Straftaten gegen Senioren nehmen zu

Von: Marlon Gego
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Alte Menschen werden immer öfter als lohnende Opfer angesehen. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Aachen. Als der alte Mann sich hingekniet hatte, um am Grab seiner Frau ein Gebet zu sprechen, trat der Täter leise hinter ihn. Er hob einen Pflasterstein auf und schlug ihn auf den Hinterkopf des alten Mannes, der bewusstlos zusammenbrach. Der Täter nahm dem alten Mann das Portmonnaie aus der Jackentasche, ließ ihn liegen und verschwand.

Das bisschen Geld, das der Täter erbeutete, brachte er umgehend zum nächsten Drogendealer. Der alte Mann erwachte erst Stunden später aus seiner Bewusstlosigkeit und kam ins Krankenhaus.

Der Fall ereignete sich vergangenes Jahr auf einem Friedhof in Herzogenrath-Kohlscheid, und obwohl er nicht exemplarisch für die Kriminalität gegen Senioren ist, so verdeutlicht er doch, dass „alte Menschen immer öfter als lohnende Opfer angesehen werden“, sagte am Mittwoch Sabine Tandetzki von der Aachener Staatsanwaltschaft. Tandetzki leitet das sogenannte Seniorendezernat, das 2010 von der früheren Behördenleiterin Elisabeth Auchter-Mainz gegründet wurde.

Auf der Jahrespressekonferenz der Behörde teilte Staatsanwältin Sabine Tadetzki mit, dass die angezeigten Straftaten gegen Menschen ab 70 Jahre im Landgerichtsbezirk Aachen von 62 im Jahr 2010 auf 300 im Jahr 2013 gestiegen sind. Und bis zum 15. August dieses Jahres waren es schon 214 Fälle. Zahlen, die der Aachener Staatsanwaltschaft Sorge bereiten.

Die meisten Fälle von Kriminalität gegen Senioren stellen aber nach wie vor Betrugsdelikte dar. An Haustüren versuchen Täter mit allen möglichen Tricks und Maschen, ältere Menschen um immer größere Geldbeträge zu bringen. Es gibt den Enkeltrick, den Handwerkertrick, den Wasserwerkertrick in zahlreichen Formen und Abwandlungen. Es gibt Frauen, die auf Partnerbörsen oder auf der Straße gezielt ältere alleinstehende Männer ansprechen mit dem Ziel, sie solange auszunehmen, bis sie kein Geld mehr haben.

Sie besuchen diese Männer und bauen ein Vertrauensverhältnis auf, dann wollen sie Geld für Benzin, dann für angebliche Autoreparaturen, dann für angeblich in Not geratene Verwandte und so weiter. Im Wesentlichen, sagte Sabine Tandetzki, geht es immer darum, die Gutgläubigk eit alter Menschen auszunutzen.

Ein neuer Trick

Ein neuer Trick, von dem Tandetzki berichtete: Jemand ruft gezielt ältere Menschen an und erklärt ihnen, eines ihrer – erwachsenen – Kinder sei in einen schweren Unfall verwickelt und so schwer verletzt, dass es nicht sprechen könne. Wenn nicht sofort eine große Geldsumme gezahlt werde, könne dem verletzten Kind nicht geholfen werden. In einem Fall sind vergangenes Jahr nach einem solchen Anruf 30.000 Euro an einen Betrüger überwiesen worden.

Der Leiter der Aachener Staatsanwaltschaft, Helmut Hammerschlag, erklärte, der entstandene Vermögensschaden sei nur das eine Problem; das andere sei, „dass sich viele Senioren nach solchen Vorfällen der Gesellschaft nicht mehr gewachsen fühlen“.

Eine Sonderkommission der Polizei hat ermittelt, dass die gezielten Betrügereien an den Haustüren von Senioren innerhalb Europas von drei Familienclans organisiert werden. Etwa 1000 Menschen, sagte Helmut Hammerschlag, seien daran beteiligt. Diese Menge von Straftätern mache die Verfolgung schwierig, weswegen die Aufklärungsquote der Delikte vergleichsweise gering sei.

Die meisten Raubdelikte hingegen können aufgeklärt werden, auch die gegen Senioren. Der alte Mann, der vergangenes Jahr auf dem Friedhof in Herzogenrath-Kohlscheid niedergeschlagen und ausgeraubt wurde, hatte Glück. Er überlebte, der Täter wurde gefasst. Im folgenden Strafverfahren vor dem Aachener Landgericht wurde er zu mehr als zwölf Jahren Haft verurteilt.

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