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Streich, Irrsinn, „Krieg”: Abi-Fehde treibt Polizei und Pädagogen um

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Abi
Die Polizei spricht von Kopfverletzungen und rund 200 Schülern, die am Kölner Humboldt-Gymnasium Randale gemacht haben sollen. Foto: Oliver Berg/dpa
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Ein Screenshot: Die Schüler präsentieren sich martialisch. Foto: Youtube

Köln. In den Straßen von Köln spielen sich dieser Tage bedrohliche Szenen ab: Hunderte Abiturienten bekämpfen sich nachts. Eigentlich sollen bei diesen „Wettkämpfen“ in der letzten Schulwoche vor den Abiturprüfungen nur Wasserbomben geworfen werden. Diese Regel haben sich die Kölner Gymnasiasten gegeben. Doch seit Jahren eskaliert die Randale. In der Nacht auf Dienstag gab es erneut Krawall am Humboldt-Gymnasium in der Südstadt, das immer wieder im Mittelpunkt des Kölner Abi-Kleinkriegs steht.

Am Dienstag distanzierten sich Abiturienten der Schule von den Kämpfen der Montagnacht. Man beende den Abi-Krieg nun, heißt es auf Facebook. Viele Jugendliche sind entsetzt darüber, was in der Nacht zu Dienstag passierte ist. „Ihr habt applaudiert, als Leute von uns blutend auf dem Boden lagen“, schreiben die Humboldt-Schüler unter dem Pseudonym „Schweinerei 2016“.

In der Nacht sollen sich 200 junge Erwachsene laut Kölner Polizei mit Gegenständen – Wasserbomben, Farbbeuteln, Eiern – beworfen haben. Außerdem soll Pyrotechnik gezündet worden sein. Zwei 18-Jährige wurden schwer verletzt, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Demnach erlitt ein Schüler einen Schädelbasisbruch, ein weiterer Beteiligter der Auseinandersetzungen erlitt eine knöcherne Gesichtsverletzung. Er könnte in Folge der Verletzung erblinden. Die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Körperverletzung und Landfriedensbruch.

In Folge der seit Freitag andauernden Pöbeleien hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe gegründet, in der sämtliche Straftaten mit Abi-Bezug gesammelt und ausgewertet werden sollen, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Man arbeite eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Für die kommenden Nächte wolle die Polizei nach der Devise verfahren, konsequent einzuschreiten. Auf Facebook erheben nach der Nacht junge Menschen übrigens schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Viele Beamte hätten nur am Rand gestanden und seien nicht rechtzeitig eingeschritten, schreiben Abiturienten dort. Seit Dienstagabend sollten mehr Einsatzkräfte zur Verfügung stehen.

Die Stadt berief Dienstag ein Krisentreffen ein. Vertreter von Polizei, Stadt, Bezirksregierung und Staatsanwaltschaft wollen die Schüler zur Mäßigung bewegen – mit allen Mitteln, die den Verantwortlichen zur Verfügung stehen. Die Stadt Köln als Schulträgerin werde außerdem jede Straftat zur Anzeige bringen, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der Gesprächspartner. Schulleitungen werden aufgefordert, „null Toleranz“ zu zeigen. Kölns Schuldezernentin Agnes Klein sieht zudem die Gesellschaft in der Verantwortung: „Jugendliche nehmen hier das Abitur als Vorwand, um in ihrer Freizeit Gewalt gegen Mitschüler, Polizisten und Gebäude auszuüben.“ Nun seien die Erziehungsberechtigten gefordert.

In jedem Fall hat Köln nach den Vorfällen in der Silvesternacht nun erneut eine Krise. Die Stadt droht in der Außenwahrnehmung zu einem Ort der Gewalt zu werden. Auch in anderen Städten in Nordrhein-Westfalen geht mal der ein oder andere Abistreich daneben. Doch ausschließlich in Köln haben diese regelrecht gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen hoher Sachschaden entsteht, seit sechs Jahren Tradition. Szenen, bei denen Vermummte aufeinander losgehen, erinnern eher an das Aufeinandertreffen von Hooligans vor einem Fußballspiel als an eine unschuldige Wasserschlacht unter Abiturienten.

Immer sind es die selben Gymnasien und ihre Schüler im linksrheinischen Köln, die im Fokus dieser Aktionen stehen. Es sind die guten Adressen der Stadt, nicht die Problemviertel.

Warum Köln? Das ist sicher auf einen 2010 ausgerufenen Wettstreit von Schülern des Humboldt-Gymnasiums zurückzuführen. Die Gruppierung „Kölsch Kraat Kommando“, die in den vergangenen Jahren maßgeblich in Videos andere Gymnasien zum Wasserbombenkampf herausforderte, löste sich zwar auf, aber die Pöbeleien blieben – auf der Straße und in den sozialen Netzwerken. Die Humboldt-Schüler, die nun unter „Schweinerei 2016“ schreiben werden von einer anderen Gruppe angegriffen, den „Kölsche Gören und Bube“, Schüler eines anderen Gymnasiums in Köln. Zu düsteren Klängen präsentieren vermummte Gestalten, die eigentlich friedlichen Regeln für die Mottowoche. Doch zu sehen ist auch, wie ein Schwein geschlachtet wird. Vermutlich eine Anspielung auf die „Schweinerei“ des Humboldt-Gymnasiums. Die Mottowoche ist noch nicht vorbei – und vermutlich auch die Randale nicht.

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