Sylvia Löhrmann sieht die Flüchtlingskrise als Herausforderung

Von: Madeleine Gullert
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Sie setzt auf mehr Personal an Schulen: Ministerin Sylvia Löhrmann. Foto: dpa

Düsseldorf. Die steigende Flüchtlingszahl ist für die Schulen im Land eine Herausforderung. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) glaubt, dass Schulen die neuen Aufgabe gut bewältigen werden.

Frau Löhrmann, wegen der steigenden Flüchtlingszahlen haben Sie kurzfristig mehr Lehrer eingestellt. Ist NRW nun für die höhere Schülerzahl gewappnet?

Löhrmann: Wir haben aufgrund der aktualisierten Prognosen allein in diesem Jahr 3653 neue Stellen geschaffen, davon 2400 für den höheren Grundbedarf. Dies kommt allen in der Schule zugute. Hinzu kommen weitere 1200 Stellen für Deutsch als Zweitsprache, denn aufgrund der Zuwanderung gibt es einen speziellen und vermehrten Sprachförderbedarf. Und die Regierung hat für den Haushalt 2016 aktuell weitere 2113 Stellen vorgesehen, um allen Kindern gerecht zu werden.

Immer wieder werden neben mehr Lehrern auch mehr Schulpsychologen gefordert.

Löhrmann: Ja, wir brauchen mehr multiprofessionelle Teams, Sozialpädagogen, Psychologen und Sozialarbeiter. Und auch in dem Bereich schaffen wir zusätzliche Stellen. Da dies keine Landesaufgabe ist, möchten wir erreichen, dass sich die Kommunen daran beteiligen.

Was sagen Sie zu Forderungen von Elternverbänden nach einer Quote für Flüchtlinge in den Klassen?

Löhrmann: Das wäre nicht sachgerecht. Schülerinnen und Schüler sollen möglichst wohnortnah beschult werden. Die Verteilung wird vor Ort von der Schulaufsicht und den Kommunalen Integrationszentren gesteuert. Die Sprachförderung wird flexibel geregelt und ist nicht so statisch wie normale Schulklassen. Die Kinder lernen ja auch sehr viel voneinander.

Was heißt das?

Löhrmann: Die Kinder können teilweise direkt in ihren Klassen lernen, etwa in Musik oder Sport. Wenn die Klasse aber beispielsweise Deutsch hat, besuchen sie den Förderkurs, damit sie die Sprache schnell lernen und schrittweise komplett in die reguläre Klasse können. Das Prinzip der individuellen Förderung gilt auch hier – und zwar für alle Kinder. Reine Flüchtlingsklassen würden dem nicht entsprechen und dem Ziel der Integration zuwiderlaufen.

Haben Sie Angst, dass die Stimmung kippt?

Löhrmann: Wir tun gut daran, die große Hilfsbereitschaft und Annahme dieses Themas zu erhalten. Ja, es ist eine große Herausforderung, das stelle ich nicht in Abrede, und wir müssen Sorgen und Ängste ernst nehmen. Ich sehe aber, dass unsere Schulen sehr, sehr engagiert sind. Lehrer leisten hervorragende Arbeit und wollen den Kindern gerecht werden. Und ich höre oft, dass die Kinder hoch motiviert sind und viel zurückgeben.

Sie haben das Wort Herausforderung benutzt. Worin besteht die?

Löhrmann: Die große Schwierigkeit ist die Nicht-Planbarkeit und die Unterschiedlichkeit der Flüchtlingskinder. Manche waren noch nie in der Schule, andere können sehr viel, ihnen fehlen nur die Deutschkenntnisse. In Nordrhein-Westfalen haben wir durch unsere lange Erfahrung mit Zuwanderung strukturell eine sehr gute Ausgangslage. Wir wissen, wie wir mit Kindern mit Zuwanderungsgeschichte umgehen.

Wie bewerten Sie das Handeln der Bundesregierung angesichts der Flüchtlingskrise?

Löhrmann: Das Hü und Hott – insbesondere in der Union – ist unverantwortlich und hat in hohem Maße zur Verunsicherung beigetragen. Dreh- und Angelpunkt sind schnellere, geordnete und rechtsstaatliche Asylverfahren, damit die Menschen Klarheit haben – sowohl die, die hier bleiben als auch die, die nicht hierbleiben können. Vieles andere ist Symbolpolitik und aus meiner Sicht kontraproduktiv.

Sie haben in den 90er Jahren ganz nah den rechtsextremen Brandanschlag auf eine türkische Familie in Solingen miterlebt. Fühlen Sie sich heute manchmal an diese Zeit erinnert?

Löhrmann: Ich erlebe im Gegensatz zur damaligen Diskussion in der Zivilgesellschaft heute eine ganz große Hilfsbereitschaft und eine Willkommenskultur, die es damals so nicht gab. Ich appelliere an alle, diese weiter zu fördern. In NRW haben wir deshalb auch Maßnahmen entwickelt, um die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen zu stärken. Außerdem sind wir im Kampf gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus gefordert.

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