Süssmuth in Aachen: Bundesfonds für Ehrenamtler?

Von: Sarah Thelen
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Aachen. Das Ehrenamt hat Hochkonjunktur in Deutschland. Jeder dritte Deutsche, der älter als 14 Jahre ist, ist ehrenamtlich aktiv. Bei den 40- bis 55-Jährigen engagieren sich sogar mehr als 40 Prozent bürgerschaftlich - das hat der dritte Freiwilligenbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergeben.

„So viele Ehrenamtler leisten so viel. Doch die Politik zieht daraus keine Konsequenzen”, kritisierte Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. am Dienstag auf einer Tagung in Aachen, zu der Bürgerstiftung Lebensraum, Katholische Hochschule NRW Abteilung Aachen (Katho) und das Freiwilligenzentrum der Caritas eingeladen hatten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur dieser Zeitung.

Insgesamt erbringen Ehrenamtliche in Deutschland volkswirtschaftliche Leistungen mit einem Gegenwert von rund 35 Milliarden Euro. Hinsichtlich dieser Zahlen forderte Süssmuth in Aachen eine höhere Wertschätzung des Ehrenamts seitens Politik und Gesellschaft.

Ehrenamtliche Tätigkeit solle, so die CDU-Politikerin, etwa bei Rentenzahlungen anerkannt und steuerlich geltend gemacht werden können.

Damit nicht ausschließlich der Besserverdiener ein Ehrenamt ausüben könne, der „schon Geld ins Amt mitbringe”, befürwortet Süssmuth außerdem die Einführung einer Aufwandsentschädigung für Freiwilligendienste über einen Sonderetat der Bundesregierung. Dies sei wichtig, damit das Ehrenamt nicht als „billige Patentlösung für die gemachte soziale Schieflage” missbraucht würde, mahnte Professor Marianne Genenger-Stricker, Dekanin der Katho Aachen.

Süssmuth geht trotz des Wegfalls von Wehrpflicht und Zivildienst davon aus, dass die Bereitschaft, einen Freiwilligendienst auszuüben, in den kommenden Jahren ansteigen wird, vor allem bei den über 65-Jährigen. „Die Menschen suchen Sinn und Erfüllung in dem, was sie tun. Und das wird nicht aufhören, weil es den Pflichtdienst nicht mehr gibt oder weil jemand nicht mehr in seinem Beruf arbeitet.”

Befürchtungen, dass durch das Ehrenamt Vollzeitarbeitsplätze ersetzt würden, wies die frühere Bundestagspräsidentin zurück: „Die Ehrenamtler können die Hauptamtler nicht ersetzen. Aber beide können von der Zusammenarbeit und den unterschiedlichen Erfahrungswerten profitieren.”

Sie schlug vor, die Ehrenamtler über Bürgergremien stärker an politischen Entscheidungen teilhaben zu lassen, da sie häufig am besten wüssten, wo Geld sinnvoll eingesetzt werden könne. „Wer spürt, dass er aktiv etwas verändert, der engagiert sich auch gerne weiter. Außerdem fängt vor Ort, nämlich in den Vereinen, in den Kommunen und bei jedem einzelnen Menschen an, was die Gesellschaft als solche lebenswerter machen kann: Menschlichkeit”, sagte Süssmuth.

180 Ehrenamtler aus der Region diskutierten auf der Tagung Rolle und Stellenwert des bürgerschaftlichen Engagements in der Gesellschaft. „Wir sind überaus glücklich über diese positive Resonanz und hoffen, unsere Netzwerke dadurch zu stärken”, freute sich Brigitte Erm, Vorsitzende der Bürgerstiftung Lebensraum.
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