Stolberger und Eschweiler Kliniken legen Abteilungen zusammen

Von: Laura Beemelmanns
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Antonius Hospital Eschweiler
Das St. Antonius-Hospital in Eschweiler (Bild) wird künftig mit dem Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg zusammenarbeiten. Foto: Patrick Nowicki
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So wird etwa das Stolberger Gesundheitszentrum (Bild) seine gynäkologische Abteilung nach Eschweiler verlegen. Foto: Dirk Müller

Stolberg/Eschweiler. Das Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg (BGZ) und das St.-Antonius-Hospital Eschweiler haben eine tiefgreifende Zusammenarbeit angekündigt. Beide Häuser planen, Abteilungen zusammenzulegen. Betreffen wird das in erster Linie die Gynäkologie und die Geburtsstation.

Geplant ist, dass in Eschweiler keine Geburten mehr stattfinden, sondern nur noch in Stolberg. Umgekehrt wird die Gynäkologie des BGZ nach Eschweiler verlegt. Firmieren wird das als „Regionetzwerk für die Frau“.

Ab dem 1. Oktober sollen dann alle operativen, gynäkologischen Fälle, die nicht in einem direkten Zusammenhang mit einer Geburt stehen, am Standort Eschweiler behandelt werden. In der Nachbarstadt Stolberg steht ab diesem Zeitpunkt die Geburtshilfe im Fokus, sprich, in der Geburtsurkunde der Kinder wird Stolberg stehen, nicht mehr Eschweiler – es sei denn, es wird eine Hausgeburt. 

Das Euregio-Brust-Zentrum und das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum bleiben ebenfalls in Eschweiler. Dafür soll das Stolberger BGZ als ohnehin schon geburtenstärkstes Krankenhaus in der Region ausgebaut werden. Die Geschäftsführer der beiden Häuser wollen aber dem Eindruck entgegenwirken, dass dies der Beginn eines Verschmelzens beider Krankenhäuser ist. „Dies ist keine Fusion der beiden Krankenhäuser, sondern eine medizinische Kooperation“, sagt Dirk Offermann, Geschäftsführer des BGZ. 

Vor rund einem Jahr trat Offermann seinen Dienst in dem finanziell angeschlagenen Stolberger Krankenhaus an. Er habe sich das Leistungsspektrum des Krankenhauses angesehen und überlegt, wie man dieses verbessern könne. Im Laufe dieser Überlegungen wurde die Idee einer Kooperation geboren, die besser sei, als in Konkurrenz zu arbeiten, sagt Offermann.

In Gesprächen, die er mit dem Geschäftsführenden Vorstand des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler, Elmar Wagenbach, führte, wurde die Idee des „Regionetzwerkes für die Frau“ geboren. Die beiden Geschäftsführer haben die Ärzte beider Krankenhäuser mit einbezogen, die katholischen Träger informiert, sind an die Bezirksregierung in Köln herangetreten und haben mit Vertretern der Krankenkassen gesprochen. „Es ist eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, sagt Wagenbach. Die Resonanz sei positiv gewesen.

„Das ist ein guter Ansatz, der hier gewählt wurde. Das unterstützen wir“, sagt Waldemar Radtke, Leiter der AOK-Regionaldirektion Städteregion Aachen/Kreis Düren. Seit einigen Jahren schon komme immer wieder die Diskussion über die Qualität in der Patientenversorgung auf. „Die Krankenhaus-Landschaft wird sich verändern“, sagt Radkte. Die Zeiten, in denen jedes Krankenhaus alles machen muss, seien vorbei. „Es fällt uns nicht schwer, diese Entwicklung zu begleiten“, sagt er, weil sie zukünftsfähig sei.

In Zeiten, in denen immer mehr Krankenhäuser Betten abbauen müssen und Not daran haben, Schwarze Zahlen zu schreiben, liegt die Bündelung von Kompetenzen nahe.„Wir arbeiten mit vielen Kliniken zusammen, auch mit dem Medizinischen Zentrum Würselen und dem Uniklinikum in Aachen“, sagt Offermann. Mit dem Medizinischen Zentrum  stünden sie stets im engen Kontakt. Aktuelle Verhandlungen über eine mögliche Zusammenlegung der gesamten Geburtenstationen gebe es nicht. Würde das MZ die Geburtenstation tatsächlich ausgliedern, wäre das jedoch denkbar.

Dass dieses Konzept nicht überall auf offene Ohren stoßen würde, damit mussten die Geschäftsführer rechnen. „Ich warte ab, wie die Bevölkerung reagiert. Das wird Auswirkungen auf die Eschweiler haben“, sagt Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram. Und er findet noch deutlichere Worte: „Das ist ein Image-Schaden für das Eschweiler Krankenhaus.“

Sein Stolberger Kollege Tim Grüttemeier sieht hingegen die Vorteile für Stolberg als Geburtenstandort: „Das ist eine sehr kluge Entscheidung der beiden Krankenhäuser. Das Krankenhaus ist der größte Arbeitgeber in der Stadt. Die Kooperation wird Arbeitsplätze sichern.“ Für die Eschweiler ist dieses Thema deutlich emotionaler. Aus Stolberger Sicht sieht man es rational.

So viele Neuerungen diese Kooperation auch mit sich bringen mag, Personal soll nicht abgebaut werden. Im Gegenteil. „Wichtig ist, dass keiner seinen Job verliert“, sagt Wagenbach. Offermann ergänzt: „In Stolberg werden eher noch mehr Ärzte gebraucht. Geburtshilfe läuft rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag.“ Zudem solle auch die Ausbildung der Ärzte gebündelt werden. Ein Rotationssystem sei angedacht. Dabei würden Assistenzärzte Teile der Ausbildung in Stolberg und Teile in Eschweiler verbringen. Aber Wagenbach und Offermann haben ein noch größeres Ziel vor Augen: eine gemeinsame Weiterbildungsstätte. Über Details sei jedoch noch nicht gesprochen worden.

Ob auch weitere Abteilungen in einem ähnlichen Prinzip zusammengelegt werden, das könne man jetzt noch nicht sagen. „Das, was wir machen, ist innovativ. Wir fangen aber jetzt erst damit an. Wir müssen noch Laufen lernen“, sagt Offermann. Radtke jedoch betont: „Es hört damit nicht auf.“

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