Streiks in Kitas auch in Aachen fortgesetzt

Von: ddp/mh)
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Kita-Streiks
Streikende Erzieherinnen und Sozialarbeiter bei einem Demonstrationszug. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Erzieherinnen und Sozialarbeiter haben am Montag nach Angaben der Gewerkschaft ver.di in über 60 nordrhein- westfälischen Städten - unter anderem in Aachen - ihre Arbeit niedergelegt.

Zu einer zentralen Kundgebung versammelten sich in Duisburg über 10.000 Streikende. Nach den am Freitag abgebrochenen Tarifverhandlungen hat die Gewerkschaft weitere Streiks bis Mittwoch angekündigt. Schwerpunkte seien am Montag die Städte Köln und Dortmund mit insgesamt über 3200 Streikenden gewesen. Auch am Dienstag sollen nach ver.di-Angaben beide Städte am stärksten vom Streik betroffen sein.

In Aachen liegen zahllose Einrichtungsplätze seit rund sechs Wochen immer wieder kurzfristig brach - und die Nerven ungezählter Eltern längst blank. Bis Mittwoch wird an den kommunalen Kindertagesstätten in der Region abermals gestreikt. Ein Ende ist nicht abzusehen - was man von der Belastungsfähigkeit der Betroffenen keineswegs sagen kann. „Wir sind am Ende unserer Kräfte”, sagt Uli Weber, Vorsitzender des Elternrats eines Montessori-Kinderhauses in Aachen. „Es kann nicht sein, dass der Konflikt in wachsendem Maß vor allem auf dem Rücken der Drei- bis Sechsjährigen ausgetragen wird.”

Am Mittwoch wollen die Eltern daher mit einem „Betreuungsangebot” anderer Art vor dem Aachener Rathaus den Druck auf die örtliche Politik erhöhen. „Wir machen eine große Malaktion mit Kreide, es wird Picknicks geben und Spiele, den Kindern wird vorgelesen”, berichtet Weber, der mit mehreren hundert Teilnehmern rechnet. Die wollen um 10 Uhr zudem das Gespräch mit OB Jürgen Linden suchen.

Er müsse sich als Dienstherr der Streikenden in Aachen verstärkt auch auf Landes- und Bundesebene für eine zeitnahe Beendigung der Auseinandersetzung einsetzen. „Viele Familien können einfach nicht mehr. Der Verzicht auf das gewohnte Umfeld belastet die Kinder enorm”, sagt Weber. „Manche reagieren mit Bauchschmerzen, nässen sich plötzlich wieder ein. Die Eltern sind doppelt und dreifach gestresst, weil sie es nicht rechtzeitig zur Arbeit schaffen.” Immer mehr Betroffene forderten daher, dass ihre Kita-Beiträge im entsprechenden Umfang zurückerstattet werden.

Zwar habe man Verständnis für die Forderungen der überlasteten Erzieher und Erzieherinnen, unterstreicht Weber. Allerdings wachse auch der Ärger über die Verantwortlichen bei Verdi beträchtlich. „Eltern mit Halbtagsstellen arbeiten meist gerade montags bis mittwochs. Warum müssen die Streiks immer ausgerechnet an diesen Tagen sein?” Hinzu komme, dass die zentrale Hotline der Stadt Aachen nach wie vor oft besetzt sei. Selbst wer einen der raren Plätze in einer der „Not-Kitas” ergattert zu haben glaube, stehe kurz darauf nicht selten doch vor verschlossener Tür, weil die Aufnahmekapazitäten schlicht nicht ausreichten.

Dass auch die Kollegen an den Telefonen und im Jugendamt derzeit heftig rotieren, unterstreicht Rita Klösges, Pressesprecherin bei der Stadt Aachen. „Dennoch kommen rund 80 Prozent der Anrufer beim Callcenter sofort durch, wie dort betont wird.” Auch am Dienstag und Mittwoch stehe für Aachen Stadt die zentrale Nummer 0241/432-0 ab 7 Uhr bei akutem Betreuungsbedarf zur Verfügung. Dort sei eine schnelle Vermittlung nach wie vor am besten gewährleistet.

Bei einer Streikversammlung am Dienstag in Düsseldorf will ver.di entscheiden, wie es in und nach den Sommerferien in NRW weitergehen solle. Vorab kündigte die ver.di-Landesleiterin Gabriele Schmidt schon einmal an: „Wir werden unsere Forderungen zum Thema der Kommunalwahlen machen.” Sie ermutige die Streikenden, sich „nicht von einzelnen Meinungen der Eltern den Hut nehmen zu lassen.” Rund 80 Eltern und Kinder hatten am 19. Streiktag in Mülheim an der Ruhr gegen die Kita-Streiks demonstriert, wie die Polizei mitteilte.

In den Tarifverhandlungen für Erzieherinnen und Sozialarbeiter in den Kommunen habe der Arbeitgeberverband ein unzureichendes Angebot für Erzieher vorgelegt, kritisierte ver.di-Verhandlungsführer Achim Meerkamp. Für die übrigen Tätigkeiten, für die ver.di einen besseren Gesundheitsschutz und höhere Löhne fordert, habe kein Angebot auf dem Tisch gelegen. „Die Debatte konzentriert sich auf Erziehung, über die Frage was mit den anderen Berufen in den Sozialdiensten ist, wird nicht gesprochen.” Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Erzieher verlangen ein höheres Einkommen - mindestens auf das Niveau von vor den letzten Tarifverhandlungen 2005. Damals seien die Löhne für Neueinsteiger um 15 Prozent gesunken, sagte Schmidt. Vergangene Woche habe der Verhandlungspartner aber nur elf Prozent mehr angeboten - und das nur für Erzieher. Laut ver.di verdient eine nach 2005 eingestellte Erzieherin in 40 Berufsjahren zwischen 130.000 und 188.000 Euro weniger als eine, die in den Jahren davor anfing.
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