Streit um erschwerte Studienzulassung

Von: Wilfried Goebels
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Svenja Schulze (SPD), Bildungs
Svenja Schulze (SPD), Bildungsministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht am 25.10.2012 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) bei einer Pressekonferenz. Die Ministerin stellte die aktuellen Zahlen zum Start des Wintersemesters vor. Im Studienjahr 2012 rechnen die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen mit über 119.000 Studienanfängerinnen- und anfängern. Die Ministerin betonte, dass die Hochschulen gut auf den Andrang der Erstsemester vorbereitet seien. Foto: Daniel Naupold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Aachen/Düsseldorf. Der starke Anstieg der Studentenzahlen zwingt die NRW-Hochschulen zu schärferen Zulassungsbeschränkungen. Im neuen Wintersemester 2012/13 hat bereits fast jeder zweite Studiengang (48,6 Prozent) einen notenbezogenen, lokalen Numerus Clausus (NC).

Der Philologenverband fürchtet ein Chaos, wenn viele Abiturienten im Doppeljahrgang 2013 keinen Studienplatz finden, weil sie die erschwerten Zulassungsbedingungen nicht erfüllen. Das bremse die Abiturienten aus.

NRW steuere auf eine Katastrophe zu, weil Tausende Studienplätze fehlten, warnte der NRW-Vorsitzende des Philologenverbandes, Peter Silbernagel, am Donnerstag in Düsseldorf. „Das verkürzte Abitur nach acht Jahren (G8) hat sich nicht gelohnt, wenn es nachher keine Plätze gibt.” Trotz überfüllter Hörsäle bezeichnete Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) aber die Studienbedingungen in NRW weiter als „gut”. Allerdings müsse sich noch etwas „einruckeln”.

Im Wintersemester sind an den 69 Hochschulen in NRW mehr als 632 500 Studenten eingeschrieben - davon 103 000 Erstsemester. Spitzenreiter bei den Studienanfängern ist die Uni Duisburg-Essen mit 6700 Erstsemestern, gefolgt von der RWTH Aachen mit 6000 und der Uni Köln mit 5900 Erstsemestern. Die Uni Siegen meldet 3429 Studienanfänger, die FH Südwestfalen 3260 und die Fernuni Hagen 4800 Anfänger. Ministerin Schulze erwartet, dass die Studentenzahlen bis mindestens 2020 auf einem „Hochplateau” bleiben.

Weil die Kultusministerkonferenz (KMK) für dieses Studienjahr 17 500 Studenten weniger vorhergesagt hatte, forderte Schulze kurzfristig mehr Geld vom Bund aus dem bis 2015 laufenden Hochschulpakt. Sonst sei der Bundesanteil bereits 2014 aufgebraucht. Ab November wollen Bund und Länder neu verhandeln. Der CDU-Experte Klaus Kaiser ist sicher, dass der Bund nachlegt.

Kaiser kritisierte, dass die Unsicherheit von Eltern und Schülern vor dem doppelten Abi-Jahrgang 2013 „von Woche zu Woche wächst”. Der CDU-Politiker forderte ein Aktionsprogramm 2013, um ein Chaos an den Hochschulen zu vermeiden. „Das Land muss deutlich mehr tun. Die Vorbereitung läuft nicht gut.”

Die FDP-Abgeordnete Angela Freimuth kritisierte, dass die Landesregierung ein Jahr vor dem doppelten Abiturjahrgang „hilflos” dastehe. Schon jetzt kämpften Studenten mit überfüllten Seminaren und Mensen, fehlendem Wohnraum und angezogenen Zulassungsbedingungen. Auch für Lehramtsstudiengänge ist der geforderte Abi-Notendurchschnitt selbst in nachgefragten Fächern wie Mathematik bereits im Wintersemester kräftig hochgeschraubt worden. Aus Platzmangel verschärfte auch die RWTH Aachen ihre Zulassungsbeschränkungen. Dort ist - zunächst für dieses Semester - jedes Studienfach mit einem Numerus Clausus (NC) belegt. Und statt der 6882 Studienanfänger im Vorjahr nahm die Uni im Wintersemester 2012/13 nur noch 6000 Erstsemester auf.

CDU und FDP warfen der rot-grünen Koalition mangelnde Anstrengungen vor. Da die Prognosen über den Studierendenansturm immer weiter nach oben korrigiert würden, müsse die Landesregierung den Hochschulen mehr Geld geben, um die abgeschafften Studiengebühren auszugleichen, forderten beide Landtagsfraktionen. Dass Schulze stattdessen ständig höhere Zuweisungen vom Bund fordere, sei nur ein Ablenkungsmanöver. „Überfüllte Hörsäle und Mensen, fehlende Laborplätze, mangelnde Betreuung und Notunterkünfte müssen verhindert werden”, forderte Kaiser. Die Landesregierung müsse mit den Hochschulen konkret verhandeln, wo und in welchen Fächern wie viele zusätzliche Studienplätze geschaffen werden.

Studienberatung: Neues Portal im Internet

Um Studierwilligen die Orientierung im Fächer-Dschungel zu erleichtern, gibt es jetzt im Internet ein neues Beratungsinstrument. Unter der Internet-Adresse www.studifinder.de können Interessierte ab sofort testen, welche Fähigkeiten sie haben und welches Studium zu ihnen passt. Das Instrument wurde von der Ruhruniversität Bochum im Auftrag aller Hochschulen in NRW entwickelt.

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