SuperC: Im Sommer wird gelüftet

Von: Axel Borrenkott
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Schräge Rückwand: Konstruktionsbedingt können die SuperC-Fenster nur gekippt werden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Leitung der RWTH nimmt das Problem, das ihr das SuperC bereitet, offensichtlich sehr ernst. Mit der erstaunlichen Anzahl von sieben Personen erschien sie am Mittwoch zu einem von dieser Zeitung erbetenen Gespräch zur Luftbelastung des spektakulären Neubaus.

Fazit: „In drei Monaten hat sich das Problem erledigt.” Dann könne man wieder ausreichend für Durchzug sorgen, weil der Baulärm nebenan dann aufhöre. Ob man dieses architektonische Schmuckstück überhaupt ausreichend lüften kann, ist allerdings offen. Die Fenster kann man nämlich nur kippen.

Mitarbeiter, die sich - anonym - in der Redaktion melden, haben daran jedenfalls ihre Zweifel. „Es gibt viel zu wenig Lüftungsmöglichkeiten”, schreibt einer. „Wir können doch gar nicht richtig lüften, weil man die Fenster nur kippen kann”, sagt eine andere am Telefon. Sie beklagt sich darüber, „jeden Tag mit einem Brummschädel” von der Arbeit zu kommen, und dass es „überall so einen merkwürdigen Geruch” gebe. Der ganze Bau sei - so toll das ja von außen mit der Glasfassade aussehe - innendrin „so was wie ein Bunker”.

Nun ist es die eine Frage, wie man anonyme Informanten wertet, und für wie viele Kollegen sie sprechen. Andererseits hatte die Hochschule selbst tags zuvor von sich aus mitgeteilt, dass eine Reihe von Mitarbeitern im SuperC offenbar aufgrund von Ausdünstungen aus Baustoffen oder Möbeln unter Beschwerden wie „Augenbrennen, Reizungen der Haut und der Atemwege” leide.

Wie der Hochschularzt Dieter Preim am Mittwoch näher erläuterte, hatte sich bereits im Januar eine Beschäftigte mit solchen Beschwerden bei ihm vorgestellt. Daraufhin habe es eine Begehung der Räume gegeben. Seit Mitte März habe man dann die Schadstoffwerte in der Luft gemessen. Von den 16 betroffenen Mitarbeitern - bei rund 80 Beschäftigten - seien überhaupt nur zwei beim Arzt erschienen.

Die Ergebnisse aller Messungen, erklärte Baudezernentin Gabriele Golubowitsch, werden in etwa zehn Tagen vorliegen. Zurzeit habe man den Verdacht, dass die Ausdünstungen in erster Linie aus Holzverkleidungen, Akustikpaneelen, eventuell von den Türen sowie vom Kleber der Doppelböden herrühren. Was die auch noch nicht beantwortete Frage aufwirft, warum heutzutage Holzelemente noch derart ausdünsten dürfen.

„Die plausibelste Erklärung bis jetzt ist, dass die Effekte sich summiert haben. In Neubauten gibt es anfangs oft ähnliche Beschwerden. Das erledigt sich in aller Regel mit dem Lüften”, so Peter Peters, der den Bau betreut hat. Das Lüften also. „Man könnte ausreichend lüften”, bekräftigt Golubowitsch, „wenn dieser Lärm vom Neubau des Hörsaales hinter dem SuperC nicht wäre. Diese Belastung ist schon erheblich für die Mitarbeiter.” Aber auch wegen des Publikumsverkehrs - das Haus ist Anlaufstelle für studentische Angelegenheiten - könne man nur bedingt die Fenster öffnen. Den Mitarbeitern soll am Donnerstag vorgeschlagen werden, häufiger Pausen zu machen, Luftwäscher aufzustellen und außerhalb der Arbeitszeiten lüften.

Dass auch sonst eine Reihe von Nachbesserungen bei dem etwas vorzeitig bezogenen Bau nötig waren und sind, wird nicht verhohlen. Das sei aber normal. Peters: Der Bauunternehmer hatte wohl ein Problem, Unterlagen für die Abnahme zeitgerecht zur Verfügung zu stellen. Bei einem solchen Bau sei die „Übergabe schon etwas aufwendiger”, so Kanzler Manfred Nettekoven. „Wir sehen uns in unserer Funktion als Mieter”, ergänzt Golubowitsch, zu solchen Problemen müsse man den Bauherrn fragen, den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB).

Den haben wir gefragt, dessen Sprecher Bernd Klass sagt: „Der BLB hat den Bau an die TH übergeben. Es gibt kein Problem mit dem Bauunternehmer.” Und warum kann man die Fenster nur kippen? „Das ließ sich konstruktiv nicht anders lösen.” Das SuperC ist eben ein bisschen schräg.
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