Stolberger friert stundenlang fürs weltbeste Bild

Von: Sonja Essers
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Die Faszination Fotografie hat Markus van Hauten gefangen genommen: Sein Siegerbild vom „Sony Award“ hängt schon seit vorigem Jahr an einer Wand zwischen Küche und Esszimmer. Als London anrief, war er sprachlos. Jetzt widmet er sich erstmal wieder der Familie. Foto: Harald Krömer

Stolberg. Es war ein Anruf im Februar, der das Leben von Markus van Hauten von heute auf morgen auf den Kopf stellte. Sprachlos und mit weit aufgerissenen Augen lauschte er der Damenstimme am anderen Ende der Leitung.

Sie verkündete dem 47-Jährigen aus Stolberg, dass er den „Sony World Photography Award“, den größten Fotowettbewerb der Welt, in der Kategorie der Amateure gewonnen hatte. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich überhaupt einen Preis gewinne“, sagt Markus van Hauten und wirkt noch immer überrascht.

Seit dem Anruf sei viel passiert, sagt er während sein Blick vom Esszimmer in Richtung Küche wandert. Trotz einer Größe von rund zwei mal einem Meter ist das Panoramabild an der Wand erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Vielmehr fällt dem Besucher das hölzerne Herz daneben auf, das nur dazu dient, ein herausragendes Kabel zu verdecken. Ein modernes Siegerbild neben einem eher altbackenen Deko-Element. Ein Gegensatz, der größer nicht sein könnte, jedoch viel über den Hobby-Fotografen verrät.

Aus über 100.000 Einsendungen aus aller Welt wurde das Panoramabild des zweifachen Vaters ausgewählt. Erst vor zwei Wochen wurde van Hauten in London mit dem begehrten Award ausgezeichnet. Ein Erfolg, der schnell zu Kopf steigen kann. Arroganz strahlt Markus van Hauten jedoch nicht aus. Auch ein eigenes Büro, in dem er seine Werke an großen Bildschirmen mit teuren Programmen bearbeitet, findet man in dem Haus der Familie nicht. „Meistens liege ich mit meinem Laptop auf dem Bauch auf der Couch“, sagt van Hauten und wirkt bei seiner Antwort fast schon schüchtern.

Die Fotografie ist aus seinem Leben zwar nicht mehr wegzudenken, jedoch wird sein Alltag davon nicht bestimmt. Seine Leidenschaft zum Beruf machen, kommt für ihn nicht in Frage. „Die Fotografie ist ein Hobby und das soll auch so bleiben“, ist sich der Diplom-Ingenieur, der für ein Kommunikationsunternehmen in Aachen arbeitet, sicher.

Es gibt auch Wochen, in denen er die Kamera gar nicht zur Hand nimmt. „Das ist das Schöne: Ich kann, muss aber nicht“, sagt er. Vor Reisen sieht das anders aus. Dann verbringt er bis zu 20 Stunden in der Woche damit, Touren zu planen und mögliche Motive rauszusuchen. Eine Reise war es auch, die seine Begeisterung dafür erst auslöste.

Bis zu seiner Hochzeit 2006 hatte van Hauten mit Fotografie nämlich rein gar nichts am Hut. Seine Hochzeitsreise nach Island wollte das Paar jedoch nicht mit einer Digitalkamera festhalten, und so kaufte van Hauten kurz vor dem Trip eine Spiegelreflexkamera. Und aus den Urlaubsfotos entwickelte sich eine Passion, die immer größer wurde und sich über verschiedene Genres zog. Begeisterte sich van Hauten zunächst für die Sportfotografie, standen später auch Tiere im Mittelpunkt seines Interesses.

Derzeit sind es die nordischen Landschaften, die es ihm angetan haben. Und so machte er sich im Januar des vergangenen Jahres erneut auf den Weg nach Island. Ein Land, das nicht nur mit außergewöhnlichen Landschaften begeistert.

„In Island ist es gerade einmal sechs bis sieben Stunden am Tag hell. Da entstehen natürlich ganz besondere Aufnahmen“, sagt van Hauten mit einem Leuchten in den Augen. Der Götterfall hatte es dem 47-Jährigen bereits vor seiner Reise angetan und so setzte er während des Trips alles daran, ein perfektes Bild davon zu machen.

Im Dunkeln machte sich der Hobby-Fotograf auf den Weg. Sein Ziel: ein Bild bei Sonnenaufgang ergattern. Eingepackt in dicke Skikleidung und mit entsprechenden Winterstiefeln stapfte van Hauten durch den Schnee. Auf dem Rücken trug er die rund 15 Kilogramm schwere Kameraausrüstung. Gleich mehrfach wechselte er die Position – mit seiner Ausbeute war er trotzdem nicht zufrieden.

Ausflug zum Fuß des Wasserfalls

Am nächsten Tag startete er einen zweiten Versuch. Diesmal versuchte er sein Glück bei Sonnenuntergang. „Ich dachte nicht, dass ich ein gutes Bild machen würde“, sagt er. Hatte er beim ersten Versuch den Wasserfall von oben fotografiert, stand nun ein Ausflug zum Fuß des Wasserfalls an.

Er marschierte durch kniehohen Schnee und rutschte schließlich einen steilen und ebenfalls mit Schnee bedeckten Abhang hinunter. Mit einer schweren Ausrüstung auf dem Rücken sei das gar nicht so einfach, sagt van Hauten. Doch das war nicht das größte Problem.

Der eisige Wind machte dem Stolberger, der sich selbst als „nicht besonders kälteresistent“ beschreibt, zu schaffen. Bis zu minus 15 Grad erreichten die Temperaturen. Doch van Hauten harrte tapfer aus und wartete auf den richtigen Moment um den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Nach zweieinhalb Stunden war es geschafft.

Dass sein Durchhaltevermögen über ein Jahr später mit einem international anerkannten Preis ausgezeichnet werden würde, ahnte er damals noch nicht. „Wenn man gute Bilder machen möchte, muss man eben viel Geduld haben“, sagt er und lacht. Wieder zu Hause angekommen, ging es an die Bearbeitung. Diese fiel allerdings nicht besonders ausführlich aus. „Ich möchte keine unrealistischen Bilder erzeugen“, sagt er.

Fans hat er für seine Fotografien bereits gewinnen können. Allen voran seine Frau und seine beiden Kinder. „Meine Frau hat schon immer gesagt, dass meine Bilder toll sind“, sagt Markus van Hauten. Wohin die nächste Reise gehen soll, steht derzeit noch nicht fest. Erst einmal will der 47-Jährige seine Zeit wieder seiner Familie widmen.

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