Aachen - Studie der Katho Aachen: Die Kleinen kommen in der Kita zu kurz

Studie der Katho Aachen: Die Kleinen kommen in der Kita zu kurz

Von: Angela Delonge
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Kita Bertelsmann
In den wenigsten Kitas werde nach wissenschaftlich fundierten Konzepten, sondern eher intuitiv gearbeitet, so die Studie. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Aachen. Vieles ist gut, aber einiges muss noch besser werden. Das ist das Ergebnis einer Fragebogenstudie der Katholischen Hochschule in Aachen (Katho) zur Betreuungspraxis für unter Dreijährige in deutschen Kindergärten und Kitas. Deutschlandweit waren rund 500 pädagogische Fachkräfte zwischen Herbst 2015 und Frühjahr 2016 befragt worden – die Antworten ließen die Wissenschaftler aufhorchen.

Vor allem eine Aussage fiel auf: Mehr als die Hälfte der befragten Erzieherinnen hatte Bedenken, ihr eigenes unter dreijähriges Kind unter den aktuellen Bedingungen in einer Kita betreuen zu lassen. 13 Prozent würden für ihr eigenes Kind die Betreuung durch eine Tagesmutter bevorzugen.

Die Zahlen werfen kein gutes Licht auf die Betreuung der Kleinen in Kitas, vor allem „weil die Wissensbasis so deutlich ist“, wie Katho-Dekanin Ute Antonia Lammel am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie anmerkte: „Die ersten drei Lebensjahre sind die wichtigsten im Leben eines Menschen, was die emotionale und kognitive Entwicklung angeht.“

Für Johannes Jungbauer als Leiter der Befragung steht fest: „Die Qualität der U3-Betreuung in den Kitas muss besser werden.“ Damit liegt der Professor für Entwicklungs- und Familienpsychologie an der Katho Aachen auf einer Linie mit den Ergebnissen anderer Studien, von denen es wenige gibt.

Wie seine Kollegen sieht auch Jungbauer die größten Defizite bei der personellen Ausstattung der Kindergärten und Kitas. Dadurch fehle es an Zeit für die notwendige, intensive Beschäftigung mit den Kleinkindern, aber auch für die Arbeit drum herum wie Elterngespräche, Dokumentation oder Fortbildungen. Die Gruppen seien zu groß, es gebe zu wenig Erzieher pro Kind.

Jungbauers Blick richtet sich auf die „Beziehungskonstanz“, die besagt, dass kleine Kinder den ganzen Tag mit vertrauten Personen zu tun haben sollten. „Die intensive Beziehung zur Betreuungsperson ist wichtiger als alles andere“, sagt der Wissenschaftlicher, aber von solchen Empfehlungen zur Betreuungssituation der ganz Kleinen sei man „noch weit weg“.

Für die Katho-Studie wurden erstmals Fachkräfte befragt, die den Alltag vor Ort gut kennen. Da über die Hälfte der Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen kamen, bilden die Ergebnisse auch ein Bild der Situation im Land ab. So wurden zum Beispiel die räumliche und materielle Ausstattung der Einrichtungen von 85 Prozent der Befragten positiv beurteilt. Gleichzeitig bemängelte die Hälfte davon wiederum, dass die Ausstattung nicht dem eigentlichen Bedarf entspreche. Das heißt, Schlafräume oder Waschbecken für die Kleinen sind zu weit vom Gruppenraum entfernt, es gibt zu wenige Wickeltische.

Was ebenfalls gut läuft, ist die Kooperation mit den Eltern. 90 Prozent der Befragten finden Elterngespräche wichtig, 82 Prozent gaben an, dass es in ihrer Kita „echte“ Kennenlerngespräche gebe, 83 Prozent der Eltern werden über das pädagogische Konzept der Kita informiert.

Trotz vieler positiver Veränderungen, die es dank großer Kraftanstrengungen der Kommunen in den letzten zehn Jahren gegeben hat und die die Studie gleichwohl aufzeigt, gibt es noch viel zu tun. So sehen Edith Biedenbach, die die Studie begleitet hat, und Eva Hamacher, Katho-Professorin für Sozialpädagogik, großen Aufholbedarf in der Fortbildung von Erziehern.

In den wenigsten Kitas werde nach wissenschaftlich fundierten Konzepten, sondern eher intuitiv gearbeitet. Auch die Ausbildung von Erziehern lasse diesbezüglich noch einiges zu wünschen übrig. Fast die Hälfte der Befragten bewerteten ihre Ausbildung im Hinblick auf die Arbeit mit unter dreijährigen Kindern als unzureichend.

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