Suspendierter Schulrat: Personaldebatten statt Problemlösung im Landtag

Von: Marlon Gego
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Keine Angst vor einem Disziplinarverfahren: Günther Sonnen, Leiter des Aachener Couven-Gymnasiums. Foto: Andreas Steindl
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Da war es noch ruhig: Der Tag im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtages begann langsam – und endete nachmittags in einer emotionalen Auseinandersetzung über den Fall des suspendierten Aachener Schulrates Norbert Greuel. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. Die emotionale Debatte über den Fall des suspendierten Aachener Schulrates Norbert Greuel im nordrhein-westfälischen Landtag am Freitagnachmittag mag hohen Unterhaltungswert besessen haben, wann erlebt man schon einmal Politiker, die für kurze Zeit alle Diplomatie ablegen, alle guten Manieren?

Doch Monika Pieper (Piraten) wandte mit einigem Recht ein, dass angesichts der „vielen Probleme in der Schulpolitik“ für Diskussionen über Personalangelegenheiten eigentlich keine Zeit sei. Der Fall Greuel kommt zur Unzeit und hätte „mit mehr Fingerspitzengefühl“ gelöst und die langen Diskussionen so verhindert werden können, sagte Pieper. Sie gehört zu denen, die die Akten des Falles am Mittwoch eingesehen hatten.

„Katastrophale Auswirkungen“

Dass Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) den Fall trotzdem nicht los wird, hat damit zu tun, dass sie bislang offenbar keinen Versuch unternommen hat zu ergründen, was die Ursache für die Verängstigung ist, die unter den Lehrern in der Städteregion Aachen herrscht. Nach Aussagen von CDU und FDP herrscht diese Angst sogar an Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen. Doch auch in der Debatte am Freitag zog sich Löhrmann einmal mehr darauf zurück, niemals Maulkörbe verteilt zu haben.

Günther Sonnen ist Leiter des Aachener Couven-Gymnasiums und bislang der erste Lehrer, der explizit kein Problem damit hat, offen und nicht anonymisiert über den Fall Greuel zu sprechen. Sonnen (63) sagte diese Woche im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sich niemand darüber wundern dürfe, wenn das Vorgehen der Bezirksregierung Köln auch gestandene Lehrer einschüchtern würde. Nachdem 20 Leiter von Förderschulen in der Städteregion Aachen in einem Brief an die Bürgermeister der Städteregion geschrieben hatten, um auf die seit Jahren kritische Personalsituation an ihren Schulen aufmerksam zu machen, hatte die Bezirksregierung alle 20 zum Dienstgespräch nach Köln einbestellt. Sonnen sagt: „Für erfahrene Schulleiter kommt so eine Einbestellung einer Demütigung gleich“ und zeige, welchen Druck die Bezirksregierung als Obere Schulaufsicht auszuüben in der Lage sei.

„Konflikte sollten nicht formaljuristisch, sondern in einem Dialog gelöst werden“, sagte Sonnen. „Wir bringen Schülern Mediation und Konfliktlösungsstrategien bei, während die Bezirksregierung bürokratisch vorgeht wie im Obrigkeitssystem der Kaiserzeit“, sagte Sonnen. „Was gibt denn das für ein Vorbild ab?“ Die Bezirksregierung bleibe in ihrem Vorgehen „hinter dem zurück, was sie von Schulleitern und Lehrern verlangt“.

Was für Sonnen fast ebenso schwer wiegt wie eingeschüchterte Lehrer sind die „katas­trophalen Auswirkungen auf die Inklusionsbemühungen in der Region“, die die Suspendierung von Schulrat Greuel zur Folge habe. Wie immer man persönlich zu ihm stehe, er sei unbestritten der Motor der Inklusion gewesen, „gerade in dieser kritischen Phase“ reiße seine Suspendierung eine nicht zu schließende Lücke – „wegen eines Fehlverhaltens im Hinterzimmer der Bezirksregierung“. Die Bezirksregierung habe durch Greuels Suspendierung der Inklusion einen Schaden zugefügt, der für die Anstrengungen von Schulministerin Löhrmann „kontraproduktiv ist“.

Seine Kritik, sagte Sonnen, werde er der Leiterin der bei der Bezirksregierung zuständigen Abteilung 4, Gertrud Bergkämper-Marks, am Montag persönlich mitteilen. Angst vor einem Disziplinarverfahren hat er nicht. „Ich finde, dass man das Rückgrat haben muss, Kritik zu äußern, so bringe er es seinen Schülern bei“ – auch dann, wenn es Konsequenzen haben könnte.

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