Aachen - Streckensperrung: Bahnpendler hoffen, „dass es klappt“

Streckensperrung: Bahnpendler hoffen, „dass es klappt“

Von: Katrin Fuhrmann
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Angelina Pils setzt auf den Schienenersatzverkehr, der von der Bahn bereitgestellt wird. Die Aachener Studentin pendelt jedes Wochenende zu ihrem Freund nach Köln.

Aachen. Mit dem Start in die Ferien haben die sechswöchigen Bauarbeiten der Deutschen Bahn auf der Strecke zwischen Düren und Aachen begonnen. Für viele Pendler wird diese Zeit zur Nervenprobe. Die Züge der Linien RE 1 und RE 9 fallen auf dieser Strecke komplett aus.

Zwar verkehren als Ersatz für die ausfallenden Züge drei Buslinien im Schienenersatzverkehr, doch das ist vielen Pendlern zu unsicher. Und nicht jeder will eine längere Fahrtzeit von etwa 30 Minuten in Kauf nehmen. Wir haben mit sechs regelmäßigen Bahnfahrern gesprochen. Sie erzählen, wie sie in den kommenden Wochen vorwärtskommen.

Angelina Pils nutzt den Schienenersatzverkehr, der von der Bahn bereitgestellt wird. Die 24-Jährige Masterstudentin, die in Aachen wohnt, fährt jeden Freitag zu ihremFreund nach Köln. Montags muss sie dann zurück nach Aachen, am besten pünktlich, denn die Vorlesung beginnt auch ohne sie. „Ich hoffe, dass alles klappt und ich nicht zu spät komme“, sagt sie. Sie hat Verständnis dafür, dass Gleise und Schwellen ausgetauscht werden müssen. Sie hätte sich jedoch gewünscht, dass die Bahn mehr Rücksicht auf Studenten nimmt. Immerhin seien Aachen und Köln Studentenstädte. „Ende Juli ist Klausurphase. Ich kenne viele, die pendeln müssen. Das wird wirklich eine Herausforderung, gerade wenn Klausuren schon um 7.30 Uhr beginnen“, sagt sie.

Hubert Kesternich macht die kommenden zwei Wochen erst einmal Urlaub – obwohl er eigentlich nicht an die Sommerferien gebunden wäre. Für die vier übrigen Wochen nach seinem Urlaub muss der 53-jährige Leiterplatten-Layouter dann notgedrungen aufs Auto umsteigen, um von Aachen bis zu seiner Arbeitsstelle zu kommen. „Ich arbeite in Wiehl. Das ist noch mal 50 Kilometer vom Kölner Hauptbahnhof entfernt. Verpasse ich den Anschluss, habe ich keine Alternative“, sagt er. Seinem Kollegen, mit dem Kesternich jeden Morgen zusammen fährt, geht es nicht anders. Auf den Schienenersatzverkehr wollen und können sich die Beiden nicht verlassen. „Wir können nicht riskieren, dass wir jeden Tag zu spät zur Arbeit kommen“, sagt Kesternich. Als Pendler ärgert er sich natürlich darüber, dass sein Weg zur Arbeit in den kommenden Wochen zur Nervenprobe wird. Er weiß aber auch, dass die Erneuerungen der Gleise nötig sind.

