Düsseldorf/Aachen - Studenten-Massensturm auf RWTH: Keiner soll auf der Treppe sitzen

Studenten-Massensturm auf RWTH: Keiner soll auf der Treppe sitzen

Von: Angela Delonge und Wilfried Goebels
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Gut gerüstet für den doppelten Abi-Jahrgang? Auch wenn das neue Hörsaalzentrum nicht fertig ist, wird in Aachen dank intelligenter Stundenplanung kein Student auf der Treppe sitzen müssen.

Düsseldorf/Aachen. Trotz des Anstiegs der Studienbewerberzahl um mindestens 20 Prozent sieht NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) die Hochschulen für den Ansturm des doppelten Abiturjahrgangs gerüstet. Allerdings räumte Schulze ein, dass 56 Prozent der Studienfächer im Wintersemester 2013/14 über einen Noten-NC (Numerus clausus) zulassungsbeschränkt seien.

Nicht jeder Student mit schlechter Abiturnote könne an seinem Wunschort studieren, sagte die Ministerin bei der Vorstellung eines Monitoring-Berichts. CDU, FDP und Piraten-Fraktion warnten aber, dass Tausende im Wintersemester keinen Studienplatz bekommen würden.

Weil gleichzeitig zwei Jahrgänge an die Hochschulen drängen, rechnet das Ministerium mit einem Anstieg der Anfängerzahlen auf 123.000 Bewerber. In einigen Fächern wie Medizin gibt es bis zu zehn Bewerber um einen Studienplatz. In der Hochschule Köln werden 72.000 Bewerber für 6000 Studienplätze erwartet – besonders nachgefragt werden Betriebswirtschaft, Jura und Medienwissenschaften. Der CDU-Abgeordnete Stefan Berger beklagte, dass in Köln kein einziges Fach mehr ohne NC sei.

Auch an der RWTH Aachen ist inzwischen jeder der 66 Bachelorstudiengänge zulassungsbeschränkt. Bis zum Bewerbungsschluss am Montag (15. Juli) lagen der Hochschule rund 50.000 Bewerbungen vor. Vergeben werden in Aachen zum Wintersemester „planmäßig“ aber nur etwa 7100 Studienplätze, wie Prorektor Aloys Krieg auf Anfrage mitteilte. Damit liege man weit über der normalen Auslastung von 4500 Studienanfängern.

Intelligenter Stundenplan

Trotzdem sieht der Prorektor die RWTH für den Ansturm gut, wenn nicht besser vorbereitet als im vergangenen Jahr. Hauptgrund dafür ist eine neue, in Deutschland bisher einmalige Software mit dem Namen „Carpe diem“ zur zentralen Stundenplanung. „Damit können wir die Raumnutzung so optimieren, dass bei uns kein Student auf der Treppe sitzen muss“, sagt Krieg. „Es wird keine Überschneidungen geben.“ Wobei die Studenten sich auf Vorlesungszeiten montags bis freitags von acht bis 20 Uhr einstellen müssen. Das Ausweichen auf Kinosäle wie zuletzt schließt der Prorektor aufgrund dessen zunächst noch aus. Trotzdem halte man diese Option „in der Hinterhand“.

Von der intelligenten Stundenplanung profitieren auch die Mensen in Aachen. Die Mittagspausen im Vorlesungsplan wurden so verteilt, dass es nicht zu dem einen großen Ansturm kommen muss. Ein Wermutstropfen bleibt im Fach Chemie. „Dort können wir die Anfängerzahlen nicht steigern, weil ein Labor für die Erstsemester nicht fertig geworden ist“, sagt Krieg. Somit bleibe es hier bei 120 Studienanfängern, im nächsten Jahr könnten dann aber doppelt so viele Studenten in Aachen mit Chemie anfangen.

Auch das Thema Wohnen in Aachen lässt noch zu wünschen übrig. Mit der Aktion „Extraraum“ werden jetzt erneut Bürger angesprochen, verfügbaren Wohnraum für Studenten zur Verfügung zu stellen. „Trotzdem“, glaubt Krieg, „ist die Wohnsituation in Aachen nicht so schlimm wie in Köln.“

An der Fachhochschule Aachen sind die Studierendenzahlen in den vergangenen Jahren ebenfalls kontinuierlich gestiegen: von knapp 9000 (2009) auf mehr als 11.300 (2012). Gleichzeitig wurden 500 neue Studienplätze geschaffen. Im Hinblick auf den doppelten Abi-Jahrgang habe man frühzeitig mit der strategischen Planung begonnen, sagt Sprecher Roger Uhle. Von den 24 angebotenen Bachelor-Studiengängen an der FH in Aachen und Jülich sind zum kommenden Wintersemester trotzdem 18 mit einer Zulassungsbeschränkung belegt worden.

FDP-Bildungsexpertin Angela Freimuth warf der Ministerin indessen vor, sie verschließe die Augen vor der Lebensrealität der Studierenden. Es sei zu befürchten, dass Tausende junger Menschen bei der Studienplatz- und Wohnungssuche in Nordrhein-Westfalen leer ausgehen würden. Vor allem in Medizin, Geisteswissenschaften und Lehramtsfächern seien Studienplätze stark „überzeichnet“.

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