Süß und lecker: Wie viel Zucker darf‘s denn sein?

Von: MCD
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Würfelzucker auf dem Aachener Katschhof: Dieses Symbolbild entstand mitten in einer Stadt, deren Süßwarenindustrie mit renommierten Marken international vertreten ist. Foto: MCD
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Karl-Heinz Johnen ist Geschäftsführer der Aachener Zentis GmbH & Co. KG. Foto: Zentis
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Hermann Bühlbecker ist Inhaber der Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz. Foto: Lambertz
Lechner
Adalbert Lechner ist Geschäftsführer der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli in Aachen. Foto: Lindt

Aachen. Er ist beliebt und macht Menschen auf der ganzen Welt glücklich. Mit 387 Kilokalorien auf 100 Gramm ist er als Energielieferant aus fast keiner Mahlzeit wegzudenken. Ob im Sommer ein Eis oder im Winter eine klassische Printe, auch die Aachener, Heinsberger oder Alsdorfer kommen um die süße Verführung nicht herum.

Umstrittener ist kaum ein Lebensmittel – für Gegner ist er Gift, macht dick und krank. Industriezucker, auch weißer Kristallzucker, wird schon lange thematisiert, doch welchen Ruf hat er in unserer Region und in der „süßen Stadt“ Aachen?

„Im Zucker sind Kohlenhydrate und diese sind für den Menschen ein wesentlicher Bestandteil der Nahrung und ein lebenswichtiger Energielieferant“, sagt Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker. Nur wenige befürworten solche positiven Eigenschaften des Zuckers. Dies verdeutlicht das Ergebnis einer themenbezogenen Online-Umfrage, bei der nur 4,1 Prozent der Teilnehmer die Frage „Welche Meinung haben Sie generell über Industriezucker?“ mit „Gut“ beantworten.

Verglichen mit den eigenen Angaben zum täglichen Konsum, treten unterdessen Unstimmigkeiten auf. Ein Großteil der Befragten liegt mit durchschnittlich 200 Gramm konsumiertem Industriezucker acht Mal über dem empfohlenen Wert. So rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht mehr als fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs mit Zucker zu sich zu nehmen. Erst kürzlich korrigierte sie den Richtwert von ehemals zehn auf die heute empfohlenen fünf Prozent. Geht man von einem Grundumsatz von 2000 Kilokalorien aus, so entspricht dies nun nur noch 25 Gramm Zucker anstatt 50 Gramm Zucker pro Tag.

Beliebte Produkte

Nicht nur uns können sechs Teelöffel Zucker genug Power für den Tag geben. Auch in der Aachener Süßwarenindustrie ist er die treibende Kraft, die den Produkten zur Beliebtheit verhilft. Er verleiht den verschiedensten Erzeugnissen ihre typischen Charakteristika.

„Die Hauptfunktion des Zuckers ist das Süßen von Speisen. Darüber hinaus hat Zucker vielfältige weitere Funktionen in Lebensmitteln. So dient Zucker zur Abrundung des Geschmacks, zum Beispiel, um sauren oder bitteren Geschmack auszugleichen. Zudem unterstützt Zucker bereits in geringen Mengen den Geschmack von natürlicherweise enthaltenen Aromen in Lebensmitteln“, bekräftigt Adalbert Lechner, der Geschäftsführer von Lindt & Sprüngli.

Durch Zucker werde das originale Geschmackserlebnis gesichert, so Karl-Heinz Johnen, Geschäftsführer von Zentis: „Zucker spielte und spielt eine wichtige Rolle: seine ganz speziellen Eigenschaften im Produktionsprozess und seine unschlagbare Genusskomponente. Neben seiner haltbar machenden Wirkung verleiht Zucker einer Konfitüre ihren besonders fein-fruchtigen Geschmack und die fein glänzende Textur.“ Hermann Bühlbecker betont darüber hinaus: „Zucker spielt eine sehr große Rolle beim Back- und dem daraus resultierendem Bräunungsverhalten.“

Die immer größer werdende Anzahl an Konsumenten, die sich für eine gesunde Ernährung entscheidet, priorisiert beim Kauf jedoch gesündere Alternativen und vernachlässigt dabei den originalen Genuss. Auch die Firmen haben ein verändertes Kaufverhalten festgestellt. „Verbraucher sind gesundheits- und ernährungsbewusster geworden. Das liegt auch an der verstärkten Aufklärungsarbeit durch die Medien“, erklärt Karl-Heinz Johnen. „Sie hinterfragen stärker die Zutaten und studieren genau den Zuckergehalt ihrer Lebensmittel. Und so greifen Konsumenten wieder eher zu einem Naturjoghurt und verfeinern ihn selbst mit Konfitüren oder frischem Obst, statt einen Fruchtjoghurt zu kaufen.“ Hermann Bühlbecker bestätigt die bewusst dahingehende Ausrichtung der Ernährung der Konsumenten.

Ist in Folge dieser Entwicklung Industriezucker überhaupt noch zeitgemäß? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass einzelne Nährstoffe wie zum Beispiel Zucker für die Entstehung von Übergewicht und nicht übertragbaren Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 verantwortlich sind. Vielmehr ist der Gesamt-Zuckergehalt von Lebensmitteln und Getränken entscheidend, der inzwischen im Rahmen der Nährwertkennzeichnung transparent in der Nährwerttabelle angegeben wird und dem Konsumenten die Möglichkeit bietet, eine eigenverantwortliche Entscheidung zu treffen“, stellt Hermann Bühlbecker fest.

