Suche nach Vermisstem: Kölner Feuerwehr „vorsichtig optimistisch”

Von: dpa
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Feuerwehrmänner haben unter den Trümmern des Stadt-Archivs eine zweite Leiche gefunden. Foto: dpa

Köln. Die Kölner Feuerwehr ist „vorsichtig optimistisch”, den letzten Vermissten an der Einsturzstelle des Stadtarchivs bald zu finden. „Wir vermuten mal, dass wir ihn in 24 bis 48 Stunden gefunden haben”, sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstag.

Hintergrund sei, dass die Spürhunde an einer bestimmten Stelle angeschlagen hätten. „Das bestätigt uns darin, vielleicht haben wir Glück.”

Im schlimmsten Fall könne es aber auch noch Wochen dauern, bis der 24 Jahre alte Khalil G. gefunden werde. „Wenn er durch den Sog tief in die Baugrube gezogen worden ist, dann ist das denkbar”, sagte der Sprecher. Es wird vermutet, dass sich Khalil G. in einem zusammen mit dem Archivgebäude eingestürzten Wohnhaus befand. Am Sonntag war bereits ein 17-jähriger Bewohner tot aus den Trümmern geborgen worden.

Der Einsturz geht vermutlich auf den unmittelbar benachbarten U- Bahn-Bau zurück. Der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske, sagte jedoch am Mittwochabend bei einer Sondersitzung des Stadtrats, es sei noch keineswegs sicher, wer an dem Unglück schuld sei. Er bestritt, dass den KVB seit längerem Grundwasser-Probleme in der Baugrube neben dem Archiv bekanntgewesen seien. KVB-Beschäftigte würden zurzeit übel beschimpft und für den Einsturz verantwortlich gemacht, beklagte er.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Börschel versicherte im Stadtrat: „Wir werden nicht zulassen, dass die Frage nach der Verantwortlichkeit im Nirwana entschwindet.” Er wies auch darauf hin, dass der Einsturz fatale Folgen für das Ansehen Kölns habe: „Wir müssen nachdrücklich dem Eindruck entgegentreten, Köln sei auf dem Weg zur rheinischen Bananenrepublik.” Außerhalb der Stadt frage man sich: „Ist die 2000 Jahre alte Kulturstadt Köln heute nicht mehr in der Lage, eine Großbaustelle in ihrem Herzen zu stemmen?”

Die Feuerwehr baute am Donnerstag auch weiter an einem Schutzdach über der Einsturzstelle. Damit sollen die in den Trümmern liegenden Archivdokumente vor Regen geschützt werden. Das Historische Stadtarchiv Kölns galt als das bedeutendste in ganz Deutschland.

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