Stefanie Gilon, die seit sechs Jahren von Aachen nach Köln mit dem Zug fährt, wird in den kommenden Wochen wahrscheinlich den Schienenersatzverkehr nutzen. Das bedeutet für die Diplom-Betriebswirtin: Aufstehen um fünf Uhr. Um 6.50 Uhr fährt sie mit anderen Pendlern mit dem Bus bis nach Düren zum Hauptbahnhof. Dort werden sie und ihre Kollegen in den RE 1 oder RE 9 umsteigen. „Wir haben keine Alternativen. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass wir pünktlich auf der Arbeit ankommen“, sagt Gilon. Mittlerweile habe sie resigniert, denn es wäre immer etwas anderes – Streiks, Verspätungen, Ausfälle. Auf die Bahn sei oftmals kein Verlass. „Warum werden wir Fahrgäste wie ein lästiges Übel behandelt? Bei diesen Preisen – meine Fahrkarte kostet pro Jahr 2550 Euro – würde ich mir zumindest eine Gutschrift wünschen. Ich habe die gesamten Informationen über die Streckensperrung aus der Aachener Zeitung erfahren. Die Bahn ist mal wieder sehr spät aus den Füßen gekommen“, sagt sie. Gilon wird in den kommenden Wochen, sofern die Anschlussbusse pünktlich sind, abends erst um acht zu Hause sein, was sie zwangsläufig in Kauf nehmen muss.

Marcus Keller pendelt seit sieben Jahren von Aachen nach Köln zur Arbeit. Der 46-Jährige kämpft regelmäßig mit Verspätungen und Ausfällen der Bahn. „Die sechs Wochen, in denen die Gleise erneuert werden, überstehe ich irgendwie. Vielmehr ärgert mich, dass die Verbindung Brüssel-Aachen-Köln in den vergangenen fünf Jahren nur mäßig funktioniert hat. Das technische Problem ist bei der Bahn bekannt. Es wird aber nichts dagegen unternommen. Die Gleiserneuerung wird dieses Problem mit Sicherheit nicht lösen“, sagt er. Wie er in den kommenden Wochen zur Arbeit kommen wird, weiß er noch nicht genau. Bereits jetzt ist er täglich drei Stunden unterwegs. Seine Toleranzgrenze ist erreicht. Kellers „Pendlerkollegen“ Hubert Pütz geht es ähnlich. Auch er wird in den kommenden Wochen mehr Zeit einplanen müssen. Keller ärgert vor allem, dass die Bahn die Pendler nicht rechtzeitig und ausreichend informiert hat. Die Informationslage sei sehr vage und die ausgehängten Schilder am Bahnhof gäben nur wenig Auskunft. Dass die Bahn den logistischen Aufwand stemmen wird und die Bahnkunden pünktlich ankommen, bezweifelt er.

Karin Schönemann pendelt seit 17 Jahren von Düren-Derichsweiler nach Aachen zur Arbeit. Jeden Morgen muss sie um 6.30 Uhr los, um von Langerwehe aus zur Arbeit zu fahren. Die Gleitzeiten auf der Arbeit ermöglichen es ihr, auch mal ein paar Minuten später dort einzutreffen. In der Zeit während der Baumaßnahmen, bekommt sie von ihrem Arbeitgeber einen kostenpflichtigen Parkplatz zur Verfügung gestellt. Daher ist sie nicht auf den Schienenersatzverkehr angewiesen, sondern fährt selbst mit dem Auto. „Ich habe für die Erneuerung der Strecke Verständnis. Wenn etwas marode ist, muss es behoben werden“, sagt Schönemann.

Karl-Herbert Sieber kommt aus Herzogenrath-Merkstein. Drei Mal in der Woche muss er beruflich nach Köln. Normalerweise fährt er morgens um 7 Uhr mit der Euregiobahn in Merkstein los. Ankunftszeit in Köln: 8.45 Uhr. In den kommenden Wochen fährt Sieber bis Merzenich mit dem Auto. Von dort geht es dann mit der S-Bahn weiter bis zum Kölner Hauptbahnhof. „Ich habe das Glück, dass ich auf das Auto zurückgreifen kann. Damit bin ich vermutlich einer der Wenigen, die durch die Baumaßnahmen nun sogar eine kürzere Anreisezeit hat“, sagt Sieber. Er habe Verständnis für die Deutsche Bahn. Er bedauere jedoch, dass gerade die Informationspolitik an den Gleisen häufig unzumutbar sei. Wenn Züge ausfallen, Verspätung haben oder es Störungen im Betriebsablauf gebe, lasse man die Kunden häufig im Regen stehen.

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