Vorgaben des Gesetzgebers

Und Karl-Heinz Johnen fügt hinzu: „Auf allen unseren Produkten ist transparent deklariert, wie viel Zucker im Produkt enthalten ist. Verbraucher können sich sowohl auf der Verpackung selbst, als auch auf unserer Website über die Nährwerte der verschiedenen Produkte informieren.“ Die Unternehmen sind nicht nur dazu verpflichtet, ihre Nährwerte transparent zu machen, sondern sind zusätzlich an Vorgaben gebunden. Der Gesetzgeber gibt beispielsweise vor, „wie hoch die Mindestmenge an Zucker in den verschiedensten Produkten sein darf “, betont die Firma Zentis.

Trotz dieser aktuellen Marktentwicklung scheinen die Aachener Schleckermäuler zu sein. Nur 18,5 Prozent der Befragten der Online-Umfrage achten in ihrer täglichen Ernährung auf den Konsum von Industriezucker. Trotzdem haben Produkte mit Süßungsalternativen den Sprung in die Supermärkte geschafft. Sie füllen ganze Regale, haben ihren Platz auf der Speisekarte gefunden und es gibt bereits einige Cafés, die sich ausschließlich auf sie spezialisieren.

Mit Blick auf die Umfrage zeigt sich, dass mehr als ein Drittel regelmäßig Produkte mit Zuckerersatzstoffen konsumiert. Rund 70 Prozent sind sogar bereit, für Alternativen tiefer in die Tasche zu greifen. Die Firmen reagieren zunächst abwehrend auf die Frage, ob Zucker überhaupt noch wettbewerbsfähig sei. „Im deutschen Schokoladenmarkt spielen“, so Adalbert Lechner, „zuckerfreie oder alternative Süßungsmittel keine allzu große Rolle.“

Andere Eigenschaften

Auch die anderen Süßwarenunternehmer sehen keine Notwendigkeit, Zucker aus den Produkten zu streichen. „Es ist sicherlich richtig, dass das Angebot an zuckerfreien Süßwaren in zunehmendem Maße gestiegen ist. Diese Zunahme ist allerdings mehr in dem Bereich von Bonbons, Gummibären, Fruchtgummis und ähnlichen Produkten sowie in Konfitüren und Getränken zu verzeichnen. Hier sind die Möglichkeiten, alternative Zuckerarten und insbesondere Süßungsmittel einzusetzen weitaus größer als im Backwarenbereich“, so Hermann Bühlbecker.

Und doch hat Lambertz als Reaktion auf diese Entwicklung „eine alternative Produktgruppe entwickelt und etabliert“. Auch Zentis „reagiert nicht nur darauf, sondern setzt sie schon seit vielen Jahren ein. Für den Bereich Fruchtzubereitungen testen wir jede mögliche Süßungsmittelalternative“, erläutert Karl-Heinz Johnen.

Der Einsatz von alternativen Süßungsmitteln ist jedoch nicht ganz unproblematisch, da „negative Effekte von bestimmten Süßungsmitteln darin bestehen, dass sie bei übermäßigem Verzehr abführend wirken und einen unerwünschten Nebengeschmack aufweisen können“, erklärt Lindt.

„Alternativen Zuckerarten und Süßungsmittel verleihen den damit hergestellten Produkten andere sensorische Eigenschaften. So kann es zu Konsistenz- und Volumenveränderungen der Gebäcke kommen, die so nicht gewünscht sind. Hinzu kommt, dass die Zugabe von alternativen Süßungsmitteln in Backwaren vom Gesetzgeber entweder nicht zugelassen ist (zum Beispiel Stevia) oder aber mengenmäßig begrenzt wird“, unterstreicht auch die Firma Lambertz die kritische Entscheidung.

„Alternative Süßungsmittel sorgen ganz einfach für einen anderen Geschmack, eine andere Textur und können nicht für jedes Produkt eingesetzt werden“, sagt Karl-Heinz Johnen. „Auch andere Zuckerarten und Süßungsmittel werden von wissenschaftlicher Seite durchaus unterschiedlich bewertet und somit kritisch gesehen.“

Auch die Konsumenten stehen vor einer neuen Herausforderung. Sie müssen aus einer Fülle von Produkten, die so groß ist wie nie zuvor, wählen. Somit entscheiden wir als Endverbraucher über den Erfolg und die Etablierung alternativer Süßungsmittel, erkennt auch die Industrie.

Wenn ich mir etwas gönne...

Um die Variante zu finden, die zu unserem Lebensstil passt und unseren Geschmack trifft, müssen wir uns dabei zuvor bewusst mit der Thematik auseinandersetzen. Hierbei ist nicht zu vergessen, dass Ernährungsbewusstsein nicht gleich Verzicht bedeuten muss – das Maß ist ausschlaggebend. „Bei den von uns hergestellten Produkten handelt es sich um ‚Genussartikel‘, die man bewusst konsumiert und die nicht den täglichen Grundnahrungsmitteln zuzurechnen sind“, so Hermann Bühlbecker.

Lindt äußert die wohl auch bei den Verbrauchern am meisten verbreitete Meinung: „Es kommt primär auf ‚besten‘ Geschmack an im Sinne von ‚wenn ich mir etwas gönne, dann soll es auch richtig gut sein‘.“ Denn Genussprodukte wie Eis, Printe und Co. versüßen uns den Alltag.

Autorinnen dieses Artikels sind Lilly Jansen, Anna-Lena Scholz, Celina Gonzalez und Hannah Georg. Sie studieren Media and Communications for Digital Business an der FH Aachen.

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