Suche nach neuem Bischof hat begonnen

Von: Claudia Schweda
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„Kontinuität“: Das wünscht sich Dompropst Manfred von Holtum für das Bistum auch unter einem neuen Bischof. Foto: Michael Jaspers
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Das sagte er am Donnerstag bei einem Gespräch in unserer Redaktion. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die ersten Schritte zur Findung eines Nachfolgers für Bischof Heinrich Mussinghoff sind bereits getan. „Wichtig ist, dass wir jetzt unsere Hausaufgaben machen, damit wir später schnell handeln können“, sagte Dompropst Manfred von Holtum am Donnerstag bei einem Besuch in unserer Redaktion.

Bischof Mussinghoff wird am 29. Oktober 75. Er hat bereits angekündigt, dann zeitnah sein Rücktrittsgesuch beim Papst einzureichen. Von Holtum geht davon aus, dass das im November sein könnte, damit Mussinghoff beim Besuch der deutschen Bischöfe beim Papst, der auf Mitte November verschoben wurde, noch dabei sein kann.

Nimmt der Papst das Rücktrittsgesuch an, „wollen wir relativ schnell handeln können“, sagte von Holtum. Er steht als Dompropst dem Domkapitel vor, das im Bistum der entscheidende Handelnde im Verfahren der Nachfolgeregelung ist. Zunächst muss dort innerhalb von acht Tagen ein Diözesanadminis­trator gewählt werden, der bis zur Ernennung des neuen Bischofs die Diözese leitet. Dann beginnt der wichtigste Part: Das Domkapitel muss die drei Namen derjenigen auswählen, die als Kandidaten für das Bischofsamt an den Apostolischen Nuntius, den Ständigen Vertreter des Papstes in Deutschland, geschickt werden.

Wunsch: Bischof aus dem Bistum

In Aachen will man diese drei Namen anhand von fünf Kriterien auswählen. Auf der Suche nach diesen Kriterien will das Domkapitel erstmals gezielt die Öffentlichkeit einbeziehen. Wir haben vom Erzbistum Köln gelernt“, sagte von Holtum. Dort wurde im vorigen Jahr ein Nachfolger des Erzbischofs gesucht und in Kardinal Rainer Woelki gefunden. Dort hatte der damalige Dompropst Norbert Feldhoff alle Katholiken im Erzbistum dazu aufgerufen, Vorschläge einzureichen. In Aachen will das Domkapitel eine Gruppe von Vertretern des öffentlichen Lebens gezielt befragen, welche Kriterien in ihren Augen der neue Bischof im Bistum Aachen erfüllen müsse. In von Holtums Augen ist das wichtigste Kriterium „Kontinuität“. „Die vergangenen drei Bischöfe haben das Bistum auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils geführt.“ Es gebe etwa eine große Vielfalt in den Gemeindeleitungen. Von Holtum wünscht sich, dass diese Haltung bewahrt wird.

Der Dompropst weiß, dass es auch Vorschläge von außen geben wird, die das Domkapitel unaufgefordert erreichen werden. Fest steht aber auch, dass die Diözesangremien um eigenen Vorschläge gebeten werden. „Es wird ein breites Spektrum an Nennungen geben“, sagte von Holtum. Er selbst hat noch keinen Favoriten, „aber ich habe Namen, die ich mir nicht vorstellen kann“. Zudem fände er es „durchaus angemessen, wenn wir wieder einmal einen Bischof aus unserem eigenen Bistum bekämen“. Spekuliert werden könnte also über die beiden derzeitigen Weihbischöfe Johannes Bündgens (Eschweiler, 59) und Karl Borsch (Krefeld, 55). Aber auch der neue Generalvikar Andreas Frick (geboren in Aachen, aufgewachsen in Stolberg) könnte demnach auf der Liste stehen. Zudem erfüllt er mit gerade 51 Jahren einen Herzenswunsch von Bischof Mussinghoff: „Es müssen junge Leute in die Bischofsleitung rein.“ Auf Frick angesprochen, sagte von Holtum: „Es gibt Generalvikare, die Bischof geworden sind. Aber noch nie im eigenen Bistum.“

Das Domkapitel jedenfalls möchte sich unnötige Überraschungen ersparen, wenn die Liste der Namen am Ende aus Rom zurückkommt. Deswegen sei man bemüht, schon vorher mit dem Apostolischen Nuntius zu sprechen, um die besondere Situation im Bistum darzulegen und für die gewünschte Kontinuität zu sorgen.

Nuntius ist derzeit Nikola Eterovi. Nachdem das Domkapitel ihm seine drei Namen geschickt hat, holt er Informationen über die Genannten ein, ergänzt die Liste gegebenenfalls um Kandidaten, die andere deutsche Bischöfe ihm unterbreitet haben, und schickt die erweiterte und von ihm gewichtete Liste nach Rom. Der Papst sucht dann drei Kandidaten aus, die sich an der Liste des Nuntius orientieren können, aber nicht müssen, und schickt sie zurück ans Aachener Domkapitel. Das Domkapitel, das aus elf Domkapitularen und dem Dompropst besteht (wobei derzeit eine Stelle vakant ist), wählt aus diesen drei Vorschlägen dann den Bischof. Nimmt der Gewählte die Wahl an, steht der neue Bischof fest. „Wir gehen davon aus, dass wir in der ersten Jahreshälfte des kommenden Jahres fündig geworden sind“, sagte von Holtum.

Seit einem halben Jahr ist er als Dompropst im Amt. Und die Liebe zum Dom ist ihm anzuhören. „Abends, wenn die Besucherströme verschwunden sind, schleiche ich mich in den Dom und genieße die Stille“, sagte er. Sorge bereitet ihm, dass die Balance zwischen dem Dom als Touristenattraktion und seiner Funktion als liturgischem Ort immer schwerer zu halten ist. Und mit Missfallen nimmt er das Verhalten mancher Dombesucher zur Kenntnis. Bei kurzen Hosen würde er ja noch Toleranz walten lassen, „aber manche wollen mit ihrem Hund rein“. Selbst sein Hund Alkuin müsse draußen bleiben. Nur bis zum Quadrum hinter der Domschatzkammer darf er mit. Dann ist Schluss.

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