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Student zieht vom Dachgeschoss auf den Campingplatz

Von: Valerie Barsig
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Leon Rosenberg ist 23, Student, und stolzer Mieter einer Parzelle auf dem Campingplatz im Vichtbachtal in Stolberg.

Region. Leon Rosenberg ist 23, Student, und stolzer Mieter einer Parzelle auf dem Campingplatz im Vichtbachtal in Stolberg. Neben dem Wohnwagen, hat er mit seinem malerischen, rund 200 Quadratmeter großen Grundstück den Jackpot gezogen.

Zwei dicke Bäume sind mit Lichterketten umwickelt, darunter steht Rosenbergs Hollywood-Schaukel. Sommer wie Winter ist dort sein Grillplatz. Begrenzt wird das Grundstück durch den Vichtbach auf der einen, von einem Feld auf der anderen Seite.

Rosenbergs Entschluss fiel im vergangenen Jahr. „Kommilitonen meines Vaters haben bereits in den 80ern auch auf einem Campingplatz gelebt. So ist die Idee entstanden“, erzählt der Fahrzeugtechnik-Student. Seine alte Dachgeschosswohnung in Aachen bot ihm 40 Quadratmeter, einen Blick über die Innenstadt und kostete 500 Euro im Monat. Seine Nachbarn kannte er nicht.

Jetzt bezahlt Rosenberg nur noch einen Bruchteil seiner alten Miete und kennt jeden der rund zehn Dauercamper, die sich auf dem Areal befinden. Berufstätige, Rentner, Saisonarbeiter – alles sei im Vichtbachtal vertreten. Rosenberg ist der Jüngste unter ihnen. Weniger Miete ist aber nicht der einzige Grund, der ihn auf den Campingplatz gebracht hat: Das Alleinsein, die Nähe zur Natur und einfach mal was anderes tun – all das brachte ihn nach Stolberg. „Die Erfahrung bereue ich noch keine einzige Sekunde“, sagt er.

Für immer bleiben will er aber nicht. Der Campingplatz ist ein Zuhause auf Zeit, für das er Unterstützung von seiner Freundin, Kommilitonen und der Familie bekommt. Auch wenn sie selbst nie mit ihm tauschen würden. Das Leben auf einem Campingplatz sei zudem nicht ganz ohne Haken: Feuchtigkeit und Kälte, das seien im Winter seine ständigen Begleiter gewesen. Minus 15 Grad Celsius war der Kälterekord diesen Winter. Und dabei war er milder als in den vergangenen Jahren. Rosenberg hätte ihn sich sogar ein bisschen unangenehmer gewünscht: Mit mehr Eis und Schnee eben.

Einfach, um der Naturgewalt ausgesetzt zu sein. „Natürlich darf man, wenn man hier wohnt, nicht zimperlich sein. Und hier sollte auch niemand leben, der ohne Wlan Schnappatmung bekommt“, sagt Rosenberg. Auf Internet muss er dank seines Handys aber nicht verzichten, denn das Netz funktioniert gut. Rund 20 Liter Wasser befinden sich in dem Tank, den Rosenberg sparsam aufbraucht. Zum Duschen geht er in das Waschhaus des Campingplatzes, das rund 200 Meter entfernt liegt. Die Gasflaschen, die er zum Heizen und kochen in seinem Camper braucht, reichen rund eine Woche. Den Vorrat holt Rosenberg mit dem Auto. Sein ganzer Stolz ist ein alter Ford Transit MK1 in knallrot, der ebenfalls Platz auf seiner Parzelle findet. Mit dem alten Schätzchen geht es im Sommer mit dem Mountainbike im Gepäck in die Alpen – Urlaub, den Rosenberg sich leisten kann, weil er an der Miete spart.

Das Basteln an den Autos ist seine Leidenschaft. Vor dem Studium hat er eine Ausbildung zum Mechatroniker gemacht. Auch den Campingwagen hat er vollkommen ramponiert übernommen – er stand bereits auf der Parzelle am Vichtbach. Aus dem alten Camper hat Rosenberg ein gemütliches Heim gemacht, inklusive Vorbau mit Küche und Pavillon. Elektrik, Holzverkleidung und einem passendes Bett: „Das waren unendlich viele Stunden basteln auf hohem Niveau“, fasst Rosenberg die Arbeit am Camper zusammen, aus dem mit viel Liebe zum Detail eine gemütliche, kleine Wohnung geworden ist.

Dann kam der Umzug und mit ihm rund zwanzig Kilometer Radentfernung bis zur Hochschule. Die fährt Rosenberg auf der Vennbahn – bei jedem Wetter. Eigentlich, sagt Rosenberg, sei er einfach nur ein ganz normaler 23-Jähriger, der sein Studium genießt. Der später mal keinen Job machen will, für den er nicht einsteht, der seine Wäsche im Waschsalon wäscht, der Freunde auf ein Bier einlädt. Nur eben einer, dessen Reich zweieinhalb Meter breit und sechs Meter lang ist. Eben so groß wie ein Campingwagen.

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