Streit über Opern-Spielstätte in Köln

Von: Madeleine Gullert
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Ossendorf oder Deutz? Die MMC-Studios (links), in denen Fernsehsendungen aufgezeichnet werden, und das Staatenhaus, das künftig eine Musicalhalle werden soll, konkurrieren als Ausweichquartiere für die Kölner Oper. Foto: Stock/Horst Galuschka
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Ossendorf oder Deutz? Die MMC-Studios (links), in denen Fernsehsendungen aufgezeichnet werden, und das Staatenhaus, das künftig eine Musicalhalle werden soll, konkurrieren als Ausweichquartiere für die Kölner Oper. Foto: Stock/Horst Galuschka

Köln. Die Bühnen der Stadt Köln kündigen für die kommende Spielzeit ein Notprogramm an. Die Not ist tatsächlich groß, denn es steht noch nicht einmal fest, wo dieses Notprogramm gezeigt werden soll. Notwendig geworden ist eine neue Interimsspielstätte, weil die Kölner Oper nicht pünktlich zum Eröffnungstermin saniert ist.

Eigentlich hätte das alte Opernhaus am 7.November Wiedereröffnung feiern soll. Daraus wird aber nichts, weil die alte Oper am Offenbachplatz noch eine Baustelle ist. Erst zur Spielzeit 2017/18 soll das Haus saniert sein. Und nun?

Die Parteien und die Verwaltung streiten darüber, welches das beste Ausweichquartier für die Oper ist. Es ist ein weiterer Akt im Operndebakel. Zur Auswahl stehen die Ossendorfer MMC-Studios, in denen Fernsehproduktionen aufgezeichnet werden, oder das Staatenhaus in Deutz. Morgen wird die Beschlussvorlage für die Interimsspielstätte im Stadtrat diskutiert, in dem Rot-Grün seit einer Stimmneuauszählung keine Mehrheit mehr hat. Die Verwaltung und die Opernleitung präferieren das Staatenhaus.

„Die Deutzer Lösung ist keine“, kritisiert Ralph Elster, kulturpolitischer Sprecher der CDU, im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Haus sei im Inneren eine Rohbaustelle. „Das ist eine abrissreife Halle.“ Auch SPD-Kultursprecher Klaus Schäfer bestätigt, dass es keine Haustechnik und keinen Brandschutz gibt. „Das ist gefährlich“, mahnt Elster. Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass die Bauarbeiten im Staatenhaus innerhalb von zwei Monaten geplant, bewilligt und fertiggestellt werden. Das sei völlig unrealistisch. Schäfer hinterfragt den Zeitplan auch, schließt aber nicht aus, dass die Bauarbeiten realisierbar sind. „Ich bin bei der ganzen Entscheidung ergebnisoffen“, sagt Schäfer. Bei beiden Häusern gebe es Schwierigkeiten. Natürlich müsse die Stadt mehr in das Staatenhaus als in die MMC-Studios investieren. Aber auch dort müsse man beispielsweise ein Catering einbauen und ein gewisses Ambiente schaffen.

Die Kölner CDU und die FDP beklagen, dass die Verwaltung den MMC-Studios von vornherein keine Chance gebe. Die Stadt stelle für die Studios mutwillig ungünstige Berechnungen an. Unklar ist nämlich, wie viele Zuschauer in das Coloneum, die Halle der MMC-Studios, passen. Laut Inhaber könnten 1200 Opernbesucher Platz finden, die Stadt kalkuliert allerdings nur mit 872. Ins Staatenhaus passen nicht einmal 800 Menschen. Je weniger Besucher es aber gibt, desto weniger Einnahmen haben die Bühnen – und zwar zwei Spielzeiten lang. „Wir können uns angesichts des Haushalts nicht wie Prinz Karneval aufführen“, sagt Elster, der für die günstigeren MMC-Studios plädiert.

Bei den Gesamtinterimskosten für zwei Spielzeiten ist Ossendorf laut Stadt mit 17,8 Millionen Euro 900.000 Euro günstiger als Deutz (18,7 Millionen Euro).

Man könne nicht die Kosten allein betrachten, vielmehr müssten „Kosten und Kunst in Einklang gebracht werden“, mahnt Schäfer. Er könne nachvollziehen, dass der neue Kölner Generalmusikdirektor Francois-Xavier Roth den MMC-Studios bescheinigt, sie hätten keine Aura. „Ob wir das in unsere Entscheidung einfließen lassen, ist aber eine andere Frage.“

Persönliche Eitelkeiten

Die CDU beklagt nämlich, dass die Präferenz für das Staatenhaus auf persönliche Eitelkeiten zurückgeht. Da gebe es eben Roths Kritik an mangelndem Esprit, außerdem sei die Opernintendantin Birgit Meyer zu bequem, aus der Innenstadt ihr Büro nach Ossendorf zu verlegen, sagt Elster. Sie wolle das den Mitarbeitern nicht zumuten.

Natürlich ist der Standort auch ein Kriterium, das die Entscheider in Betracht ziehen. Deutz liegt zwar auf der anderen Rheinseite, sei aber immerhin zentraler als Ossendorf im Kölner Norden. Elster hält dagegen: Ossendorf sei gut zu erreichen: mit der Straßenbahn – Busse zu den Studios seien denkbar – und mit dem Auto. Eine Autobahnabfahrt führt direkt zu den MMC-Studios, neben denen eine Ikea-Filiale liegt. „Die Parkplätze könnten wir auch nutzen“, sagt Elster. Die Anfahrt sei für viele Menschen sogar bequemer.

Und was den künstlerischen Aspekt angeht? Auch da sieht Elster keinen Vorteil für das Staatenhaus. „Die Decken dort sind nur 7,50 Meter hoch. Es wird dort nicht einmal eine Bühne geben, sondern eine Spielfläche auf dem Boden.“ Und weil das Orchester seitlich platziert werden müsste, „könnten die Besucher in den ersten Reihen mit einem Hörschaden rechnen“.

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