Bürgerkasino
Trierer Straße 240
52156 Monschau-Imgenbroich
(Annahme 16.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr)

Wegberger Tafel e.V.
St. Peter und Paul
Rathausplatz 6
41844 Wegberg
(Annahme 17.12.2009, 10.00 - 18.00 Uhr, Ausgabe 18.12.2009, 13.00 - 18.00 Uhr)
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