Susanne Laschet nach Wahlsieg: „Der kann ganz schön böse sein"

Von: Thomas Thelen
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Auf den Hype nicht vorbereitet: Susanne Laschet. Foto: T. Thelen

Aachen. Nein, der Maibaum vor dem Haus der Laschets – ein stattlicher Birkenast garniert mit roten, weißen und blauen Krepppapierstreifen – war definitiv nicht für Eva bestimmt. „Als ich den Baum vor der Türe sah, habe ich sofort an meine Tochter gedacht. Für wen sollte der Baum auch sonst sein?“, sagt Susanne Laschet.

Ihr Mann Armin sei dann aber den ganzen Vormittag ein bisschen auffällig hinter ihr her gewackelt, was sonst so gar nicht seine Art sei. Und irgendwann habe er die Katze aus dem Sack gelassen . . .

Er selbst hatte ihr in der Nacht das gute Stück an die Tür gestellt. Nach 32 Jahren Ehe mal wieder ein Maibaum! Susanne Laschet findet das kein bisschen kitschig, sondern einfach nur schön. Überhaupt habe ihr Mann sich in den letzten Wochen sehr stark an die Familie gehalten, das sei ihr aufgefallen. „Ich habe gespürt, wie wichtig ihm die familiäre Basis ist. Egal, was passiert, die Familie ist immer für ihn da – und er für die Familie.“

Am Tag des großen Wahlsieges ist die Familie komplett versammelt. Susanne Laschet und die drei Kinder Eva, Julius und Johannes sind an der Seite von Armin Laschet, der in Düsseldorf den vorläufigen Höhepunkt seiner politischen Karriere erlebt. „Man kann sich auf eine solche Situation überhaupt nicht vorbereiten. Man hat natürlich eine Vorahnung, aber wenn es dann tatsächlich soweit ist, weiß man gar nicht mehr, was da gerade um einen herum passiert“, sagt Susanne Laschet am Tag nach der Wahl. Sie sitzt in Aachen-Burtscheid im Wohnzimmer ihres Hauses und scheint erst langsam zu realisieren, was passiert ist.

„Das ist ein unheimlicher Hype, mit dem ich hätte rechnen müssen, mit dem ich aber nicht gerechnet habe.“ Eine Woche vor der Wahl sei sie wahnsinnig nervös gewesen, als sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnete. „Das war nervlich schwer zu ertragen.“ Und ein bisschen Sorgen habe sie sich schon um ihren Mann gemacht: „Oft genug hat er in der vergangenen Wochen nur vier Stunden geschlafen. Da passiert schon viel, das steckt man nicht so einfach weg.“

Doch es ist nicht so, als hätte Susanne Laschet solche Situationen nicht schon häufiger erlebt. Über das Auf und Ab im Leben eines Politikers, das schließlich auch das Auf und Ab seiner Frau ist, muss ihr niemand was erzählen. Der Triumph für ihren Mann weckt mit Blick auf Hannelore Kraft durchaus Mitgefühl: „Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man in der Politik verliert; und sei es auch nur als Ehefrau eines Politikers. Ich weiß, wie schrecklich es ist, wenn man auf die Schnauze fällt und alle gucken einem dabei zu.“

Dass sie jetzt in eine neue Rolle schlüpfen muss, ist ihr sehr bewusst. Und sie hat auch kein Problem damit. „Ich habe schließlich Ja gesagt, also darf ich mich auch nicht beschweren.“ Allerdings habe sie keinen Plan, weil sie einfach noch nicht wisse, wie sie die Rolle ausfüllen will. Landesmutter? First Lady? „Um Gottes Willen, bitte nicht!“

Susanne Laschet will die Frau sein, die ihren Mann zu hundert Prozent unterstützt und doch auch sie selbst bleibt. „Als Hündchen, das brav hinterherläuft, tauge ich ganz sicher nicht. Hauptsache die Frisur sitzt und die Nägel sind lackiert – das ist nicht meins.“ Wahrscheinlich, mutmaßt sie, sei sie eine der wenigen Frauen, die beim Friseur sitzen und kein Boulevardblatt, sondern ein gutes Buch lesen.

Sie scheut das Rampenlicht nicht und ist immer wieder öffentlich aufgetreten, sei es in Vertretung ihres Mannes oder als gelernte Buchhändlerin, die Bücher vorstellt und Lesetipps gibt. „Es ist keineswegs so, dass ich unbedingt im Mittelpunkt stehen will“, sagt die 55-Jährige. „Ich sage aber auch ganz ehrlich: Ich winke manchmal ganz gerne vom Balkon.“ Da kommt was auf sie zu. „Ich finde es ein bisschen ungerecht, dass die Gesellschaft erwartet, dass die Ehefrau eines Politikers öffentlich auftritt, aber der Ehemann einer Politikerin nicht.“

Dass sie künftig für die Dinge, die ihr persönlich wichtig sind, möglicherweise weniger Zeit haben könnte, macht Susanne Laschet keine Sorgen. Für sie ist klar, dass sie ihr ehrenamtliches Engagement beim „Café Plattform“, einem Treffpunkt für Wohnungslose, die seit langer Zeit auf der Straße leben, und in der Hospizstiftung Haus Hörn mit vollem Einsatz weiter betreiben werde. „Die Menschen sind mir einfach viel zu wichtig, da gibt es für mich kein Nachlassen.“ Und weniger Bücher werde sie ganz sicherlich auch nicht lesen; bei dem Thema kennt Susanne Laschet keinen Spaß: „Das ist mein Hobby, meine Liebe, und mein Beruf. Wenn ich die Bücher nicht mehr hätte, dann würde ich hinwelken wie ein Pflänzchen.“

Womit wir noch einmal bei der Birke sind, die an der Eingangstüre steht. Irgendwer muss das gute Stück demnächst entsorgen. Ob der Ministerpräsident von NRW noch die Zeit dazu findet? „Es ist ja nicht so, als ob er in den vergangenen 20 Jahren übermäßig viel Zeit gehabt hätte für solche Dinge. Ich glaube, dass er als Ministerpräsident zeitlich gar nicht mehr gefordert sein kann, als es eh schon der Fall war“, meint Susanne Laschet. Wer den Baum entsorge, sei aber gar nicht entscheidend. Dass er plötzlich da gestanden habe, das schon. Gut möglich, dass ihm die Tatsache, dass die Maibaumgeschichte nun den Weg in die Öffentlichkeit findet, gar nicht so recht sei, mutmaßt Susanne Laschet.

Doch Tochter Eva, die neben ihr sitzt, besteht darauf, dass sie erzählt wird. Irgendwie zeige das mal eine Seite ihres Vaters, die man so nicht kenne. Klingt wieder nach dem liebenswerten Armin Laschet, der so gar nicht böse sein kann, was ihm seine politischen Kritiker gerne vorwerfen. „Der kann ganz schön böse sein. Und ganz schön laut“, sagt Susanne Laschet. Oft komme das nicht vor. „Wir lassen ihn dann einfach mal ein bisschen schimpfen. Und gut ist.“

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