Aachen - Stolberger NPD-Ratsherr sagt vor Gericht aus

Stolberger NPD-Ratsherr sagt vor Gericht aus

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Stolberger NPD-Ratsherr Willibert Kunkel (61) hat am Freitag seinen großen Auftritt als Zeuge vor dem Aachener Schöffengericht bekommen.

Gestenreich berichtete er, wie es passieren konnte, dass er Opfer eines Ellenbogenhiebes des Gesinnungsgenossen Dennis U. werden konnte. Der mutmaßliche Täter und politische Widersacher sitzt nicht weit neben ihm auf der Anklagebank, wie gewohnt bei diesen Verfahren sind erhebliche Polizeikräfte im Justizzentrum. Denn U. gilt als einer der Anführer der rechtsradikalen „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) und sitzt wegen einer anderen Sache im Gefängnis.

Der einschlägig bekannte Aktivist schwieg am Freitag konzentriert. Auch dann noch, als Kunkel vor Richter Hermann-Josef Gehlen wortreich den Vorfall vom 7. Oktober 2011 in der Stolberger „Marktschänke” beschrieb. Das, was am frühen Abend dort passierte, war durchaus bedrohlich, auch wenn es auf den ersten Blick nach Sandkastenmätzchen und politischen Hahnenkämpfen aussah.

Der NPD-Kreisvorsitzende Kunkel hatte eine Kreisversammlung seiner Partei für diesen Abend abgesagt und trank in der „Marktschänke” mit seiner Frau und drei Freunden ein Bier, erklärte er dem Richter. Dann sei eine Abordnung der KAL aufgetaucht, etwa 15 Menschen. Hintergrund allerdings ist ein Vorfall, der sich einige Zeit vorher zugetragen hatte.

In der KAL gibt es neun NPD-Mitglieder, die versucht hatten, Kunkel bei Vorstandswahlen aus dem Amt zu treiben. Jetzt wollte Kunkel die KAL-Leute, die anscheinend bislang keine Mitgliedsbeiträge gezahlt hatten, zur Kasse bitten. Daher hatte er sie gar nicht erst über den Ausfall der Versammlung informiert, damit sie auch bloß in die „Marktschänke” kommen.

Das habe Dennis U. nicht auf sich sitzen lassen wollen. U. habe sich vor ihm aufgebaut und geschrien: „Halt die Fresse!”, und gedroht: „Wir werden die NPD übernehmen!” Dann habe U. ausgeholt und ihm den Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. Erst als Brigitte Kunkel Pfefferspray einsetzte, löste sich das Gerangel.

Gleichermaßen aktiv soll U. bei einer Körperverletzung am 26. Juni 2011 auf der Aachener Theaterstraße gewesen sein. Hier sollen mehrere KAL-Mitglieder einen dem linken Spektrum zugerechneten Skater verfolgt haben. Der junge Mann flüchtete sich in das Fahrzeug eines Unbeteiligten.

Die Nazis hätten den Mercedes umzingelt, berichtete ein 25-jähriger Zeuge, und dem Skater durch ein halboffenes Fenster ins Gesicht geschlagen und Reizgas ins Auto gesprüht. In Panik gab der Fahrer Gas. Der Prozess geht am 1. Juni weiter.
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